Apple: 2 schreckliche Szenarien zeigen, wie tief die Aktie noch fallen kann

Anleger sind verunsichert: Seit Wochen schwächeln die Märkte, weltweit gingen Aktien zu Beginn des neuen Jahres auf Talfahrt. Davon sind auch Branchenriesen und Lieblinge der Anleger nicht verschont geblieben.

Doch es sind nicht nur äußere Faktoren wie Chinas Konjunkturschwäche oder die Sorge um den niedrigen Ölpreis, die die Finanzmärkte in Atem halten. Es sind zum Teil auch ganz handfeste Probleme, mit denen die betreffenden Firmen zu kämpfen haben.

Das bekommt inzwischen selbst Apple zu spüren. Das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino gilt als wertvollste Marke der Welt. Doch Kultstatus und Erfolg sind in den letzten Jahren eng verknüpft mit einem Produkt: dem iPhone.

Abhängig vom Kassenschlager

Das Gerät hat es seinerzeit geschafft, innerhalb weniger Monate den gesamten Mobiltelefonmarkt aufzumischen und das Nutzungsverhalten zu revolutionieren. Aus tragbaren Telefonen wurden tragbare Mini-Computer und auch der inzwischen nicht mehr wegzudenkende Touchscreen wurde erst durch die Einführung des iPhones wirklich massentauglich.

Doch der Glanz jener Anfangszeit ist mittlerweile verflogen, längst herrscht knallharter Wettbewerb unter den Smartphone-Herstellern. Googles Betriebssystem Android setzt auf Masse und ist auf Geräten zahlreicher Hardware-Hersteller verfügbar, die Nexus-Reihe aus dem eigenen Haus kann sich technisch locker am iPhone-Standard messen lassen.

Das Alleinstellungsmerkmal schwindet von Jahr zu Jahr. Kritiker werden zwar nach wie vor überrascht, wenn sich zur Markteinführung im Herbst wieder scheinbar endlose Schlangen vor den Geschäften bilden. Aber die technologischen Innovationen sind inzwischen eher Detailverschönerungen – ein ähnlich revolutionärer Charakter wie der ersten Generation haftet den aktuellen iPhones nicht mehr an.

Apple auf dem absteigenden Ast?

Zudem sind die Geräte nicht gerade günstig zu haben. Längst nicht jeder Apple-Fan kann sich Jahr für Jahr das neueste Modell leisten. Insofern überrascht es nicht, dass Beobachter zunehmend von einer einsetzenden Marktsättigung sprechen, von langsamerem Wachstum, rückläufigen Verkaufszahlen und einem Überschreiten des Zenits. Befindet sich Apple nun etwa auf dem absteigenden Ast?

Zumindest der Blick auf den Aktienkurs könnte dies vermuten lassen. Innerhalb der letzten sechs Monate hat das Papier um mehr als 20 Prozent nachgegeben. Inzwischen wird es für unter 100 Dollar gehandelt und ist damit tiefer gefallen als im August während der letzten Marktturbulenzen – auch damals hatten Beobachter schwächere Verkaufszahlen des iPhones prognostiziert.

Viele Anleger fragen sich daher angesichts der aktuellen Kursschwäche, wie tief die Aktie noch fallen kann. Ein Blick auf die Charthistorie offenbart verschiedene Szenarien. Auf knapp über 90 Dollar ist der Kurs im Handelsverlauf bereits gesunken.

Geht der Kurssturz weiter – oder kommt die Kehrtwende?

Legt den letzten größeren Kursrückgang zugrunde, den die Apple-Aktie zwischen Herbst 2012 und Frühsommer 2013 verzeichnete, wäre mit einem Minus von insgesamt etwa 40 Prozent zu rechnen. Einen Teil dieser Strecke hat der Kurs bereits zurückgelegt. Legt man den Höchstwert von knapp 135 Dollar zugrunde, von dem aus die Abwärtskurve diesmal startete, wäre das Papier bei einem Kursverlust von rund 40 Prozent noch etwa 77 Dollar wert.

Im schlimmsten Fall droht einigen Beobachtern zufolge ein Absturz auf 40 Dollar – dann wäre Apple mit Blick auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) ähnlich bewertet wie HP, der neben Apple als einer der verbliebenen großen Hardware-Hersteller gilt.

2016-01-17 Apple

Soweit muss es aber nicht kommen. Die meisten aktuellen Studien der Analysten sehen deutliches Kurspotenzial. Zwar halten nicht wenige den Kursrücksetzer für gerechtfertigt und erholsam, doch eine faire Bewertung setzen die meisten zwischen 120 und 145 Dollar an – damit würde die Aktie ihr Hoch vom Frühjahr 2015 sogar noch übertreffen.

Ungewiss bleibt allerdings, wie lang es dauern wird, bis das Papier zur Erholung ansetzt und wieder steigt. Wer günstig einsteigen und keine zu hohen Verlustrisiken eingehen will, muss sich also ein bisschen auf sein Bauchgefühl verlassen im Hinblick darauf, wann der richtige Zeitpunkt zum Einstieg erreicht sein wird.

19. Januar 2016

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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