Apple-Aktie: Schein und Sein

Apple Logo RED_shutterstock_365917562_pio3

Ist der Kursanstieg der Apple-Aktie seit November 2018 gerechtfertigt? Ich habe für Sie einmal auf die Zahlen geschaut. (Foto: pio3 / shutterstock.com)

Am 5. Juni dieses Jahres hatte die Apple-Aktie sämtliche im März-Crash erlittenen Verluste aufgeholt. Seither bewegt sich die Notierung wieder auf Rekordniveau:

Gestern markierte die Apple-Aktie mit 359,46 USD ein neues Allzeithoch. Damit notiert sie inzwischen bereits +9,6% über dem im Februar erzielten historischen Top von 327,85 USD.

Gegenüber dem 1. November 2018 sehen wir sogar einen Wertzuwachs von +61,5%. Ist diese höhere Bewertung durch entsprechende geschäftliche Erfolge unterlegt?

Ich habe mir die Zahlen einmal etwas genauer angeschaut.

Überraschend gute Zahlen für das 2. Quartal?

Wer ab Ende Januar dieses Jahres die Geschehnisse um die Eindämmung der Coronavirus-Pandemie in China verfolgt hat, dem konnte beim Gedanken an die Apple-Umsätze durchaus etwas mulmig zumute werden:

Da war von unterbrochenen Lieferketten für Teile zur iPhone-Produktion die Rede. Der Verkauf von Apple-Produkten in den Stores kam zum Erliegen, weil der Lock-Down in vielen Millionenstädten Chinas und auch anderen, betroffenen Regionen mit großer Härte durchgezogen wurde.

Daher waren die von Apple am 30. April 2020 gelieferten Zahlen zum zweiten Quartal – das Geschäftsjahr endet am 30. September – durchaus eine kleine Überraschung:

Der Umsatz erhöhte sich um ein halbes Prozent. Der Nettogewinn knickte lediglich um -2,7% ein.

Ob das 3. Jahresviertel, also die Periode von April bis Juni dieses Jahres, allerdings erneut ein solches Ergebnis produzieren wird, darf zumindest angezweifelt werden: In den USA wurde ab dem 23. März 2020 mit den Lock-Down-Maßnahmen begonnen, die zunächst für rund ein Drittel der Bevölkerung galten.

Apple-Entwicklung seit November 2018

Wir schauen uns gleich einmal die Kursentwicklung der Apple-Aktie ab dem 1. November 2018 an: An diesem Tag wurden die Zahlen für das 4. Quartal und damit auch für das Geschäftsjahr 2018 veröffentlicht.

Die Daten waren erfreulich: Denn Apple konnte einen Umsatzanstieg von +16,0% auf 265,6 Mrd. USD vermelden. Das Nettoergebnis kletterte um +23,1% auf 59,53 Mrd. USD, was einem Gewinnwachstum von sogar +29,3% auf 11,91 USD je Aktie entsprach.

Der Grund für den stärkeren Anstieg beim Ergebnis je Aktie ist in dem jahrelangen Aktienrückkaufprogramm des Konzerns zu suchen: Die um 251.583 reduzierte Zahl an umlaufenden Anteilen führte dazu, dass sich der Nettogewinn auf weniger Aktien verteilte.

Apple in USD: Die Rallye ist nicht durch entsprechende Geschäftszahlen unterlegt!

Wie Sie im Chart sehen, hat der Apple-Kurs seit jenem Novembertag gut +61% an Wertsteigerung erfahren. Wenn Sie das Dezembertief 2018 heranziehen, liegt der Wertzuwachs sogar bei fast +153%.

Schauen wir also einmal, ob dieser Anstieg um +61% durch die Geschäftsentwicklung seither gerechtfertigt ist.

Aktienkurs und wirtschaftliche Realität

Die Perspektive für die Aktie wurde sogar noch durch die Konzernprognose vom 1. November 2018 befeuert: Dort stellte Apple einen Umsatz von 89 bis 93 Mrd. USD für das 1. Quartal 2019 in Aussicht.

Daraus wurde allerdings nichts: Nach Ablauf der Periode von Oktober bis Dezember 2018 stand lediglich ein Umsatz von 84,3 Mrd. USD (-4,5% gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal) zu Buche.

Das Nettoergebnis gab um -0,5% nach. Aber dank weiterer Aktienrückkäufe wies Apple  immerhin eine Gewinnsteigerung von +7,5% beim Ergebnis je Aktie aus.

Das Geschäftsjahr 2019 endete mit einem Umsatzrückgang von -2,0%, einem Minus von -7,2% beim Nettogewinn sowie einem leichten Minus von -0,2% beim Ergebnis je Aktie.

Nach dem 1. Halbjahr 2020 (Periode Oktober 2019 bis März 2020) verbucht Apple ein Umsatzplus von +5,5%, einen Anstieg des Nettoergebnisses von +6,2% und einen Zuwachs beim Gewinn pro Aktie von +13,5%.

Vergleichen wir nun einmal diese Halbjahreszahlen mit denen aus dem Geschäftsjahr 2018: Dann sehen wir einen Umsatzanstieg von +2,6%, ein um -1,2% rückläufiges Nettoergebnis und ein Plus beim Gewinn pro Aktie von +14,2%.

Fazit

Fassen wir zusammen: Die Apple-Aktie ist heute +61,5% mehr wert, als am 1. November 2018. An diesem Tag veröffentlichte der Konzern seine Geschäftsjahreszahlen für 2018 (Geschäftsjahresende: 30. September).

Dieser Wertzuwachs basiert auf Umsatzanstiegen von +5,5% im Halbjahresvergleich 2020 zu 2019, aber nur +2,6% im Semestervergleich 2020 zu 2018. Die Veränderungen beim Nettoergebnis für dieselben Zeiträume liegen bei +6,2% und -1,2%.

Mit anderen Worten: Apple hat seit dem 1. November 2018 im Halbjahresvergleich defakto kaum Umsatz- und KEIN Gewinnwachstum verbucht. Dass der Gewinn pro Aktie im Halbjahresvergleich 2020 zu 2018 um +14,2% höher liegt, ist ausschließlich dem Umstand zu verdanken, dass der Konzern fleißig eigene Aktien vom Markt genommen hat: Insgesamt 570.461 bzw. -11,4%!

In dem für meinen Börsendienst „Die Wachstumsaktien-Strategie“ entwickelten Screening der Bilanzdaten erzielt Apple aktuell gerade einmal 20 Punkte: Um sich als Wachstumsaktie zu qualifizieren, wären mindestens 50 bei maximal 100 erreichbaren Punkten erforderlich.

Ich halte die jüngsten Rekordnotierungen der Apple-Aktie angesichts solcher Geschäftszahlen für nicht gerechtfertigt!

Apple führt Aktiensplit durch - was bedeutet das?

Apple führt Aktiensplit durch - was bedeutet das?Plötzlich ist eine Aktie von Apple nicht mehr 400 € sondern nur noch 100 € wert. Was ist da denn über Nacht passiert? Keine Sorge - das ist kein massiver… › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Andreas Sommer. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz