Andritz übernimmt Xerium: 100% Übernahme-Prämie sind nicht zu viel

Andritz macht mit der Übernahme von Xerium alles richtig. Besonders die Xerium-Hochzinsanleihe sollte Erfolgsgarant sein. (Foto: meinikof / shutterstock.com)

Der österreichische Anlagenbauer Andritz hat zu Wochenbeginn die Übernahme des US-amerikanischen Technologie-Unternehmens Xerium Technologies für  833 Mio. Dollar inklusive Schulden bekannt gegeben.

Mit dem Deal wollen die Steirer entsprechend ihrer Langfriststrategie das Service-Geschäft ausbauen, um von wiederkehrenden Erlösen zu profitieren. Klappt alles wie geplant, soll die Übernahme bis spätestens Ende 2018 abgeschlossen sein.

Xerium-Aktie knapp unter Angebotspreis: Reibungsloser Deal erwartet

Andritz bietet den Xerium-Aktionären 13,50 Dollar je Aktie und damit einen stolzen Aufschlag von 104% auf den Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Wer sich die Xerium-Aktie Anfang des Jahres ins Depot legte, kann sich sogar über 200% Gewinn freuen.

Im vorbörslichen US-Handel klettert die Xerium-Aktie auf 13,25 Dollar und liegt damit nur knapp unter dem Angebotspreis. Dies signalisiert Ihnen, dass der Markt eine reibungslose Transaktion erwartet.

Übernahme-Prämie ist schlechter Indikator für Angemessenheit eines Deals

Der hohe Aufschlag lässt vermuten, dass Andritz sehr tief in die Tasche greift, womöglich sogar zu viel bezahlt. Doch dem ist nicht so. Wenn Sie den Übernahme-Sensor häufiger lesen, dann wissen Sie, dass die bloße Höhe der Übernahme-Prämie keinen Aufschluss darüber gibt, ob ein Deal teuer oder günstig ist.

Die entscheidende Größe ist der operative Gewinnmultiplikator. Dieser liegt bei unter 8 und damit in etwa auf Höhe vergleichbarer Übernahmen – trotz der hohen Prämie auf den Xerium-Aktienkurs.

Andritz-Aktionäre unterstützen Übernahme-Plan des Andritz-Managements

Häufig reagiert die Aktie des Bieters nach einer Übernahme-Ankündigung mit Abschlägen, da das Risiko steigt und aus dem Unternehmen Geld abfließt. Heute wäre auch das schwache Marktumfeld ideal gewesen, um die Andritz-Aktie weiter nach unten zu schicken.

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Doch die Investoren reagieren begeistert auf den Deal. Die Andritz-Aktie notierte am Mittag 3,4% fester bei 44,30 Euro und ist damit klarer Tagesgewinner in einem schwächeren Gesamtmarkt (ATX -1%).

Strategisch richtig, nicht zu teuer und fast 40 Mio. Dollar Zinseinsparungen: Ein Super-Deal!

Andritz-Aktionäre hatten es 2018 bislang nicht leicht. Die Geschäfte im ersten Quartal liefen schlecht und die Aktie liegt auch trotz des heutigen Zugewinns noch rund 18% unter dem Wert zu Jahresbeginn.

Andritz stellte zwar aufgrund guter Nachfrage in den Endmärkten eine „soliden“ Geschäftsentwicklung in Aussicht, doch das half bislang nicht.

Die Übernahme kommt da genau richtig. Bei Andritz lagen 1,5 Mrd. Euro brach in der Kasse, jetzt wird ein großer Teil des Geldes strategisch richtig eingesetzt. Nicht nur, weil Investoren und Analysten Unternehmen mit einem hohen Anteil wiederkehrender Erlöse (Service, Wartung) auch höhere Bewertungen zusprechen.

Das stärkste Argument liegt darin, dass Xerium sehr hoch verschuldet ist. Eine Anleihe im Volumen von 480 Mio. Dollar – also über die Hälfte des Kaufpreises – mit Laufzeit 2021 kostet Xerium aktuell 45 Mio. Dollar Zinsen jährlich.

Andritz will die Anleihe refinanzieren und damit die Zinsbelastung auf maximal 5,6 Mio. Dollar pro Jahr drücken. Dies ist ein riesiger Ergebnishebel und lässt die Andritz-Investoren heute vollkommen zu Recht zugreifen.

Der Übernahme-Sensor meint: Ein Spitzen-Deal für beide Seiten!


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.