Anadarko: Wettstreit um Ölgiganten hat begonnen

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David gegen Goliath: Bieterwettstreit um Ölförderer Anadarko Petroleum hat begonnen (Foto: Denis Kuvaev / shutterstock.com)

Für Anleger des US-Ölkonzerns Anardarko hätte das Jahr kaum besser starten können. Um satte 65% schossen die Papiere in die Höhe. Über die Hintergründe des rasanten Kursanstiegs hatte ich Ihnen bereits vor einigen Tagen berichtet. Der US-Ölgigant Chevron hatte ein 50 Milliarden Dollar schweres Übernahmeangebot auf den Tisch gelegt. Doch damit nicht genug: Am Mittwoch tauchte der Rivale Occidental Petroleum auf und übertrumpfte die Chevron-Offerte nochmals deutlich. Die Anleger feierten den beginnenden Bieterwettstreit und trieben die Aktie um mehr als 11% nach oben.

Chevron setzt auf Expansion

Der Hintergrund des Angebots von Chevron ist so einleuchtend wie sinnvoll. Firmenboss Michael Wirth setzt mit der sechstgrößten Übernahme der Firmengeschichte vor allem auf eines – Expansion. Der Deal würde sowohl die Tiefseekapazitäten im Golf von Mexiko als auch das Flüssiggas-Geschäft (LNG) deutlich ausbauen. Chevron könnte damit seine führende Position im Bereich der Ausbeutung der Ölschieferreserven im amerikanischen Perma-Becken an der Grenze zwischen Texas und New-Mexico weiter stärken. Gleiches gilt auch für die Off-Shore-Öl-Reserven im Golf von Mexiko. Darüber hinaus würde Chevron weitere Reserven in Afrika gewinnen.

Occidental Petroleum legt 7 Milliarden drauf

Doch so reibungslos wie geplant dürfte die Transaktion für Chevron nicht von statten gehen. Zumindest nicht zu den ursprünglichen Konditionen. Denn der Konkurrent Occidental Petroleum hat mit seiner 57 Milliarden Dollar Kaufofferte das Chevron-Angebot um 7 Milliarden Dollar überboten. Damit würde Occidental Petroleum einen ordentlichen Schluck aus der Pulle nehmen. Immerhin wäre der Deal die größte Übernahme seit der Übernahme des Gasspezialisten BG Group durch den Ölgignaten Royal Dutch Shell in 2016.

Alternatives Angebot mit 19% Prämie

Bei dem Übernahmeangebot von Occidental Petroleum handelt es sich auch um eine gemischte Offerte. Je Aktie bietet der Ölförderer 76 Dollar. Davon sollen 38 Dollar in bar und 0,6094 eigene Aktien an die Anadarko-Anleger fließen. Unter dem Strich entspricht das Angebot einem Aufschlag von 19% auf den Schlusskurs vom Dienstag.

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US-Ölindustrie: Occidental Petroleum schließt Anadarko-Übernahme erfolgreich abOccidental gewinnt den Übernahmewettstreit um Anadarko-Petroleum. Nachdem sich Chevron aus dem Bietergefecht zurückgezogen hatte, haben die Anadarko-Aktionäre jetzt mit großer Mehrheit für die Übernahme durch Occidental gestimmt. › mehr lesen

Anadarko im Portrait

Anadarko Petroleum zählt seit der Fusion mit UPR (Union Pacific Resources) weltweit zu den größten unabhängigen Unternehmen der Öl- und Gasindustrie. Der Konzern fördert, verarbeitet und vertreibt Erdgas, Rohöl, verschiedene Kondensate und flüssiges Erdgas im In- und Ausland. Die Kernaktivitäten von Anadarko sind in Texas, Louisiana, der Rocky-Mountain-Region, Alaska sowie im Golf von Mexiko angesiedelt. Das Unternehmen ist aber auch in Kanada, Algerien, Guatemala, Venezuela und anderen Ländern vertreten.

Im zurückliegenden Geschäftsjahr gingen bei dem US-Ölspezialisten Umsätze von 13,36 Milliarden Dollar durch die Bücher. Das reichte für einen Nettogewinn von 615 Millionen Dollar, was einer Gewinnspanne von 4,60% entspricht.

David gegen Goliath

Was ist nun zu erwarten? Wird es einen offenen Bieterwettkampf geben? Eines dürfte klar sein: Wenn Chevron zum Zug kommen will, muss der Preis nachgebessert werden. Da es sich bei beiden Offerten um keine reinen Barofferten handelt, könnten Anleger es bevorzugen, Aktien des größeren Konzerns Chevron zu halten. Für Sie zum Vergleich: Chevron ist mit einem Jahresumsatz von 158 Milliarden Dollar deutlich größer als Occidental (17,8 Milliarden Dollar). Der Börsenwert ist mit 225 Milliarden Dollar fast viermal so hoch wie der des Konkurrenten. Es bleibt also spannend. Das letzte Wort dürfte noch nicht gesprochen sein.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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