Apple: Neuerung mit Sprengkraft

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Apple-Nutzer haben künftig mehr Macht über ihre Daten. Facebook gefällt das nicht. Anleger erfreuen sich an der Apple Aktie. (Foto: pio3 / shutterstock.com)

Diese Meldung hat es in sich: Apple hat angekündigt, den Nutzern seiner mobilen Endgeräte mehr Macht in Sachen Datenschutz zu geben.

Konkret haben Apple-Kunden, die beispielsweise ein iPhone oder iPad nutzen, nach einem Software-Update die Möglichkeit, das Tracking durch die installierten Apps zu deaktivieren. Bei jedem Start der App wird der Nutzer dann gefragt, ob er mit der Verfolgung seiner Aktivitäten einverstanden ist oder nicht.

Klingt lästig und erinnert an das permanente Wegklicken von Datenschutz- und Cookie-Bestimmungen auf Webseiten seit der Reform des Datenschutzgesetzes? Stimmt, aber Apple schafft Abhilfe: Über die Einstellungen können die Kunden auch ganz bequem mit einem Klick das Tracking sämtlicher Apps deaktivieren.

Kunden lauern auf Tracking-Abschaltung

Experten schätzen, dass etwa 80 bis 90 Prozent der Nutzer davon Gebrauch machen und das Tracking abschalten werden – und das hat weitreichende Folgen, die deutlich über den Apple-Kosmos hinauswirken.

Über die Tracking-Funktionen verfolgen die Apps Aktivitäten der Nutzer, beispielsweise im Internet. Dadurch wissen sie sehr genau Bescheid, etwa über bevorzugte Essenslieferdienste, Schuh- oder Modeversandhändler, aber auch politische Vorlieben können identifiziert und zugeordnet werden. Durch das Zusammenführen all dieser gesammelten Daten entstehen Nutzerprofile, die sehr passgenaue Werbeanzeigen ermöglichen. Der Nutzer bekommt also innerhalb der Apps genau jene Werbung angezeigt, die ihn sehr wahrscheinlich anspricht – was die Chance deutlich erhöht, dass tatsächlich ein Kauf stattfindet.

Da Apple-Kunden angesichts der Preispolitik des Unternehmens als besonders zahlungskräftig und auch zahlungswillig gelten, stellen sie eine bevorzugte Zielgruppe für Werbetreibende dar. In Deutschland erreicht das iPhone einen Marktanteil unter den Smartphones von etwa 20 bis 25 Prozent. Wenn von ihnen künftig ein Großteil das werberelevante Tracking deaktiviert, gehen der Werbeindustrie erhebliche Einnahmen verloren.

Facebook gefällt das nicht

Doch nicht nur die Werbetreibenden werden die Nachteile zu spüren bekommen, sondern auch all jene App-Anbieter, die ihr Geschäftsmodell vorrangig über den Verkauf personalisierter, zielgenauer Werbeanzeigen finanzieren. Ein besonders großer und relevanter Player auf diesem Gebiet: Facebook.

Das weltweit größte soziale Netzwerk hat umgehend auf die Ankündigung aus dem Apple-Hauptquartier im benachbarten Cupertino reagiert und scharfe Kritik geübt. Kein Wunder: Schätzungen gehen davon aus, dass Facebook ein Umsatzeinbruch in einer Größenordnung von etwa 7 Prozent droht, wenn wie erwartet mindestens 80 Prozent der iPhone-Nutzer die Datenverfolgung verweigern. Weil die Werbeanzeigen weniger passgenau geschaltet werden können und höhere Streuverluste drohen, sind die Werbebanner weniger wert. Ergo werden Facebooks Werbepartner nicht mehr bereit sein, so viel dafür zu zahlen wie bislang.

Beschwerde beim Bundeskartellamt: Werbeindustrie und Verlage fürchten Einnahmeeinbußen

Doch Facebook ist nur ein Beispiel. Auch etliche, bis dato kostenlos angebotene Apps, die sich durch zielgruppenorientierte Werbung finanzieren, könnten kostenpflichtig werden oder über kurz oder lang verschwinden. Einnahmeverluste drohen auch für digitale Angebote von Zeitungen und Zeitschriften. Einige Verlage haben daher gemeinsam mit Vertretern der Werbeindustrie bereits Beschwerde vor dem Bundeskartellamt eingelegt.

Ein weiterer Kritikpunkt lautet, dass Apple seinerseits weiterhin fleißig Daten über seine Kunden sammeln und sich dadurch einen strategischen Wettbewerbsvorteil sichern würde. Das stimmt zwar, allerdings erzielt Apple seine Einnahmen größtenteils nicht aus Werbung, sondern vielmehr durch den Verkauf der Hardware, aber auch durch Abo- und Lizenzprodukte sowie Cloudangebote.

Und das nicht zu knapp, wie die kürzlich vorgelegte Bilanz für das erste Kalenderquartal 2021 belegt: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnte Apple seinen Umsatz um satte 54 Prozent steigern auf mehr als 89 Milliarden US-Dollar. Stärkster Umsatztreiber ist nach wie vor das iPhone, das allein 48 Milliarden Dollar zum Gesamtumsatz beigetragen hat. Auch der Gewinn konnte verdoppelt werden auf gut 23 Milliarden Dollar.

Glänzende Q1-Bilanz: Apple wächst in allen Bereichen

Jenseits des iPhones profitiert Apple von der Pandemie: Durch das vermehrte Arbeiten im Home Office statten sich viele Arbeitnehmer entweder selbst oder durch den Arbeitgeber finanziert mit neuer Technik aus. So erhöhte sich etwa der Umsatz mit Mac-Computern auf 9,1 Milliarden Dollar – ein Plus von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Stark aufwärts ging es auch für iPads, die ein Umsatzwachstum von 79 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar verzeichneten.

Weniger fulminant fiel das Wachstum bei den Abo-Diensten und Einnahmen durch den App-Store aus, hier lag das Umsatzplus bei „nur“ 27 Prozent auf knapp 17 Milliarden Dollar. Deutlich erhöht hat sich im Corona-Jahr allerdings die Zahl der Abo-Kunden – sie stieg um 145 Millionen auf jetzt 660 Millionen Nutzerkonten.

Globale Erfolge – Apple übertrifft Erwartungen

Der Erfolg von Apple ist ein globales Phänomen: Nach Angaben des Unternehmens wuchs das Geschäft in sämtlichen Regionen um mindestens 35 Prozent. Rasant aufwärts ging es mit 87 Prozent in China, nachdem dort im Vorjahresquartal die Pandemie das Geschäft hatte einbrechen lassen. Nun erzielte Apple hier im Zeitraum von Januar bis Ende März 17,7 Milliarden Dollar Umsatz. Auch in Europa legten die Erlöse kräftig zu um 56 Prozent auf rund 22 Milliarden Dollar.

Starke Zahlen ist man von Apple gewohnt – üblicherweise allerdings vor allem im Weihnachtsquartal. Das Auftaktquartal nach dem Weihnachtsgeschäft läuft demgegenüber meist eher gemächlich und weniger berühmt. Umso positiver überrascht wurden Anleger und Analysten nun durch die Quartalsergebnisse, die die Erwartungen meilenweit übertreffen konnten.

Anleger erfreut, Analysten beeinddruckt

Die Apple Aktie stieg nach Vorlage der Bilanz um gut 2 Prozent und kostete zuletzt rund 133 Dollar. Damit ist das Unternehmen an der Börse inzwischen mehr als 2 Billionen US-Dollar wert. Nicht nur Anleger, sondern auch Analysten zeigten sich beeindruckt vom Erfolg des Auftaktquartals, etliche Experten hoben in ersten Stellungnahmen ihre Kursziele für die Apple Aktie an.

Die Credit Suisse stuft das Papier weiterhin als „neutral“ ein, erhöhte aber das Kursziel von 140 auf 150 Dollar. Ebenfalls neutral fällt die jüngste Bewertung der britischen Barclays Bank aus, die das Kursziel minimal von 136 auf 138 Dollar anhob.

Deutlich optimistischer fällt die Einschätzung der Schweizer Großbank UBS aus, die die Apple Aktie weiterhin zum Kauf empfiehlt, das Kursziel aber von 142 auf 155 Dollar korrigierte. Auch die US-Großbank JP Morgan rät nach wie vor zum Kauf, gab aber als neues Kursziel 165 Dollar aus nach zuvor 150 Dollar.

Apple Aktie: Goldman Sachs korrigiert Einstufung nach 2 Jahren

Eine bemerkenswerte Kehrtwende legten die Analysten von Goldman Sachs hin. Zum ersten Mal seit rund zwei Jahren raten sie nicht mehr zum Verkauf, sondern zum Halten der Apple Aktie, das Kursziel wurde zudem deutlich angehoben von 83 auf 130 Dollar. Die Goldmänner räumten mit ihrer neuesten Studie eine bisherige Fehleinschätzung ein und unterstrichen, dass der iPhone-Hersteller mitnichten unter der Pandemie zu leiden hatte, sondern im Gegenteil erheblich profitieren konnte.

Genauso wie die Anleger, die der Apple Aktie weiterhin die Treue gehalten haben und sich auf Jahressicht über ein Kursplus von gut 80 Prozent freuen dürfen.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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