Anlagestrategie: Dividendenabschläge als Einstiegschance

Warum es sich für Sie lohnen kann, Aktien zu kaufen, die nach einem Dividendenabschlag stärker nachgeben. (Foto: Monster Ztudio / shutterstock.com)

Wir befinden uns aktuell noch immer in der laufenden Dividendensaison 2018, in der die Unternehmen einen Teil ihrer Gewinne aus dem vorherigen Geschäftsjahr ausschütten. Teilweise schütten die deutschen Unternehmen größere Beträge pro Aktie aus, sodass auch höhere Dividendenrenditen dabei herauskommen.

So beispielsweise bei der Vorzugsaktie des Mobilitätsdienstleisters Sixt, wo die Dividendenrendite vor der Ausschüttung bei 5,7% lag. Die Dividende wird bei deutschen Unternehmen am Tag der Hauptversammlung vom Kurs abgeschlagen und am 3. Werktag nach der Hauptversammlung den Aktionären gutgeschrieben.

Bis zum vergangenen Jahr war es in Deutschland so, dass die Dividenden bereits am 1. Werktag nach der Hauptversammlung ausgeschüttet wurden. Das hat sich aber – wie bereits erwähnt – geändert. Lassen Sie sich also nicht beirren, wenn die Dividende später kommt als noch vor einigen Jahren.

An dieser Stelle werden sich einige Börsenneulinge vielleicht fragen, was es bedeutet, wenn ich schreibe, dass die Dividende vom Kurs abgeschlagen wird.

Ganz einfach: Wenn der Kurs der Aktie der XY AG bei 30 Euro notiert und das Unternehmen 1 Euro Dividende je Aktie ausschüttet, wird am Tag der Hauptversammlung automatisch die Dividende (in unserem Beispiel 1 Euro) vom Kurs (also von den 30 Euro) abgezogen. Der Kurs steht also danach rein rechnerisch bei 29 Euro.

Charttechniker berücksichtigen Dividendenabschlag nicht

Gerade dann, wenn durch den Dividendenabschlag eine runde Marke oder eine andere charttechnisch wichtige Marke nach unten durchbrochen wird, kann sich daraus für die wertorientierten Anleger unter Ihnen eine attraktive Einstiegschance ergeben.

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Denn Charttechniker berücksichtigen den Dividendenabschlag nicht. Kommt es infolge des Dividendenabschlags dazu, dass eine charttechnisch wichtige Marke nach unten durchbrochen wird und die Aktie infolge dessen weiter (und aus fundamentaler Sicht zu stark) abgestraft wird, kann die große Stunde der Schnäppchenjäger schlagen.

Diese können dadurch Aktien zu – aus fundamentaler Sicht – sehr günstigen Kursen einsammeln und somit von dem „Systemfehler“ der charttechnischen Modelle profitieren.

Ein Charttechniker würde in dem Zusammenhang übrigens den Begriff „Systemfehler“ so nicht stehen lassen wollen, da er nur die Kursentwicklung analysiert und es ihm dabei egal ist, ob ein Kurs nachgegeben hat, weil das Unternehmen eine Dividende ausgeschüttet hat.

Verfechter des Value-Ansatzes bzw. Investoren, die in erster Linie auf fundamentale Daten und nicht auf Kursentwicklungen schauen, sehen das natürlich naturgemäß anders.

Natürlich ist es nicht generell ratsam, Aktien zu kaufen, die infolge von Dividendenabschlägen stärker abgestraft wurden. In solchen Fällen lohnt sich aber aus meiner Sicht immer ein genauerer Blick. Sprechen noch weitere Faktoren für einen Kauf der Aktie, sollten Sie zuschlagen.


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Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.