Anlagetrends 2019: Nachhaltiges Investieren

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Nachhaltiges Investieren ist längst mehr als ein Nischenthema. Lernen Sie jetzt die Grundlagen dieses Anlagetrends kennen. (Foto: Tzido Sun / shutterstock.com)

Nachhaltiges Investieren ist ein wichtiger Anlagetrend, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Das ist kein Exoten-Thema mehr. Ganz im Gegenteil! Nachhaltige Geldanlage boomt. Man schätzt das Volumen nachhaltiger (oder verantwortlicher) Geldanlagen weltweit auf über 80 Mrd. US-Dollar, bei immer noch hohen Wachstumsraten.

Auch im deutschsprachigem Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) hat sich die Summe des nach nachhaltigen Kriterien investierten Vermögens seit 2005 etwa verzehnfacht. Trotzdem hat Deutschland in dieser Beziehung noch Nachholbedarf. Was auf den ersten Blick negativ klingt, bedeutet aber nichts anderes als: Hierzulande steht der Boom noch bevor.

Die Grundlagen des nachhaltigen Investierens

Der Begriff Nachhaltigkeit (engl. sustainability) beschreibt das Prinzip, heutiges Handeln an der dauerhaften Bewahrung des Systems und seiner Existenzgrundlagen auszurichten.

Obwohl er noch nicht lange eine solch herausragende Bedeutung in der öffentlichen Debatte einnimmt wie heute, ist er keinesfalls als Modebegriff abzutun, denn der dahinter stehende Gedanke ist sehr alt.

In der Forstwirtschaft wird das Prinzip, dass nur so viele Bäume abgeholzt werden sollen wie auch nachwachsen, seit rund 300 Jahren als Ziel formuliert und wurde zuvor regional bereits seit dem späten Mittelalter praktiziert.

Und generell: Der Gedanke, das Bestehende zu erhalten, war in früheren Epochen deutlich präsenter als in den zurückliegenden rund 200 Jahren seit der Industrialisierung. Wo ökonomisches Handeln im Rahmen von Familienbetrieben stattfand, die über Generationen vererbt wurden, hatte dauerhafte Bestandssicherung Vorrang vor kurzfristiger Gewinnmaximierung.

Wenn wir uns heute an Nachhaltigkeit orientieren, ist das also keine Neuerung, sondern die Rückkehr zu selbstverständlichen Handlungsmaximen, die allerdings angesichts der exorbitanten Gewinnmöglichkeiten seit der Industrialisierung und dem Auseinanderfallen von Eigentum und Unternehmensleitung vielfach verdrängt wurden.

Was ist ein Nachhaltiges Investment?

Wie kann der Aspekt der Nachhaltigkeit bei der Investition berücksichtigt werden? Hier lassen sich mehrere Stufen unterscheiden, wobei auch innerhalb jeder dieser Varianten die Maßstäbe recht unterschiedlich angelegt werden können. So können Ausschlusskriterien (1.), wenn sie streng formuliert sind, wirkungsvoller sein als nur vage geäußerte Standards (2.):

  1. Stufe: Das Aussortieren von schwarzen Schafen, Unternehmen und Branchen, die durch besonders umweltschädliche oder unmenschliche Produkte, Produktionsweisen oder Geschäftspraktiken auffallen, durch Ausschlusskriterien.

Die können z. B. lauten: Produktion von Rüstungsgütern oder zumindest geächteten Waffentypen, Alkohol und Tabakwaren, Kernenergie, Glücksspiel, Pornographie, Eintreten für die Privatisierung von Wasser, Einsatz von Kinderarbeit.

  1. Stufe: Das Festlegen ethischer, sozialer und ökologisch nachhaltiger Mindeststandards. Diese Standards können absolut formuliert sein oder relativ zu Mitbewerbern, wie beim Best-in-class-Ansatz, der Unternehmen auswählt, die innerhalb ihrer Branche die besten Nachhaltigkeitswerte erzielen.

Wirksam werden diese Standards nur, wenn sie nicht als vage Absichtserklärung formuliert sind, sondern als hartes Ausschlusskriterium einer Investition fungieren. International etabliert ist der ESG-Ansatz (Environment, Social, Governance, übersetzt: Umwelt, Soziales und Unternehmensführung), der Bestandteil der Investoreninitiative Prinzipien für verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen (UN-PRI) ist.

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Ziel ist es, diese Standards zum Maßstab künftiger Unternehmens- und Investmententscheidungen zu machen. In den Unternehmen sollen sie nicht wie ein Fremdkörper empfunden werden, der Punkt für Punkt abgearbeitet werden muss, sondern bereits in den Entscheidungsprozessen integriert sein.

Auf Investorenseite kann dies durch die Einbeziehung sozialer und ökologischer Risiken in Ratings erreicht werden, wozu man aber die großen Ratingagenturen noch überzeugen müsste.  Die moralischen Aspekte wie etwa der ESG-Ansatz ersetzen nicht die klassische Value-Bewertung eines Wertpapiers, sondern ergänzen diese.

Es geht nicht darum, in Papiere mit geringer Renditechance oder mangelnder Sicherheit zu investieren, um etwas Gutes zu tun. Sondern darum, innerhalb der Top-Papiere diejenigen auszuwählen, die auch aus ethischer Sicht zumindest vertretbar, wenn nicht sogar besonders wertvoll sind. Auf diese Weise schlagen Sie, wenn Sie so wollen, zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie tun etwas Gutes und verdienen dabei auch noch Geld!

Wie steht es mit der Rendite?

Nicht jeder wird mit seinem Geld nur nachhaltige Produkte und Projekte unterstützen wollen und dafür auch Abstriche bei Sicherheit und Rendite in Kauf nehmen.

Bei der langfristigen Kapitalanlage (z.B. zum Vermögensaufbau oder im Rahmen privater Altersvorsorge) wird der Nutzen der Nachhaltigkeit für den Investor noch einleuchten: Wer eine Aktie mehrere Jahrzehnte zu halten plant, der sollte eine nachhaltige, also am langfristigen Erhalt ausgerichtete Unternehmensstrategie begrüßen.

Je langfristiger der Anlagehorizont, desto stärker sollte der Anleger nachhaltige Aspekte berücksichtigen. Nicht aus moralischen Gründen, sondern aus purem Eigennutz. Studien haben gezeigt, dass nachhaltige Investments oft sogar besser abschnitten!

So ermittelten Langzeitstudien renommierter Institute wie der Harvard Business School, dass die Rendite nachhaltigen Investments gut 4 Prozentpunkte über der des Gesamtmarkts lag. Eine Studie der Universität Oxford (From the Stockholder tot he Stakeholder) bescheinigte nachhaltigen Anlagen eine höhere Rendite bei geringerem Risiko.

Und eine Metastudie, also eine Untersuchung, die viele Studien zu diesem Thema zusammenfasst, ergab, dass 90 % der Studien zu einem ähnlichen Ergebnis kommen. Dieser Trend dürfte sich noch verstärken, denn immer mehr Investoren, auch private, fordern Nachhaltigkeit ein.

Und die Klimadebatte wird die Werthaltigkeit von Investments in Kohle, Öl und Gas ernsthaft in Frage stellen, während Anleger, die auf regenerative Energien setzen, sogar von ihr profitieren können.

Die Umstellung der Wirtschaft und vor allem der Energieerzeugung im Sinne einer deutlichen Reduzierung des Kohlenstoff-Verbrauchs ist für die kommenden Jahrzehnte so entscheidend, dass dafür sogar ein eigener Begriff geprägt wurde: Dekarbonisierung.

Große Bandbreite an Investitionsmöglichkeiten

Aber Nachhaltigkeit geht weit über ökologische Ziele wie eine CO2-Reduzierung hinaus. Die Bandbreite nachhaltigen Investierens umfasst alle Unternehmen und Branchen, die an der Dauerhaftigkeit unserer (menschlichen) Gesellschaft mitwirken, indem sie sich etwa für Gesundheit, Bildung, soziale Gerechtigkeit, gute Arbeitsbedingungen oder transparente Entscheidungsstrukturen engagieren.

Auf mittlere und lange Sicht werden Sie mit nachhaltigen Investments großen Erfolg haben. Auch für Sie als Aktionär sind nachhaltig operierende Unternehmen interessant. Denn auf mittlere bis lange Sicht sind sie erfolgreicher als Unternehmen, die nur auf kurzfristige Gewinnmaximierung schielen. Das können Unternehmen aus sehr unterschiedlichen Bereichen wie zum Beispiel E-Mobilität, Wasserstoff, ökologische Baustoffe oder auch 3-D-Druck sein.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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