An Wirecard beißen sich die Leerverkäufer die Zähne aus

US-Leerverkäufer nehmen zunehmend auch deutsche Aktien unter Beschuss.

Vor einigen Wochen sorgte ein vernichtender Kommentar zur Beteiligungs-Gesellschaft Aurelius für einen 40%-Kursrutsch bei der in den vergangenen Jahren recht erfolgreichen Aktien.

Im Vorjahr machten Anleger von Ströer und Wirecard ähnliche Erfahrungen. Zumindest bei Wirecard haben sich die Leerverkäufer aber die Zähne ausgebissen.

Die Aktie notiert längst wieder deutlich über den Kursen vor der Leerverkäufer-Attacke 2016.

So verdienen Leerverkäufer Geld

Leerverkäufer (Shortseller) setzen auf fallende Aktienkurse.

Dazu verkaufen sie Aktien, die sie sich geliehen haben, in der Hoffnung, diese zu einem späteren Zeitpunkt zu niedrigeren Kursen einzukaufen.

Die Differenz zwischen Verkaufs- und späterem Rückkauf-Kurs streichen sie als Gewinn ein.

Dubiose „Studie“ setzte Wirecard-Aktie kurzfristig unter Druck

Dabei geht es leider nicht immer mit „rechten Dingen“ zu:

Einer der Leerverkäufer hatte es Anfang 2016 bei Wirecard anscheinend satt, bei steigenden Aktienkursen ständig Verluste zu machen und versuchte seinem Glück auf die Sprünge zu verhelfen.

Unter dem Schutz der Anonymität wurde eine „Studie“ zu Wirecard veröffentlicht. Darin wurden Zweifel an der Seriosität von Wirecard gestreut und der Aktie ein Kursziel von 0 € bescheinigt.

Hinter einer solchen Aktion steckt schon eine gehörige Portion kriminelle Energie.

Was dem Urheber der „Studie“ auch klar sein dürfte, versteckt er sich doch in der Anonymität und versucht sich zusätzlich mit einem sehr merkwürdigen rechtlichen Hinweis abzusichern, nämlich:

„Indem Sie diese Studie herunterladen, stimmen Sie ausdrücklich dem Disclaimer zu, inklusive der Risiken von Finanzverlusten, Betrug und Falschdarstellung.“

Das sagt bereits alles…

Zu gierig Leerverkäufer machten Verluste statt Gewinne

Kurzfristig ging die Absicht den Aktienkurs zu drücken auch hier auf. Die Wirecard-Aktie sackte von 46 auf 32 € ab. Allerdings haben es die Leerverkäufer mit ihrer Gier übertrieben:

Anstatt die niedrigen Kurse zu nutzen, um ihre verliehenen Aktien günstig zurück zu kaufen und satte Gewinne abzukassieren, haben sie ihre Leerverkaufs-Positionen sogar noch erhöht.

Ihr „Pech“: Der Aktienkurs erholte sich schneller als erwartet.

Und da die Leerverkäufer ihre Positionen bis heute nicht abgebaut haben (aktuell sind knapp 12% aller Wirecard-Aktien leerverkauft), sitzen sie auf erheblichen Verlusten.

Denn die Wirecard-Aktie notiert heute rund 20% höher als vor der Attacke und rund 70% höher als zum Tiefpunkt des Jahres 2016. Ein bisschen Schadenfreude darf es da schon sein.

Auf die Ziele der Leerverkäufer zu setzen, ist riskant

In Anbetracht einer solchen Entwicklung könnte man auf die Idee kommen, gezielt auf Aktien zu setzen, deren Kurse von Leerverkäufer-Attacken unter Druck gesetzt wurden.

Dies ist jedoch eine riskante Strategie. Denn so wie bei Wirecard läuft es längst nicht immer.

Zwar haben sich auch Ströer und Aurelius von den Tiefstständen unmittelbar nach der Attacke erholen können, doch in den USA gibt es zahlreiche Beispiele von Aktien, die nie wieder auf die Beine gekommen sind.

Letztlich müssen Sie in solchen Fällen genau einschätzen können, wie viel an den Vorwürfen wirklich dran ist; für Außenstehende ist dies schwierig.

Und selbst wenn nur 10% davon stimmen, bleibt ein Makel, der die Aktie jahrelang verfolgen kann.

Was jedoch Wirecard angeht, so bleibe ich optimistisch, dass sich die Leerverkäufer hier weiterhin die Zähne ausbeißen.

Das Unternehmen hat bislang stets gut auf solche Vorwürfe reagiert und sich das Vertrauen der Anleger schnell zurückgeholt.

Falls Sie Konzerne mit hoher Wachstums-Dynamik suchen, in die Sie langfristig investieren können, ist die Aktie auf jeden Fall einen Blick wert.

Die Wirecard-Aktie zählt übrigens seit Jahren zu den Favoriten meines Börsendienstes Innovation-Investor.

Erst gestern haben meine Leser die halbe Position Wirecard verkauft und damit +451% Gewinn realisiert.

11. Mai 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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