Aphria: Hanfaktie feiert nach Zahlen fulminantes Comeback

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Die Aphria-Aktie ist im Höhenflug - und die Anleger im Cannabisrausch: Eine Megafusion und Zahlen über den Erwartungen treiben die Aktie. (Foto: Yarygin / shutterstock.com)

Die Aktien von Cannabis-Firmen sind definitiv nichts für schwache Nerven. Dem spektakulären Cannabis-Rausch in 2017/2018 folgten beinahe zwei Jahre der harten Ernüchterung, bevor die Kurse ihren Boden fanden und seit einigen Monaten wieder deutlich anziehen. So auch beim Marktführer Aphria: Der Kursexplosion von 1 auf über 22 CAD bis Anfang 2018 folgte eine lange Talfahrt, die ihr Ende erst im März 2020 bei 3 CAD fand.

Doch inzwischen hat die Stimmung massiv gedreht und die Anleger stürmen wieder reihenweise den Cannabissektor. Allein am Donnerstag verteuerten sich die Aphria-Papiere um 20% und notieren inzwischen wieder bei über 15 Kanadische Dollar.

Aphria im Portrait

Aphria ist ein kanadischer Hersteller von medizinischem Cannabis mit Sitz in Leamington, Ontario. Das Unternehmen wurde 2013 gegründet und unterhält mehrere Aufzucht- und Forschungsstandorte weltweit. Mit einem Börsenwert von rund 4,8 Milliarden CAD zählt Aphria zu den größten Cannabis-Aufzuchtkonzernen der Welt.

Eine Genehmigung zur Produktion und zum Vertrieb von medizinischen Cannabis-Produkten wurde 2014 durch Health Canada erteilt. Im Dezember 2017 wurde eine Einigung mit der kanadischen Apotheken-Kette Shoppers Drug Mart erzielt, gemäß derer Shoppers Drug Mart sich dazu bereiterklärte, Produkte von Aphria über seinen Online-Handel zu vertreiben.

Megafusion wirbelt Hanfbranche durcheinander

Im vergangenen Dezember folgte dann ein wahrer Paukenschlag: Aphria gab bekannt, sich in einer Megafusion mit dem Rivalen Tilray zusammenschließen zu wollen. Durch die Fusion entsteht ein neues Schwergewicht. Beide Firmen kommen auf einen gemeinsamen Umsatz von 685 Millionen Dollar. Bezogen auf den Umsatz würde sich der fusionierte Konzern deutlich vor die aktuelle Nummer Eins, Canopy Growth, schieben. Zum Vergleich: Im letzten Geschäftsjahr kam Canopy Growth auf einen Jahresumsatz von 440 Millionen Dollar.

Tilray und Aphria –Spezialisten für medizinisches Cannabis

Die beiden Firmen gehören schon jetzt zu den größten Anbietern für medizinisches Cannabis und haben sich ein Produktions- und Vertriebsnetz auch in Europa, darunter in Deutschland und Portugal, aufgebaut. Aphria verfügt über seine deutsche Tochter über eine behördliche Anbau- und Verarbeitungsgenehmigung von medizinischem Cannabis auf deutschem Boden. Tilray bietet in Deutschland unter anderem bereits Cannabis-Extrakte zur Behandlung von Patienten an.

Aphria-Firmenboss Irwin Simon begründete die Entscheidung zum Zusammenschluss mit dem Fokus auf dem Ausbau der internationalen Aktivitäten. Aphria erwirtschaftet immer noch einen Großteil der Erlöse in Kanada. Da kommt das starke Standbein von Tilray gerade recht. Der Konzern ist nicht nur in Europa aktiv, sondern verfügt auch über eine Präsenz in Australien, Neuseeland und Lateinamerika.

Neben dem Ausbau der medizinischen Produkte wollen beide Firmen gemeinsam auch ihr Geschäft auf dem Markt mit anderen Produkte, die Cannabis-Inhaltsstoffe enthalten (bspw. Kosmetik oder Getränke) forcieren.

Aktuelle Zahlen über Erwartungen

Unterdessen läuft es operativ bei Aphria rund. In dem Ende November zu Ende gegangenen zweiten Geschäftsquartal setzten die Kanadier 160,5 Millionen CAD um und übertrafen damit die Analystenerwartungen. Experten waren im Vorfeld von Umsätzen in Höhe von 153,6 Millionen CAD ausgegangen. Im vergleichbaren Vorjahresquartal gingen lediglich Umsätze von 121 Millionen CAD durch die Bücher. Abstrich musste Aphria hingegen bei der Gewinnentwicklung machen: Je Aktie stand ein Verlust von 0,42 CAD in den Büchern, nach einem Verlust von 0,03 CAD je Anteilschein im Vorjahreszeitraum.

Das scheint die Anleger aber wenig zu stören. Sie legen offenbar den Fokus auf die milliardenschwere Fusion und das politische Umfeld, das für Rückenwind sorgen könnte. Nach den Wahlen in den USA zeichnet sich nämlich eine neue Ära des globalen Umgangs mit Cannabis ab. Mit dem Regierungswechsel dürfte es mit der Legalisierung schneller gehen als bislang erwartet.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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