Amundi lässt die Muskeln spielen: Lyxor-Übernahme soll neues ETF-Schwergewicht schmieden

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Französischer Megadeal rüttelt Vermögensverwalterbranche durcheinander: Amundi will Lyxor schlucken und neuen Riesen am ETF-Markt schaffen. DWS wird überholt und könnte unter Zugzwang kommen (Foto: zhaoliang70 / Shutterstock.com)

Der Deal ist ein Paukenschlag. Die Fondsgesellschaft Amundi will den Konkurrenten Lyxor schlucken. Dabei hat sie es insbesondere auf das ETF-Geschäft abgesehen, in dem Lyxor stark ist. Mit dem französischen Megadeal nimmt die Konsolidierung auf dem europäischen ETF-Markt wieder Fahrt auf. Unter Zugzwang könnten nun der deutsche ETF-Riese DWS kommen, der von dem neuen Player überholt wird.

Credit Agricole-Tochter bietet 825 Millionen Euro

Den geplanten Zusammenschluss will sich Amundi, die Tochter der Credit Agricole, 825 Millionen Euro kosten lassen. Laut Medienberichten befinden sich die beiden Unternehmen in exklusiven Verhandlungen. Ein endgültiges Übernahmeabkommen wird im Sommer erwartet.

Der Hintergrund des Deals liegt auf der Hand: Mit der Großübernahme soll das Wachstum im ETF-Segment weiter beflügelt werden. Immerhin steigt das Gemeinschaftsunternehmen zur Nummer 2 in Europa auf. Zusammen kommen beide Firmen auf ein ETF-Volumen von rund 155 Milliarden Euro. Das ist zwar immer noch deutlich hinter dem Marktführer Blackrock (494 Milliarden Euro), verdrängt aber die DWS auf den dritten Platz (131 Milliarden Euro).

Hohe Synergien erwartet

Unter dem Strich rechnet die Konzernführung mit erheblichen Einsparungen. Auf Grund von Kostensynergien sollen in 2024 rund 60 Millionen Euro an Kosten wegfallen. Zusätzlich stellen die Manager Einnahmesynergien in Höhe von 30 Millionen Euro vor Steuern in Aussicht. Die Integrationskosten dürften weniger als 50 Millionen Euro betragen.

Der Deal hatte sich bereits abgezeichnet. Die Lyxor-Mutter Societe Generale hatte schon vor Längerem erklärt, sich verschlanken zu wollen. Zumindest kulturell sollte der Zusammenschluss passen. Ein grenzüberschreitender Deal wäre mit Sicherheit komplizierter geworden.

Übernahmepreis gilt unter Experte als ambitioniert

Am Ende wird sich Amundi aber nicht alle Aktivitäten des Rivalen einverleiben. Die strukturierte Vermögensverwaltung und das Strukturierungsgeschäft sollen weiter bei der Societe Generale bleiben. Mit dem Zukauf geht es vor allem um Größe. Am Ende zahlt Amundi 0,66% des verwalteten Vermögens, was in der Branche als recht hoch gilt, da die meisten Gelder in margenschwachen ETF-Lösungen stecken.

Für Sie zum Hintergrund: Die in der Regel passiven Produkte bilden nur einen Index ab und sind daher für den Anleger kostengünstiger als beispielsweise aktiv verwaltete Fonds. Daher liegen die Transaktionsmultiples bei Übernahmen in diesem Segment meistens zwischen 0,3 und 0,4% der verwalteten ETF-Volumina.

Marktkonzentration nimmt weiter zu

Sollte der Zusammenschluss durchgehen, dann nimmt die Marktkonzentration auf dem europäischen ETF-Markt weiter zu. Unter dem Strich ist der europäische ETF-Markt rund 1,1 Billionen Euro schwer. Laut dem Datenanbieter Lipper kommen die vier größten Anbieter (Blackrock, Amundi + Lyxor, DWS) auf einen Marktanteil von 75%.

Übernahme positiv für den Privatanleger

Während sonst eine zunehmende Marktkonzentration oft nachteilige Auswirkungen auf Kosten für den Nutzer hat, könnte sich der Zusammenschluss der beiden ETF-Anbieter für den Endanleger durchaus positiv auswirken. Um Synergien zu heben, dürfte es nach der Übernahme zur Zusammenlegung von ETF-Produkten kommen, die beispielsweise den gleichen Index abbilden. Mehr Volumen bedeutet in der Regel auch eine höhere Liquidität, was sich wiederum in geringeren Handelskosten (geringerer Spread zwischen Geld- und Briefkurs) widerspiegelt. Davon dürften am Ende auch Privatanleger profitieren.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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