Anadarko-Übernahme: Starinvestor Warren Buffett schaltet sich in Übernahmekampf ein

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Warren Buffett steigt mit Milliarden-Ansage in Bieterwettkampf bei Anadarko Petroleum ein. Chevron-Offerte verliert deutlich an Attraktivität. (Foto: Denis Kuvaev / shutterstock.com)

Wenn man am wenigsten mit ihm rechnet, ist er wieder da. Gemeint ist Warren Buffett, einer der erfolgreichsten Investoren weltweit. Kurz vor der Hauptversammlung seines Investment-Unternehmens Berkshire Hathaway, die am morgigen Samstag stattfindet, ergreift der Großinvestor Partei im Übernahmestreit zwischen Chevron und Occidental Petroleum und könnte damit für die entscheidende Wende sorgen. Sie müssen wissen: Beide Firmen buhlen weiterhin um den US-Ölkonzern Anadarko Petroleum.

Buffett lockt mit 10 Milliarden schwerem Investment

Vollkommen überraschend schaltet sich die Anlegerlegende in den Übernahmekampf ein. Wie der Bieter Occidental Petroleum vor dem Maifeiertag mitteilte, will Buffett Occidental-Vorzugsaktien im Gegenwert von 10 Milliarden Dollar kaufen, um den Deal zu erleichtern.

Zu Ihrer Information: Vor wenigen Tagen hatte der Ölkonzern aus Houston eine Übernahmeofferte von 38 Milliarden Dollar für Anadarko auf den Tisch gelegt. Mit dem Angebot wurde die ursprüngliche Offerte von Chevron um satte 5 Milliarden Dollar überboten.

Deal a la Buffett

Bei dem geplanten Einstieg Warren Buffetts handelt es sich um einen Deal ganz nach dem Geschmack des Großinvestors. Sollte die Transaktion zustande kommen, dann erhält Buffett Vorzugsaktien mit einer Dividendenrendite von 8%. Darüber hinaus bekommt Buffett die Option, 80 Millionen Stammaktien zu einem festen Preis von 62,50 Dollar zu kaufen. Damit würde das Orakel aus Omaha rund 11% aller Occidental-Aktien halten.

Nach dem gleichen Muster ist Buffett bereits 2008 und 2011 bei den US-Banken Goldman Sachs und Bank of America eingestiegen. Mit der einstigen Industrieikone General Electric vereinbarte der zum Höhepunkt der Finanzkrise einen ähnlich gestrickten Deal.

Berkshire Hathaway zahlt Deal aus der Portokasse

Sollte der Deal zustande kommen, wäre es das erste richtig große Geschäft seit Jahren. Leisten kann sich Buffett die Transaktion mit seiner Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway allemal. Immerhin sitzt der Konzern auf einem Bargeldberg von inzwischen unglaublichen 112 Milliarden Dollar. Seit langem ist Buffett auf der Suche nach lukrativen Megadeals und scheint jetzt fündig geworden zu sein.

Chevron gerät ins Hintertreffen

Der Einstieg Buffetts erfolgt aber nur unter einer Bedingung: Occidental Petroleum muss sich im Übernahmekampf gegen den deutlich größeren Chevron-Konzern durchsetzen. Allerdings erscheint das mit dem Buffett-Konzern im Rücken nun deutlich wahrscheinlicher.

Offen für das Occidental-Angebot war die Anadarko-Führung schon bevor der Einstieg Buffetts bekannt wurde. Allerdings würde das Deal-Aus den Konzern einiges kosten. Dann wäre nämlich eine sogenannte Break-Up-Fee in Höhe von 1 Milliarden Dollar an Chevron zu leisten.

Wird Chevron nachlegen?

Nach der Einigung mit Buffett hat der Übernahmekampf nochmals an Brisanz zugelegt. Sollte Anadarko die neue Offerte von Occidental offiziell als überlegen bezeichnen, hätte Chevron vier Tage Zeit, das eigene Angebot zu verbessern. Es bleibt also in jedem Fall vorerst spannend.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.