Angie’s List vorbörslich 55% im Plus – Nicht jeder Deal ist das Risiko wert

Das Übernahme-Geschäft kann Investoren in kurzer Zeit einen hohen Gewinn bescheren.

Wer im Biotech-Bereich vor wenigen Jahren breit auf Firmen mit einer Marktkapitalisierung von über 500 Mio. Dollar setzte, hat dank der Übernahme-Welle mehrfach 100% Gewinn kassieren können.

Auch in anderen Branchen waren hohe Übernahme-Gewinne möglich. Oft lagen die Prämien auf den Aktienkurs bei über 30%. Gestiegene Kurse aufgrund der gut laufenden Aktienmärkte kamen hinzu.

Dennoch: Auch im Übernahme-Geschäft ist Vorsicht geboten!

Hohe Prämie auf den Aktienkurs

Gestern sorgte nach Börsenschluss ein heißes Übernahme-Gerücht für eine Kurs-Explosion bei dem Internet-Bewertungsportal Angie’s List:

Es hieß, dass die IAC Corp. das Portal mit dem hauseigenen Portal HomeAdvisor zusammenführen will. Heute Morgen dann die Bestätigung: Die Gerüchte stimmen, der Deal ist offiziell.

Den Aktionären des Übernahme-Kandidaten wird eine Bar-Offerte von 8,50 Dollar je Aktie oder ein Aktientausch angeboten. Dies entspricht einer Übernahme-Prämie von 44,3%.

Vorbörslich steigt die Aktie sogar noch höher und klettert um rund 55% auf 9,15 Dollar. Dies liegt an dem Tauschangebot und einem Kurssprung der Bieter-Aktie, die den Wert über das Barangebot katapultiert.

Angie’s List ist ohne Deal eine riskante Investition

Sie haben Angie’s List nicht als Übernahme-Kandidat im Depot? – Ich auch nicht – und das aus gutem Grund:

Denn Angie’s List ist zwar schon länger Übernahme-Kandidat – aber auch in schlechter operativer Verfassung.

Enttäuschungen während der Berichts-Saison waren keine Seltenheit – dafür aber Gewinne.

Zuletzt wurde ein operativer Verlust ausgewiesen, was nicht gerade eine Einladung für eine aussichtsreiche Investition abseits der Übernahme-Spekulation ist.

Und genau darauf sollten Sie achten!

Bei Übernahme-Spekulationen mit operativ angeschlagenen Unternehmen brauchen Sie starke Argumente, warum Sie investieren. Angie’s List hatte diese in den vergangenen Quartalen nicht.

Etliche Anleger, die trotz hoher Prämie Verlust realisieren müssen

Die 44% Übernahme-Prämie hören sich stark an, sind allerdings kein gutes Ergebnis für Investoren, die schon länger investiert sind.

Wer die Aktie im Juli 2013 kaufte, bleibt trotz des hohen Aufschlags auf einem Verlust von über 60% sitzen.

Selbst wer beim Börsengang 2011 auf den Internet-Konzern setzte, muss jetzt trotz stark gestiegener Indizes die Investition mit einem Verlust beenden.

Richtig abgeräumt haben nur die Investoren, die sich in den vergangen 3 Monaten an den Zock herantrauten.

Gute Übernahme-Kandidaten sind auch ohne Deal aussichtsreich

Nicht selten tauchen ausgerechnet zu den Unternehmen Übernahme-Gerüchte auf, die angeschlagen sind.

Im Falle von Angie’s List haben sich die Gerüchte bewahrheitet; wer im Dezember einstieg, der bekommt jetzt wenigstens seinen Einsatz zurück.

Doch das war Glück bei einer riskanten Wette!

Bei angeschlagenen Firmen geht es auch oft in die andere Richtung. Vielleicht erinnern Sie sich an die Übernahme-Gerüchte um Twitter?! – Als es in der Folge keinen Deal gab, tauchte die Aktie ab.

Vielleicht erinnern Sie sich auch noch an Aixtron?! – Das Deal-Aus vor wenigen Monaten kostete auch da etliche Privat-Anleger eine Menge Geld.

Wenn Sie auf Übernahme-Kandidaten setzen, dann haben Sie aufgrund der Übernahme-Prämie sehr gute Gewinnchancen.

Vergessen Sie dabei jedoch nie, dass nicht jede Spekulation aufgehen kann! Und dann kommt es darauf an, wie erfolgreich der Konzern ist, den Sie gekauft haben.

Daher sollten Sie stets beachten: Ein guter Übernahme-Kandidat braucht für einen Gewinn nicht den Übernahme-Deal.

2. Mai 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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