Andreas Sommer im Interview: Wir befinden uns weiter in einem Bärenmarkt

Andreas Sommer

Chefanalyst Andreas Sommer spricht im Interview über die Entwicklung der Aktienmärkte und seine Anlagestrategie im Momentum-Trader.

Die vergangenen Monate waren für Anleger und ihre finanzielle Sicherheit eine wahre Achterbahnfahrt. Nun scheint das Tief jedoch überwunden zu sein, die Aktienkurse steigen langsam wieder an.

Doch was steht uns jetzt wirklich bevor? Ist die Krise wirklich schon überwunden?

Im exklusiven GeVestor-Interview beantwortet Andreas Sommer (Momentum-Trader), der den drohenden Crash schon vor Monaten erkannte und das Geld seiner Leser rechtzeitig in Sicherheit brachte, unsere Fragen.

Hubert Retterath: „Guten Tag Herr Sommer, ich freue mich, dass Sie trotz der vielen Arbeit die Zeit für dieses kurze Interview gefunden haben. Lassen Sie uns deshalb gleich zum Punkt kommen: Was halten Sie von der Entwicklung der Aktienmärkte in den letzten Monaten?

Andreas Sommer: Die Lage ist aus charttechnischer Sicht zumindest für die Wall Street recht klar: Bereits Ende Juni wurden die bestehenden Aufwärtstrends penetriert. Mit dem Mini-Crash von Ende August wurden bei allen wichtigen Indizes die seit 2009 bestehenden Aufwärtstrends klar verlassen. Der jüngste Aufschwung ist daher zwar erfreulich, aber er stellt zunächst einmal nicht mehr dar als einen Pullback, also ein Zurückschwingen, an die ehemaligen Aufwärtstrendlinien. Erst mit ganz neuen Rekordhochs würde diese Lage „aufgehoben“.

Hubert Retterath: Wie ist das zu verstehen?

Andreas Sommer: Nun, es klingt etwas komplizierter, als es tatsächlich ist, und ist einfacher zu verstehen, wenn man es auf einem Chart, beispielsweise vom S&P 500, vor sich sieht. Die eigentlich ja durchbrochenen Aufwärtstrendlinien müssten in diesem Fall neu „justiert“ werden. Das heißt konkret: Das Tief aus dem Jahr 2009 würde mit dem Tief im September 2015 verbunden, weil dies dann das letzte Tief wäre, das dem neuen Hoch vorausging.

Hubert Retterath: Und wie beurteilen Sie die Entwicklung des Aktienmarktes in Deutschland?

Andreas Sommer: Der DAX hat zwei Aufwärtstrends: einen aus dem Jahr 2011 und einen aus 2009. Beide blieben im jüngsten Mini-Crash intakt. Der Aufwärtstrend aus dem Jahr 2011 wurde zwar kurzzeitig nach unten verlassen, schaffte es anschließend jedoch wieder in den Aufwärtstrend hinein. Der Trend wurde also sozusagen nur „verletzt“, aber nicht gebrochen wie an der Wall Street.

Somit sieht die Charttechnik für Deutschland derzeit klar besser aus. Die Gretchenfrage bleibt dennoch: Wie geht es an den US-Aktienmärkten weiter? Denn die anderen Börsen der Welt richten sich traditionell an der Wall Street aus. Solange wir hier keine neuen Tops sehen, bleiben die Indizes, charttechnisch gesehen, in einem Bärenmarkt. Wir bewegen uns demnach zurzeit in einer technischen Erholungsbewegung innerhalb eines Bärenmarktes.

Hubert Retterath: Wie haben Sie reagiert als die Märkte angefangen haben unruhig zu werden? Konnten Sie das Geld Ihrer Leser schützen?

Andreas Sommer: Wir sind rechtzeitig ausgestiegen – dank unseres Markt-Barometers! Dieser von mir 2007 entwickelte Indikator zeigt uns jede Woche das Börsenwetter an, ganz so wie das Wetter-Barometer daheim in Ihrem Wohnzimmer.

Das Börsenklima hatte sich laut dem Markt-Barometer schon Ende Juli/Anfang August deutlich eingetrübt. Nachdem 4 von 6 Depotpositionen innerhalb weniger Tage ausgestoppt wurden, war ich natürlich besonders sensibilisiert. Am 21. August wurde mir dann die Lage zu heikel: Ich empfahl meinen Lesern auch noch den Verkauf der letzten beiden, im Momentum-Trader-Depot verbliebenen Wachstumsaktien. Um das Kapital meiner Leser zu schützen, wurde der Bargeldbestand dadurch auf 87,5 % erhöht. Zugleich empfahl ich nämlich auch den Kauf einer Position im ETFX DAX 2xShort Fund (Ticker: DES2 / WKN: A0X9AA / ISIN: DE000A0X9AA8), um von der erwarteten Abwärtsbewegung im DAX zu profitieren. Dieser ETF spiegelt die DAX-Bewegungen in umgekehrter Richtung mit einem zweifachen Hebel: Fällt der DAX um -1 %, steigt der ETF um +2 %. Dank dieser Maßnahmen sind die Momentum-Trader-Leser dem „Börsen-Orkan“ am 24. August entronnen: Der DAX verlor ja bekanntlich an diesem Tag bis zu 786 Punkte bzw. -12,8 %.

Hubert Retterath: Ich habe gehört, es sei nicht das erste Mal gewesen, dass Sie Ihre Leser vor Verlusten bewahrt haben? Können Sie uns etwas über Ihr Krisenmanagement in der Vergangenheit verraten?

Andreas Sommer: Wir haben eigentlich nur das gemacht, was wir schon seit der Finanzkrise 2007/08 regelmäßig in solchen Marktsituationen tun: Signalisiert unser Markt-Barometer Gefahr, dann steigen wir aus – notfalls auch komplett, genauso wie im August dieses Jahres. Ein Beispiel:

Als sich die Parteien im US-Kongress am Sonntag, den 1. August 2011 nach wochenlangem Ringen (Sie erinnern sich sicherlich?) endlich geeinigt hatten, stieg der DAX am Montagvormittag zunächst prima an und fiel dann urplötzlich heftig zurück. Für mich war das ein klares Signal zum Ausstieg, da unser Markt-Barometer schon seit Mitte Juli 2011 unruhige Aktienmärkte angekündigt hatte.

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Entsprechend empfahl ich den Momentum-Trader-Lesern am 2. August 2011 den Komplettverkauf des Depots. Vom Zeitpunkt meiner Empfehlung rauschte der DAX bis zum 12. September 2011 um fast -29 % in den Keller.

Hubert Retterath: Sie erwähnten es bereits: Sie haben eigens, um Ihre Leser vor Börsenphasen wie zuletzt im August zu schützen, das „Markt-Barometer“ entwickelt. Wie genau funktioniert dieses Markt-Barometer?

Andreas Sommer: Nur um das richtigzustellen: Das Markt-Barometer schützt meine Leser nicht nur. Es funktioniert natürlich auch in die andere Richtung: Es hilft uns dabei, in jeder Börsenlage mit dem angemessenen Grad in Wachstumsaktien investiert zu sein. Und das funktioniert so:

Ich messe jeweils am Wochenende die kurz-, mittel- und langfristige Charttechnik von DAX und Dow-Jones. Zusätzlich überprüfe ich die Verfassung von 4 weiteren, wichtigen Einflussfaktoren auf die Aktienmärkte: Ölpreis, Zinsen und Euro/USD. Über den Volatilitätsindex VDAX checke ich zudem das Verhalten der Marktteilnehmer.

Das Markt-Barometer kann dann Werte zwischen 0 % und 100 % annehmen. Oberhalb von 50 % bewegen sich die Börsen im „grünen Bereich“. Das bedeutet: Freie Fahrt am Aktienmarkt. Fällt das Markt-Barometer unter 50 %, gilt es vorsichtiger zu werden, weil sich möglicherweise ein Trendwechsel anbahnt. Werte von 20 % und weniger zeigen uns an, dass sich die Aktienmärkte in einem Abwärtstrend befinden. Bei 0 % besteht ein extrem hohes Crash-Risiko.

Hubert Retterath: Und der aktuelle Stand des Markt-Barometers?

Lässt sich wieder ein Aufwärtstrend erkennen?

Andreas Sommer: An diesem Wochenende (25. Oktober) ist unser Markt-Barometer erstmals seit dem 17. Juli dieses Jahres wieder über der Marke von 50 % und damit in der grünen Aufwärtstrend-Zone. Somit signalisiert unser Börsenklima-Indikator erstmals seit Juli wieder grünes Licht für den Kauf von Wachstumsaktien.

Hubert Retterath: Falls es bald wieder bergauf geht, haben Sie bereits wieder die passenden Werte für Ihre Leser im Blick?

Andreas Sommer: Selbstredend: Wenn die Aktienmärkte taumeln, gilt es für mich, die Märkte nach Wachstumsaktien zu sondieren, die nach dem Ende des Abwärtstrends die attraktivsten Kurspotenziale bieten. Tatsächlich habe ich in der vergangenen Woche bereits die erste Wachstumsaktie in das Momentum-Trader-Depot aufgenommen.

Hubert Retterath: Das klingt sehr vielversprechend. Zum Abschluss noch eine Frage: Was unterscheidet Ihre Strategie denn von den anderen Anlagestrategien am Markt?

Andreas Sommer: Die meisten Strategien fokussieren sich auf rein fundamentale Aspekte, wie beispielsweise die Value-Strategie. Einige wenige Strategien sind ausschließlich auf charttechnische Aspekte ausgerichtet. Im Momentum-Trader verknüpfe ich beide Seiten miteinander:

Ich überprüfe einige für mich wichtige Zahlen aus den Bilanzen und Quartalsberichten, um die Aktien auszufiltern, die ein starkes Gewinnwachstum aufweisen. Meine Kriterien sind derart anspruchsvoll, dass sie nur von etwa 6 % bis 8 % aller Aktien weltweit erfüllt werden. Das ist aber auch gewollt: Schließlich wollen wir die künftigen Mega-Kursgewinner finden.

Zu einer Empfehlung wird ein solcher Wachstumsaktien-Kandidat jedoch erst, wenn ich mithilfe der Charttechnik klare Kaufsignale erkenne. Ich halte beispielsweise Ausschau nach ganz besonderen Kursmustern, wie der „Tasse-mit-Henkel“ – diese Formation finden Sie fast ausschließlich bei Wachstumsaktien. Mir kommt es also auf das richtige „Timing“ an: Was ich sehen möchte, ist, dass meine Empfehlung Aufwärts-Momentum entwickelt und von den Großinvestoren bevorzugt gekauft wird. Alles das kann ich aus den Charts analysieren.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.