An der Tesla-Aktie scheiden sich die Geister

Die Aktie des Jahrzehnts oder ein Rohrkrepierer? Die Meinungen zur Tesla-Aktie gehen weit auseinander. Hier erfahren Sie Näheres darüber: (Foto: Hadrian / Shutterstock.com)

Bei kaum einer Aktie gehen die Meinungen von Analysten und Anlegern derzeit so weit auseinander wie bei der von Tesla.

Einerseits ist Tesla beim Elektroauto-Boom ganz vorne mit dabei, andererseits hat die Bewertung mit dem vor wenigen Tagen erreichten neuen Allzeithoch schwindelerregende Höhen erreicht.

Der Einstieg lohnt sich auf diesem Niveau nur für Mutige.

Pro Tesla 1: Elektro-Autos gehört die Zukunft

Ein Argument, dass von den Tesla-Fans immer wieder ins Feld geführt wird, sind die Zukunfts-Aussichten von Elektro-Autos.

Der Elektromotor ist leise, abgasfrei und effizient – und macht die Auto-Industrie außerdem endlich unabhängig vom Erdöl.

Die Verbrauchs-Kosten liegen deutlich unter denen eines Benziners.

Die aufgrund der Batterie limitierte Reichweite, das ausbaufähige E-Tankstellen-Netz und der höhere Preis sind zwar Faktoren, die den Siegeszug der Elektro-Autos ausgebremst haben.

Doch die Entwicklung geht hier in die richtige Richtung. Mit zunehmender Massenherstellung der Batterien reduziert sich der Preis.

Die Speichertechnologien schreiten voran und ermöglichen höhere Kapazitäten, und auch das E-Tankstellen-Netz wird Schritt für Schritt ausgebaut.

Pro Tesla 2: Starke Marke und Technologie

Die Marke Tesla steht für innovative Elektro-Autos. Auch deswegen sind die Kunden gerne bereit etwas mehr zu zahlen als bei der Konkurrenz.

Genau diesem Kultstatus verdankt auch Apple einen Teil seines Erfolgs beim iPhone. Und das könnte sich für Tesla noch als sehr wertvoll erweisen.

Auch technologisch mischt Tesla ganz vorne mit: Der Konzern zählt zu den Marktführern im Bereich autonomes Fahren.

Im vergangenen Jahr konnte man es sich leisten die Zusammenarbeit mit Mobileye zu beenden und stattdessen auf eigenes Know-how zu setzen.

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Contra Tesla 1: Die Bewertung ist extrem hoch

Der enorme Börsenwert von Tesla hat in den vergangenen Monaten weiter zugelegt. Aktuell wird die Aktie mit 51 Mrd. US-Dollar bewertet, rund 46 Mrd. €.

Damit rangiert Tesla unter den Autobauern auf Rang 3 (hinter VW und Toyota) und hat gerade General Motors (GM) hinter sich gelassen.

Bei einem Größenvergleich mit GM wird jedoch schnell deutlich, dass extrem viele Vorschusslorbeeren in dieser Bewertung enthalten sind.

Schließlich hat GM im vergangenen Jahr mehr als 100x so viele Autos wie Tesla verkauft. Und noch eine Zahl dazu:

Jedes 2016 verkaufte Auto von Tesla wird von der Börse mit rund 600.000 US-Dollar bewertet – eine ganze Menge, v. a. da Tesla damit unterm Strich kein Geld verdient.

Contra Tesla 2: Einige Risiken werden von den Anlegern weitgehend ignoriert

Trotz der hohen Bewertung gibt es zahlreiche Risiken, die den Siegeszug von Tesla verhindern könnten.

Da wären zum einen die etablierten Autohersteller, die ebenfalls Elektro-Autos bauen.

Schaffen sie es gleichwertige Fahrzeuge zu signifikant günstigeren Preisen anzubieten, könnte dies für Tesla zum Problem werden.

Zum anderen bedrohen Hightech-Konzerne wie Apple und Google, die derzeit ihre Fühler nach der Automobil-Branche ausstrecken, die technologische Führerschaft von Tesla.

Noch ist außerdem nicht klar, wann und wie Tesla seine Kosten in den Griff bekommen will.

Im Gegensatz zur Konkurrenz macht Tesla nämlich keinen Gewinn, sondern legt bei jedem Auto noch etwas drauf.

Analysten befürchten, dass dies beim neuen Modell 3 mehr denn je der Fall sein wird. Um die hohe Bewertung irgendwann rechtfertigen zu können, muss Tesla dieses Problem lösen.

Fazit: Hohe Chancen, hohe Risiken

Die Chancen der Tesla-Aktie sind ohne Frage hoch, die Risiken allerdings auch. Daher stellt die Tesla-Aktie aus meiner Sicht kein optimales Investment mehr dar.


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Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.