Anschlag auf saudische Ölquelle: Das ist eine Katastrophe

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Ich wünsche mir zwar stets, mit meinen charttechnischen Prognosen richtig zu liegen. In diesem Fall ärgert es mich! (Foto: Avigator Thailand / shutterstock.com)

Am vergangenen Dienstag schrieb ich Ihnen:

„um den Ölpreis ist es in den zurückliegenden Wochen ruhig geworden. Wenn einem Markt in den Börsenmedien wenig Beachtung geschenkt wird, kann das für Sie eine durchaus günstige Gelegenheit eröffnen.

Denn seien wir mal ehrlich: Wird über einen Markt berichtet, dann hat sich darin fast immer gerade etwas Nennenswertes ereignet. Doch um daraus mit einem Investment einen Profit zu schlagen, dafür ist es meist schon zu spät.“

Nun: Dass der Ölpreis mit einem derartigen Paukenschlag in die Schlagzeilen zurückkehrt, hatte ich selbstverständlich nicht erwartet und mir die Begleitumstände auch nicht gewünscht.

Wir schauen natürlich auf die aktuelle Lage, die Konsequenzen des Ölquellen-Angriffs in Saudi-Arabien und die Charttechnik des schwarzen Goldes.

Die Saudis haben es derzeit nicht leicht

So lautete bereits meine Zwischenüberschrift in der vergangenen Woche. Und er gilt heute umso mehr. Was ist geschehen?

Am Samstagabend wurde die größte Ölförderquelle Saudi Arabiens mit Drohnen angegriffen und in Brand gesetzt. Damit fällt auf einen Schlag rund die Hälfte der dort täglich geförderten Ölmenge von 10 Millionen Barrel (= Fass = 159 Liter) aus – laut Expertenschätzungen rund 5% der weltweiten Ölfördermenge.

Ein herber Schlag zunächst einmal für Saudi Arabien. Ein Schlag ins Gesicht aber auch für die zuletzt immer stärker werdenden Bemühungen um den Klimawandel: Die das Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre abgebende brennende Ölquelle verschlimmert die Lage noch mehr.

Die Menschheit wird einfach nicht klug!

Ein Schlag ins Kontor

Auch für den Aktienmarkt ist die Eskalation im Golf ein Rückschlag: Der Ölpreis sprang zum Wochenauftakt um knapp +10% in die Höhe. Aktuell notiert er gute +8% über dem Schlusskurs vom Freitag (gelber Kreis).

Der DAX verliert zur Stunde noch moderate -0,7%. Die US-Futures preisen für den Nachmittag Abschläge zur Eröffnung der Wall Street in Höhe von -0,4% bis -0,5% ein.

Klar ist: Der Ausfall der saudischen Fördermenge wird so schnell nicht ersetzt werden können. Erst einmal ist der Brand der Ölquelle zu löschen.

Danach muss aufgeräumt und die Produktionsbereitschaft wiederhergestellt werden – das alles wird Wochen, möglicherweise sogar Monate dauern.

Ein anhaltend steigender Ölpreis – so schätzen es derzeit schon einige Experten ein – werde die ohnehin schwächelnde Weltkonjunktur endgültig zu Fall bringen.

Naja: Und dann bleibt natürlich die Frage, ob in der Region nun auch noch die kriegerischen Aktivitäten eskalieren?

Die jemenitischen Huthi-Rebellen haben sich zu dem Anschlag bekannt. Das wird allerdings von vielen bezweifelt – allen voran natürlich vom US-Präsidenten:

Der drohte schon über Twitter mit Vergeltungsmaßnahmen, wenn sich herausstelle, dass – wie Trump vermutet – der Iran dafür verantwortlich zeichne. Nun, von dieser Seite wäre wohl jede andere Reaktion eine Überraschung gewesen.

Klarstellung

Schauen wir zum Abschluss auf die Charttechnik. Und hier muss ich mich zunächst einmal bei Ihnen für einen mir unterlaufenen Fehler entschuldigen.

In meiner Analyse am vergangenen Dienstag hatte ich den Trendbruch im 50-Tage-Momentum als Bestätigung für den Ausbruch des Ölpreises über seinen Abwärtstrend genannt. Das war falsch:

Eingeblendet war nämlich das 20-Tage-Momentum. Der die letzten 50 Handelstage verkörpernde Schwung-Indikator hatte – wie Sie im heutigen Chart sehen – noch kein Kaufsignal generiert (blauer Kreis).

Ölpreis: Der Trendbruch ist vollzogen – das Momentum dürfte folgen

Die nächsten Tage werden also entscheidend für den Ölpreis sein: Kann dieser das jetzt erreichte Niveau behaupten oder sogar noch ausbauen, dann wird auch das 50-Tage-Momentum mit einem Trendbruch sprich: einem Kaufsignal nachziehen.

Dann dürfen Sie sich wohl auf eine weitere Eskalation im Ölpreis vorbereiten.

Fazit

Wer sich auch letztlich als Verantwortlicher für den Anschlag auf die größte saudische Ölförderquelle erweisen wird: Er hat uns ein wahres Horrorszenario beschert:

Es ist ja nicht nur die Beschädigung der Ölquelle mit allen menschlichen und finanziellen Folgen für Saudi Arabien und die Weltwirtschaft. Nun wird auch noch auf unabsehbare Zeit zusätzliches Kohlendioxid, Russ und Schwefel in die Atmosphäre geblasen, die das nun wirklich nicht gebrauchen kann.

Obendrein droht nun auch eine militärische Eskalation der Lage im Golf: Donald Trump hat ja seine Bereitschaft dazu schon unmissverständlich in die Welt hinaus „ge-twittert“ – dabei ist der wahre Verantwortliche für den Drohnenanschlag noch gar nicht gefunden.

Unter diesen Umständen fällt es mir schwer, mich über die zutreffende Prognose für den Ölpreis aus der vergangenen Woche zu freuen.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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