Anleihen: Hier droht der nächste Crash

Derzeit tun sich extrem spannende Dinge am Anleihenmarkt – und das bedeutet nichts Gutes. Erst vor zwei Wochen war die Umlaufrendite auf ein Rekordtief gesunken. Dabei sackte die Rendite hier auf den Minimalwert von nur noch 0,05 % ab. Für Laufzeiten bis zu fünf Jahren rutschten Zinsen bei deutschen Anleihen sogar in den negativen Bereich.

Ja, Sie haben richtig gelesen: Investoren, die deutsche Anleihen mit einer Laufzeit bis maximal fünf Jahren kaufen, müssen der Bank etwas dafür bezahlen. Das zeigt Ihnen schon ganz klar, wie massiv unser aktuelles Zinseszinssystem unter Druck steht.

Doch seit zwei Wochen hat die Stimmung gedreht. Die minimalen Renditen bei Anleihen in letzter Zeit haben zu einer Neuorientierung vieler Großinvestoren geführt. Kurzfristig ist spekulatives Geld aus dem Anleihenmarkt ab gezogen worden.

Als Folge sind die Anleihenrenditen in wenigen Wochen wieder deutlich angestiegen. Bei der Umlaufrendite hat sich eine leichte Beruhigung gegeben und sie notiert nun wieder im Bereich um 0,5 %.

Da das ist meiner Ansicht nach nur eine Ruhe vor dem großen Sturm, der uns erst noch bevorsteht. Noch zögern die Notenbanken eine wirkliche Zinswende anzuschieben. Ich verweise hier gerne auf das Beispiel Japan. Auch dort stiegen zunächst die Zinsen für Anleihen. Erst danach zog die japanische Notenbank tatsächlich nach. Doch die dann erfolgte Zinswende sorgte für einen konjunkturellen Absturz in Japan.

Japan: Das dortige Drama kann sich bei uns wiederholen

Im Endeffekt hat sich das asiatische Land bis heute nicht von der Krise der Neunzigerjahre erholt. Im Herbst 2014 sackte die japanische Wirtschaft erneut in die Rezession ab. Dies ist aber kein Zeichen von wirtschaftlicher Stärke. Zudem hat in den 20 Jahren zuvor Japan an Bedeutung in der Welt verloren. Der Yen als einstmals starke Währung hat sich in die Reihe der schwachen Währungen eingereiht.

Japanische Verhältnisse halte ich auch in der Eurozone für möglich. Die Frage ist tatsächlich, wie sich kurzfristig die Lage am Anleihenmarkt entwickeln wird? Sollte entsprechend weiter Kapital vom Anleihenmarkt ab gezogen werden, hätte das auf jeden Fall negative Folgen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone.

Doch von dieser Gefahr am Anleihenmarkt hören Sie so gut wie nichts in den meisten wichtigen Medien. Dort geht es eigentlich hauptsächlich nur um die Entwicklung am Aktienmarkt. Das ist fatal, denn die richtungsweisende Entscheidungen bei Anleihen sollten Sie als Investor schon kennen. Sie haben oft genug massive Wirkung auf Aktien ausgeübt.

13. Mai 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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