Apple: Erste Risse in der Wachstumsdynamik

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Klar: Apple verdient noch immer viel Geld. Entscheidend ist indes, dass die Wachs-tumsdynamik nachlässt. (Foto: Lester Balajadia / shutterstock.com)

Derzeit macht die Apple-Aktie vielen Anlegern Kummer.

Das wertvollste Unternehmen der Welt mit einem Festgeldkonto von sage und schreibe 121,3 Mrd. USD meldete in der vergangenen Woche zwar sehr ordentliche Zahlen (Gewinn +24,2% auf 8,2 Mrd. USD), lieferte jedoch auch eine Reduzierung der Prognose für das laufende Quartal.

Das letzte Jahresviertel ist für Apple zugleich das 1. Quartal des neuen Geschäftsjahres, da das alte immer am 30. September endet. Eine Rücknahme der Prognose bei Umsatz und Gewinn wiegt daher doppelt schwer:

Zum einen ist ein schlechter Start in ein neues Geschäftsjahr immer eine psychologische Belastung, da die restlichen Quartale nun überproportional besser werden müssen, wenn das Gesamtergebnis höher ausfallen soll.

Zum anderen liegt das Weihnachtsquartal vor uns, in dem das Unternehmen mit dem Apfel-Logo traditionell gute bis sehr gute Verkaufszahlen generieren konnte.

Etwas unverständlich wirkt die Prognose-Reduzierung zudem, weil der Konsumelektronikkonzern jüngst das iPad Mini angekündigt hatte, eine kleinere und preiswertere Ausgabe des zum Verkaufsschlager avancierten Tablet-PCs, das neue Kundengruppen erschließen soll.

Last not least läuft die Produktion des neuen iPhone 5 noch immer der hohen Nachfrage hinterher.

Tatsächlich „könnte“ Apple damit jedoch an einem Punkt angelangt sein, auf den ich im Handbuch zur Strategie meines Börsendienstes Momentum Trader ausführlich eingehe: Dem Ende der Wachstumsdynamik.

Die Börse bezahlt Wachstumsdynamik

Dieser Punkt wird von vielen Marktteilnehmern regelmäßig unterschätzt. Die Börse bezahlt nämlich in erster Linie Wachstumsdynamik und nicht Wachstum an sich.

Wenn Sie sich einmal die Gewinnentwicklung in der nachfolgenden Tabelle anschauen, werden Sie schnell erkennen, was ich damit ausdrücken will.

Gewinnentwicklung Apple von 2009 bis 2012

Schauen Sie dazu bitte in die letzte Zeile mit dem Gewinn pro Aktie.

Auch dies ist ein wichtiger Punkt: Nicht der Nettogewinn ist wichtig, sondern das Ergebnis je Anteil. Gibt ein Unternehmen nämlich massiv neue Aktien aus, dann verteilt sich der Gewinn auf diese höhere Anzahl von Anteilen.

Würde ein Konzern zwei Jahre in Folge den gleichen Nettogewinn erzielen, so würde das Ergebnis je Aktie dennoch aufgrund der höheren Zahl ausgegebener Anteile sinken.

Zurück zur Tabelle: Wie Sie unschwer ablesen können, hat Apple in den Jahren 2010 und 2011 nicht nur Geld verdient, sondern die Wachstumsrate jeweils massiv gesteigert.

Im nun zu Ende gegangenen Geschäftsjahr 2012 wurde ebenfalls sehr viel Geld und mehr als im Vorjahr verdient. Allerdings ist die Zuwachsrate von +82,6% auf +59,5% drastisch abgesunken und liegt sogar noch unter der des Jahres 2010.

Wenn Apple nun hergeht und gleich für das erste Quartal weniger Gewinn (und Umsatz) ankündigt, dann müssen Sie davon ausgehen, dass auch im Gesamtjahr 2013 die Gewinnwachstumsrate weiter nachgibt.

Risse in der Quartalergebnisentwicklung

Schauen wir zum Abschluss noch auf die Umsatz- und Gewinnentwicklung auf Quartalsebene in den zurückliegenden 3 Geschäftsjahren.

Umsatz- und Gewinnentwicklung Apple auf Quartalsebene von 2009 bis 2012

Wenn Sie einmal auf die Veränderungen gegenüber dem Vorjahr jeweils im 1. Quartal achten, dann stellen Sie fest, dass Apple 3 Jahre in Folge die Wachstumsraten bei Umsatz und Gewinn steigern konnte. In den beiden letzten Jahren sogar eklatant.

Für das laufende 1. Quartal des neuen Geschäftsjahres hat der Konzern einen Umsatz von 52 Mrd. USD angekündigt (Analysten hatten 55 Mrd. USD erwartet).

Der Umsatz wird also noch immer höher ausfallen als in 2012, jedoch wird die Wachstumsrate dann nur noch +12,2% betragen.

Der Gewinn pro Aktie soll laut Apple im ersten Jahresviertel 11,74 USD erreichen. Das wäre gegenüber dem Vorjahresquartal sogar eine rückläufige Entwicklung von -15,4%. Es wäre überdies seit Jahren die erste negative Gewinnwachstumsrate in einem Quartal!

Fazit

Sie sehen: Trotzdem Apple auf den ersten Blick noch immer einen Haufen Geld verdient und exzellent dasteht, zeigen sich auf den zweiten Blick erste Risse in der Wachstumsstory des wertvollsten Unternehmens der Welt.

Ein kluger Mensch hat einmal gesagt, dieser Titel wird von der Börse immer nur auf Zeit verliehen.

In einer der nächsten Ausgaben von Chartanalyse-Trends werden wir noch ausführlich auf die Charttechnik der Apple-Aktie eingehen. Soviel sei schon jetzt verraten: Die Aktie steht an einem extrem wichtigen Entscheidungspunkt.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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