Aphria-Aktie: Übernahmekarussell auf dem Hanfmarkt dreht sich immer schneller

Kurse Laptop – shutterstock_532873330 phongphan

Paukenschlag auf dem Cannabis-Markt. Schluckt klein wirklich groß? Aphria erhält milliardenschwere Übernahmeofferte von unbekanntem Bieter (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Wenn Sie dachten, dass um den Jahreswechsel Ruhe auf dem Übernahmemarkt einkehrt, dann lagen Sie vollkommen falsch. Einmal mehr ging es auf dem Markt der Hanfkonzerne rund, wobei die Geschichte bei Aphria wohl kaum spektakulärer hätte ausfallen können. Anfang Dezember geriet der Konzern noch in das Visier der Shortseller.

Nach einem extrem negativen Bericht von Quintessential Capital Management und Hindenburg Research, die rund um die Firma einen Betrugsfall witterten, kam es zu einem massiven Kursverfall. Notierte die Aktie im September noch bei über 16 Dollar, schmolz der Wert nach der Analystenstudie auf 4,51 Dollar zusammen.

Jetzt gibt es offenbar eine Übernahmeofferte von Green Growth Brands (Xanthic Biopharma), die einen satten Aufschlag von fast 46% beinhaltet. Allerdings war die Freude bei den Aphria-Aktionären nur von kurzer Dauer. Die Papiere gaben ihre vorbörslichen Gewinne nämlich wieder komplett ab, da das Übernahmeangebot nicht ohne Fallstricke ist.

Aphria im Portrait

Aphria, früher Black Sparro Capital Corp., ist ein in Kanada beheimatetes Unternehmen mit dem Tätigkeitsschwerpunkt Produktion und Vertrieb von medizinischem Cannabis. Dabei bedienen die Kanadier sowohl den Einzel- als auch den Großhandel. Zu den Produkttypen gehören auch Kusawa, Tamaracouta, Panache, Churchill und Iroquois. Zu den weiteren Aktivitäten zählt die Erforschung und kommerzielle Produktion von Cannabisölen.

Feindliches Übernahmeangebot von Green Growth Brands

Auf Basis des ermäßigten Kursniveaus hat Aphria nun ein feindliches Übernahmeangebot erhalten. Der kanadische Cannabis-Produzent Green Growth Brands (Xanthic Biopharma) bietet 1,57 eigene Aktien für eine Aphria-Aktie, womit Aphria mit etwa 2,1 Milliarden US-Dollar bewertet wird. Auf den ersten Blick erwartet man nun einen durch die Decke schießenden Aktienkurs.

Immerhin beinhaltet die Offerte einen Aufschlag von 46% gegenüber dem Durchschnittskurs der letzten 10 Tage vor der Offerte. Doch weit gefehlt. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Deal wirklich durchgeht, ist ausgesprochen gering.

Klein schluckt groß

Zum einen ist der Bieter Green Growth mit einem Börsenwert von rund 880 Millionen CAD deutlich kleiner als das Objekt der Begierde Aphria (>2 Milliarden Dollar CAD Börsenwert). Dabei war die Kursentwicklung von Green Growth zuletzt ausgesprochen skurril. Denn in einem schwachen Marktumfeld kletterten die Papiere um 50% in die Höhe.

Aber jetzt kommt der Haken an dem Deal. Um zu dieser 2 Milliarden Dollar-Bewertung des Übernahmeangebots zu kommen, braucht man eine ausgefallene Mathematik: Green Growth bewertet seine eigenen Aktien mit jeweils 7 CAD, obwohl sie zuletzt an der kanadischen Börse nur mit 4,65 CAD pro Aktie handelten.

Quasi keine Umsätze

Nicht nur die illusorische Bewertung des eigenen Unternehmens, um die Offerte zu finanzieren, sondern auch der Blick auf die Geschäftsentwicklung von Green Growth Brands wirft Fragen auf. Denn operativ spielt das durch die Milliardärsfamilie Schottenstein finanzierte Unternehmen noch in der Oberliga.

Green Growth verzeichnete zuletzt einen bescheidenen Umsatz von etwa 1 Million US-Dollar bei Verlusten von etwa der Hälfte dieses Betrags im letzten Berichtsquartal. Im vergleichbaren Vorjahresquartal hatte die Gesellschaft noch gar keinen Umsatz.

Experten äußern sich kritisch

Auch zahlreiche Brancheninsider äußerten sich zu dem Deal ausgesprochen kritisch. Vielen sei der Name Green Growth Band nicht einmal bekannt. Daher vermuteten sie, dass es sich nur um eine ausgeklügelte Marketing-Strategie handeln könnte, um den Bekanntheitsgrad der Firma zu steigern. Laut der Webseite der Firma stellt Green Growth Schönheits- und Wellnessprodukte her, die Cannabis-basierte Inhaltsstoffe verwenden.

Zudem gibt es laut Presseberichten historische Verbindungen zwischen den beiden Gesellschaften. Aphria bestätigte, dass sie eine “passive Investition” in Green Acre, einen privaten Cannabis-Investmentfonds und einen Interessenvertreter von Green Growth Brands getätigt hat. Aphria war einer der beiden Hauptinvestoren von Green Acre, als es im Januar 2017 gegründet wurde. Chief Executive Officer Vic Neufeld und Shawn Dym, ein Aphria-Direktor, gehören laut einer Erklärung vom August auch dem Beirat von Green Acre an. Dym war mindestens bis Oktober im Vorstand von Green Growth Brands.

Ob die Verflechtungen dazu genutzt werden, um den Aphria-Aktienkurs künstlich nach oben zu treiben, ohne dass es überhaupt eine Deal-Möglichkeit gibt, ist momentan schwer abzuschätzen. Fest steht, dass es mit der Transparenz rund um Aphria weiterhin schlecht bestellt ist die Aktie weiterhin hohen Schwankungen ausgesetzt sein dürfte.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.