Anlage-Strategie: Wert wichtiger als tagesaktueller Kurs

Achten Sie auf den Wert eines Unternehmens, nicht auf den Kurs der Aktie. Sie werden erstaunt sein, zu welchen Ergebnissen dies führt. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Gestern haben Sie hier im Schlussgong erfahren, warum es regelmäßig ein teurer Fehler ist, an der Börse der breiten Masse hinterherzulaufen und wie Sie diesen Fehler vermeiden können.

Heute werden Sie im Schlussgong erfahren, warum nicht der tagesaktuelle Kurs einer Aktie entscheidend ist, sondern der Wert und warum nicht die bisherige Performance (das bisherige Abschneiden der Position) in Ihrem Depot darüber entscheiden sollte, ob Sie an der Position festhalten oder diese verkaufen.

Nicht zu früh verkaufen

Immer wieder höre ich von Lesern meiner Börsendienste, dass sie Aktien, sobald diese beispielsweise 30% Gewinn verzeichnen, konsequent verkaufen. Der Grund dafür ist, dass Anleger Angst davor haben, dass ihnen der Gewinn ganz oder teilweise wieder genommen werden könnte. Als Konsequenz daraus ergibt sich, dass sie Gewinne in Höhe von 30% realisieren.

Eine weitere Konsequenz ist jedoch, dass Anleger, die diesem Prinzip folgen, niemals 100% Gewinn oder gar einen noch höheren Gewinn realisieren werden, da sie die Aktien vorher verkaufen.

Haben Sie keine Angst vor Verlusten

Bei Verlustpositionen lässt sich häufig ein ganz anderes Muster beobachten: Viele Anleger verkaufen Aktien, die im Minus liegen, trotz schlechter Nachrichten nicht, nur weil sie im Minus liegen. Der psychologische Hintergrund einer solchen Vorgehensweise ist folgender: Ein Verlust tut erst dann so richtig weh, wenn er realisiert ist.

Außerdem scheuen sich einige Anleger davor, Minuspositionen zu verkaufen, weil sie schon zu tief oder noch im Minus stehen. Die dahinterstehende Hoffnung ist, dass sich die Positionen wieder erholen.

Ein ganz anderer Fehler im Umgang mit Minuspositionen ist, diese zu verkaufen, obwohl sich lediglich der Kurs negativ entwickelt hat, nicht aber der Wert des Unternehmens. In Panikphasen kommt es vor, dass Anleger zu Kursen verkaufen, die sogar unter dem Kassenbestand des Unternehmens liegen.

Ein anderes Beispiel: In der Finanzkrise wurden Immobilien-Aktien zum Teil 90% unter dem Substanzwert (Immobilienvermögen abzüglich der Schulden) gehandelt. In einer rationalen Welt ist das undenkbar, aber in Panik-Phasen wollen Aktionäre um jeden Preis verkaufen und achten nicht auf den Wert der Aktie.

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Meine Empfehlung: Ziehen Sie zur Entscheidungsfindung, ob Sie eine Aktie halten oder verkaufen sollten, nicht die bisherige Wertentwicklung heran, sondern stellen Sie sich stets folgende Frage: Sind die Gründe, die dazu geführt haben, dass ich die Aktie einst erworben habe, heute noch vorhanden?

Wenn Sie diese Frage mit Ja beantworten können, sollten Sie die Aktie unabhängig von der bisherigen Wertentwicklung weiterhin halten. Müssen Sie die Frage allerdings mit Nein beantworten, sollten Sie sich unabhängig von der bisherigen Wertentwicklung von dieser Position trennen.

Fazit: Investieren Sie mit System und Verstand

Entscheidend für Ihren langfristigen Börsenerfolg ist nicht der exakte Zeitpunkt Ihrer Investition, sondern das strategische, zielgerichtete Vorgehen:

1.) Investieren Sie regelmäßig konstante Summen.

2.) Orientieren Sie sich bei beim Aktienkauf an festen Auswahlkriterien.

3.) Blicken Sie nicht auf alte Kursentwicklungen, sondern berechnen Sie das zukünftige Kurs-Potenzial (und kaufen und verkaufen Sie danach Ihre Aktien). Eine Aktie zu kaufen oder zu verkaufen, nur weil der Kurs gestiegen oder gefallen ist, ist nicht ratsam!

Mit dieser simplen Strategie umgehen Sie nicht nur die meisten Börsenfallen, sondern wandeln auch auf den Spuren von Warren Buffett, dem erfolgreichsten Investor aller Zeiten.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.