An der Börse wird die Zukunft gehandelt!

„An der Börse wird die Zukunft gehandelt.“ – Diesen Satz haben Sie vermutlich schon das eine oder andere Mal gehört oder gelesen.

Dennoch scheinen wir diese Börsen-Binsenweisheit im täglichen Anleger-Einerlei gerne zu vergessen:

An den meisten Börsen-Kommentaren können Sie dieser Tage eine Tendenz ablesen, welche die ersten Amtshandlungen des neuen US-Präsidenten Trump für die Seitwärts-Bewegung an den Aktienmärkten verantwortlich macht.

Seine unpopulären Entscheidungen wie das Einwanderungs-Dekret mögen unsere Gemüter und die Medien erhitzen.

Doch sie spielen tatsächlich so gut wie keine Rolle für die handelnden Großinvestoren – und nur die bestimmen die Trends.

Danke an die „Experten“ für ihre negative Markteinschätzung

Zudem sind die negativen Einschätzungen für den Aktienmarkt, die derzeit kursieren, der Schlüssel für die Fortsetzung des Aufwärtstrends:

„Climbing a wall of worries“ („An einer Wand voller Sorgen empor klettern“) lautet eine andere Börsen-Binsenweisheit:

Wenn die Experten die Zukunft negativ einschätzen, dann bleiben kaum Marktteilnehmer übrig, die die Abwärts-Bewegung auch in Gang setzen:

Weil ja alle von ihrer Überzeugung profitieren wollen, haben sie sich entsprechend am Aktienmarkt positioniert.

Sie haben dieses „Spielchen“ in 2016 gleich 2x, beim BrExit-Votum und bei der US-Wahl, hautnah miterlebt: Fallen Sie bitte nicht ein 3. Mal darauf herein!

Auch in diesen Wochen handeln die Börsen die Zukunft

Einen der beiden wahren Gründe für die derzeit laufende Konsolidierung hatte ich Ihnen bereits in meinem gestrigen Chartanalyse-Trends-Beitrag genannt.

Und er ist eher technischer Natur: Die Indizes brauchen nach Rallyes zwischen +10% und +15% schlichtweg eine Verschnaufpause!

Der 2. Grund hat mit der eingangs zitierten Börsen-Binsenweisheit zu tun:

Die Marktteilnehmer haben im November und Dezember Donald Trumps Wahlkampf-Versprechen bezüglich Steuersenkungen und Ankurbelungs-Maßnahmen für die heimische Wirtschaft honoriert.

Jetzt, da Trump im Amt ist, müssen seinen Zusagen auch Taten folgen. Und genau auf derartige Signale warten die Geldmanager an der Wall Street.

2009: Paradebeispiel für „Zukunfts-Handel“

Auch sollten Sie keinesfalls den Fehler machen, die Rallye an den Aktienmärkten seit November / Dezember als „unlogisch“ anzusehen, nur weil Sie in Wirtschaft und Konjunktur (noch) keine und kaum Anzeichen für eine bessere Entwicklung entdecken können.

Ich darf Sie in diesem Zusammenhang an das Jahr 2009 erinnern: Die Weltkonjunktur steckte nach der in 2007 gestarteten Finanzkrise in einem tiefen Loch.

Im Dezember 2008 kürzte die Weltbank ihre Prognose für das globale Wirtschafts-Wachstum in 2009 von zuvor +2,5% auf nur noch +0,9%. 6 Monate später wurde die Vorhersage von -1,75% auf -3,0% gesenkt!

Laut Aussagen des Statistischen Bundesamtes befand sich Deutschland zwischen Oktober 2008 und dem 2. Quartal 2009 in einer Rezession.

Die Industrie-Produktion in der Eurozone knickte innerhalb von nur 12 Monaten bis zum Frühjahr 2009 um mehr als 1/5 ein!

Abwrack-Prämie: Sinnbild für die Tiefe der Finanzkrise

Die deutschen Bürger waren derart deprimiert, dass kaum noch Investitionen oder Anschaffungen getätigt wurden. Besonders betroffen war in Deutschland die Auto-Industrie.

Nach monatelangen Diskussionen wurde dann am 14. Januar im Rahmen eines 2. (!) Konjunktur-Paketes die Abwrack-Prämie eingeführt:

Wer sein altes Auto verschrotten ließ, um sich ein neues dafür zu kaufen, konnte eine staatliche Prämie in Höhe von 2.500 € beantragen.

DAX lief der Wirtschafts-Entwicklung weit voraus

Die folgende Grafik macht sehr schön deutlich, warum an der Börse die Zukunft gehandelt wird:

dax vs industrieproduktion eurozone_08-02-2017

Der DAX startete bereits nach oben durch, noch bevor die Finanzkrise ihren Tiefpunkt erreichte!

Der Chart zeigt die Entwicklung von DAX und Industrie-Produktion in der Eurozone zwischen 2006 und 2011.

Wie Sie unschwer erkennen können, startete der DAX 30 ab Mitte März 2009 bereits wieder nach oben durch, noch bevor die Wirtschaftskrise überhaupt ihren Tiefpunkt erreichte.

Und selbst in den Monaten danach war lange Zeit nicht erkennbar, dass aus der anfänglichen Erholung der Industrie-Produktion bis April 2010 ein Höhenflug wurde, der sogar das Niveau vor Beginn der Finanzkrise 2007 überstieg!

Fazit und Empfehlung

Ignorieren Sie am besten die Kommentare und Berichte, die tagtäglich versuchen, Ihnen das Auf und Ab an den Aktienmärkten zu erklären! Sie sind die Zeit nicht wert, die Sie zur Kenntnisnahme aufwenden.

Wenn Sie langfristigen Investment-Erfolg wollen, dann schauen Sie vielmehr auf das Große & Ganze! Lösen Sie sich vom Tagesgeschehen und entwickeln Sie Visionen, wie sich die Zukunft gestalten könnte.

Die Charttechnik liefert Ihnen dazu das Hilfsmittel par Excellence:

Da die Kurse das Verhalten der Marktteilnehmer zu jedem gegebenen Zeitpunkt widerspiegeln, sind daraus Rückschlüsse auf wahrscheinliche Entwicklungen möglich.

Natürlich muss Donald Trump nun liefern, um seine eigene Vision des „America First“ Realität werden zu lassen. Doch ich bin mir sicher, dass dies schon sehr bald geschehen wird.

Und dann wird die Börse weiterhin die Zukunft handeln, die sich als Konsequenz aus den Trump’schen (Wirtschafts-) Maßnahmen ergeben werden.

8. Februar 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Andreas Sommer. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt