An einer Korrektur kommen wir trotzdem nicht vorbei

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Die Eskalation im USA-Iran-Konflikt scheint abgewendet. Die Aktienmärkte sind dennoch reif für eine Korrektur. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Die Aktienmärkte feiern die De-Eskalation im Konflikt zwischen dem Iran und den USA. Das dürfen sie auch – kurzzeitig.

Nach der ebenfalls moderaten Reaktion Donald Trumps auf die iranischen Vergeltungsmaßnahmen jubelte dann am Nachmittag die Wall Street. Und das feiert dann heute auch der DAX noch einmal.

Dann ist also alles prima? Apokalypse abgewendet? Weiter so wie bisher!?

Ich möchte heute etwas Wasser in diesen scheinbar wohlschmeckenden Wein gießen. Wir schauen einmal auf die Charttechnik vom Gold, DAX und S&P 500.

Einschub

Vorab noch ein Einschub zum Konflikt: Glauben Sie ernsthaft, dass der Iran nach den Ereignissen der letzten Tage nun künftig so agiert, als sei nichts geschehen?

Ich erinnere noch einmal an das, was ich Ihnen bereits gestern schrieb:

„Allerdings bekräftigte der Iran auch sein Festhalten am Ziel, dass die US-Soldaten aus der Region verschwinden müssten. … Last not least: Ich verrate Ihnen kein Geheimnis, wenn ich darauf hinweise, dass Donald Trump hin und wieder zu heftigem Stimmungswandel neigt.“

Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass der Iran nun das Trump-Angebot annimmt und sich mir nichts, Dir nichts mit den USA, Großbritannien, Frankreich und Deutschland wieder an einen Tisch setzt, um ein neues Atomabkommen auszuhandeln.

Zumal das letzte – 2015 vertraglich besiegelte – vom US-Präsidenten als eine seiner ersten Amtshandlungen 2017 einseitig aufgekündigt wurde und die Iraner dies vor wenigen Tagen nun ihrerseits getan haben.

Ach ja: Und als Dankeschön für die maßvolle Vergeltung kündigte Trump ja auch noch neue, zusätzliche Sanktionen für den Iran an.

Goldpreis: Erstes Kursziel Allzeithoch

Beginnen wir mit dem Goldpreis. Dieser hat ja bekanntlich den Ruf eines Krisen- und Inflations-Barometers. Nun: Inflation ist derzeit (noch) kein Thema, Krise aber durchaus.

Goldpreis: Erstes Kursziel ist das Allzeithoch bei 1.895 USD

Folgende Punkte können wir konstatieren:

  • Der Goldpreis ist (schon im Juni 2019) aus seinem im September 2011 begonnenen Abwärtstrend nach oben ausgebrochen.
  • In den ersten Januartagen hat der Kurs des gelben Metalls ein neues Top im bestehenden Aufwärtstrend markiert und diesen damit bestätigt.
  • Da es sich hier um einen Monats-Chart handelt, können Sie prima erkennen, dass die vom Edelmetall ausgebildeten Trends extrem langfristiger Natur sind.
  • Der von mir eingezeichnete Trend-Kanal gibt Ihnen eine Vorstellung davon, wohin der Goldpreis in den kommenden Monaten laufen kann.
  • Das erste Kursziel bei 1.895 USD je Feinunze dürfte noch im weiteren Jahresverlauf erreicht werden: Diese Marke kennen Sie als das Allzeithoch aus 2011 (Horizontale).

S&P 500: Warnsignal 200-Tagelinie-Kanal

Vorab zur Erklärung: Sie sehen hier den S&P 500 mit seiner 200-Tagelinie. Um diese habe ich einen Kanal im Abstand von +-7% gelegt.

Wie Sie sehen, hat sich der US-Leitindex in den vergangenen 2 Jahren stark an der Oberseite dieser Umhüllung orientiert. Soll heißen: Wenn die obere Kanal-Begrenzung erreicht oder überschritten wurde (gelbe Kreise), dann leitete der Index kurz darauf – regelmäßig – eine mittlere oder sogar größere Korrektur ein, um „Luft abzulassen“.

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S&P 500: Klar überkauft – eine Korrektur ist überfällig!

S&P 500: Warnsignal Divergenz

Insbesondere vor den größeren Korrekturen wurden Sie dabei von Divergenzen (Abweichung) vorgewarnt: Diese Signale werden immer dann generiert, wenn der betrachtete Markt höhere Hochs markiert, das Momentum jedoch nicht.

2 Hinweise: Divergenzen funktionieren auch mit anderen Indikatoren, wie beispielsweise dem Relative-Stärke-Index. Und: Sie warnen spiegelverkehrt auch in Abwärtstrends vor einem Richtungswechsel.

Das Problem bei diesen Divergenzen ist: Sie sind kein Timing-Faktor!

Der Markt kann schon kurz nach der ersten auftretenden Abweichung einen Trendwechsel einleiten. Es kann aber auch noch Wochen dauern, wie beispielsweise in der Zeit von April bis Juni 2019.

Um Ihnen zu demonstrieren, wie weit sich der S&P 500 inzwischen sogar noch von der Oberseite des 200-Tagelinie-Kanals entfernt hat, habe ich die (bis dahin größte) Distanz aus dem März 2018 als Rechteck abgetragen und an die aktuelle 200-Tagelinie angesetzt.

Da es sich hier um einen logarithmischen Chart handelt, sind die Preisdistanzen prozentual gleich (nicht punktemäßig).

DAX: Warnsignale Divergenz und 200-Tagelinie-Kanal

Schauen wir nun noch auf einen ähnlichen Chart für den DAX.

DAX: Eine vierfache (!) Divergenz – eine Korrektur ist überfällig!

Ich denke, ich brauche hier nach der vorhergehenden S&P 500-Analyse nicht mehr viel zu sagen:

Der DAX schießt heute erneut über die Obergrenze des 200-Tagelinien-Kanals (gelbe Kreise).

Das Momentum bewegt sich seit dem letzten Hoch im November 2019 in einem Abwärtstrend, während der DAX (auch heute wieder) höhere Hochs markierte. Inzwischen wurde eine vierfache (!) Divergenz aufgebaut!

Fazit

Die Aktienmärkte feiern die (vermeintlich?) abgewendete Eskalation im Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Die Charttechnik „schreit“ aber regelrecht – und das nicht erst seit heute – nach einer notwendigen Korrektur.

Das gilt für die Wall Street ebenso wie für den DAX. Ich warne damit keineswegs vor einem bevorstehenden Crash: Im Gegenteil gibt es insbesondere für die Wall Street ermutigende charttechnische Signale für eine – langfristige – Weiterführung des Aufwärtstrends. Doch dazu mehr in der kommenden Woche.

Doch bevor der bestehende Aufwärtstrend fortgesetzt werden kann, bedarf es inzwischen immer dringender einer Verschnaufpause! Und das besagt im Übrigen nicht nur die Charttechnik, sondern auch der von mir vor 2 Tagen analysierte „Global Fund Manager Survey“ der Bank of America Merrill Lynch vom Dezember 2019.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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