Apple-Rallye: Substanz oder Größenwahn?

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Die Apple-Aktie legte seit Ende 2018 +106% zu: Die Wahrheit über den Kurs, die Ge-schäftszahlen und den Index-Hype! (Foto: Lester Balajadia / shutterstock.com)

Im englischen Sprachgebrauch gibt es die Phrase: „The Sky is the Limit!“ Das heißt im Deutschen wortwörtlich „Der Himmel ist die Grenze!“ oder frei übersetzt „Nach oben gibt es keine Grenzen mehr!“

Die Apple-Aktie zählte im vergangenen Jahr mit einem Wertzuwachs von +86% zu den Erfolgsgaranten der US-Leitindizes. Warum, werde ich Ihnen gleich erläutern.

In der Nacht zum Mittwoch meldete der Konzern mit dem angebissenen Apfel-Logo über den Geschäftsverlauf im letzten Jahresviertel 2019. Das sorgte für einen weiteren Kursschub.

Gibt es für die Apple-Aktie kein Limit mehr nach oben? Wir schauen auf die Zahlen und die weiteren Perspektiven des Tech-Giganten.

Apple-Zahlen

Das letzte Quartal jedes Jahres zählt für Apple traditionell zu den besten: Klar, denn es beinhaltet das Weihnachtsgeschäft. Es ist übrigens das erste des Geschäftsjahres, das immer am 30.09. endet.

Für die Zeit von Oktober bis Dezember 2019 berichtete der Konzern einen (gegenüber demselben Zeitraum des Vorjahres) um +8,9% ausgeweiteten Umsatz von 91,82 Mrd. USD. Der Nettogewinn wuchs um +11,4% auf 22,24 Mrd. USD.

Daraus resultiert ein um +19,4% verbesserter Gewinn pro Aktie. Woher kommt diese enorme Differenz beim Gewinnwachstum? Ganz einfach:

Für die Berechnung des Ergebnisses je Aktie wird der Nettogewinn durch die Anzahl der ausgegebenen Aktien dividiert. Apple hat im Rahmen seines Aktienrückkaufprogramms im Jahr 2019 insgesamt 218.648 eigene Aktien erworben und damit aus dem Handel genommen.

Was Ihnen die Umsatz- und Gewinnzahlen indes nicht verraten: Es war der erste Ergebniszuwachs nach 4 Quartalen mit Gewinnrückgängen in Serie! Das gilt in ähnlicher Weise für den Umsatz:

In den beiden ersten Quartalen des Geschäftsjahres 2019 (also September 2018 bis März 2019) verbuchte Apple geringere Erlöse gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Und auch in den 6 folgenden Monaten gelang lediglich ein bescheidener Zuwachs von durchschnittlich etwa +1,4%.

Der Effekt des Aktienrückkaufprogramms

Kommen wir noch einmal auf das Aktienrückkaufprogramm zurück: Zuletzt ist die Zahl der ausgegebenen Anteile im Geschäftsjahr 2012 gestiegen.

Seither wurde die Zahl der ausgegebenen Aktien über Aktienrückkaufprogramme um 1.986.570 Stück oder fast -30% von 6.617.483 auf 4.648.913 reduziert. Im selben Zeitraum ist der Kurs von 95,33 USD (Ende September 2012) auf 223,97 USD (Ende September 2019) gestiegen.

Wenn Sie aus diesen Werten den Durchschnitt bilden, also 159,65 USD, dann hat Apple in diesen 7 Jahren eigene Aktien im Wert von gut 317 Mrd. USD aus dem Verkehr gezogen.

Im selben Zeitraum stiegen übrigens der Umsatz von 156,5 auf 260,2 Mrd. USD (+66%) und das Nettoergebnis von 41,7 auf 55,3 Mrd. USD (+32,6%).

Den Effekt des Aktienrückkaufprogramms zeigt der Vergleich der Ergebnisse je Anteil: Durch die 30%-Reduzierung der umlaufenden Aktien wuchsen die Gewinne pro Aktie – und die werden eben zumeist betrachtet – zwischen 2012 und 2019 (Geschäftsjahre) von 6,31 auf 11,89 USD, also um +88,4%!

Wunsch und Wirklichkeit?

Schauen wir nun einmal gemeinsam auf den Chart:

Apple in USD: Wunsch und Wirklichkeit?

Wie Sie sehen, hat die Apple-Notierung seit dem 31.12.2018 sagenhafte +105,6% zugelegt! Der 12-Monats-Gewinn pro Aktie ist im selben Zeitraum indes nur um +6,7% gestiegen.

Das ist kein Druckfehler! Und der Gewinnanstieg ist sogar noch aufgerundet!

Was zeigt Ihnen das? Die Apple-Rallye war ein Vertrauensvorschuss der Aktionäre auf kräftig wachsende Gewinne. Die Geschäftsentwicklung in 2019 rechtfertigt die Kursverdoppelung in keinster Weise!

Aber die Börse schaut doch in die Zukunft? Klar: Aber wenn Apple erst in diesem Geschäftsjahr zu liefern beginnt, dann haben die Aktionäre ja den besten Grund, dem Börsenmotto „Sell on good News“ („Verkaufe bei guten Nachrichten“) zu folgen.

Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen: Die wertvollste Aktie der Welt notiert derzeit fast +41% über seiner 200-Tagelinie, also dem langfristigen Trend!!

Merkmale von Größenwahn und Blasenbildung

Betrachten wir zum Abschluss noch einige Aspekte, die aus diesem Kursanstieg resultieren. Dann erkennen Sie, dass es da noch mehr Argumente gibt, in der Apple-Aktie jetzt eher mal Kasse zu machen.

Gemäß dem soeben veröffentlichen Quartalsbericht beträgt die aktuelle Marktkapitalisierung 1.444.806.261.000 USD (4.454.604 Aktien x Kurs von 324,34 USD)! Damit Sie sich angesichts der Größenordnung nicht vertun: Das Unternehmen Apple wird vom Markt aktuell mit fast 1,45 Billionen USD bewertet!

Darf es noch ein wenig mehr Größenwahn sein? Bitte schön:

Laut Investors Business Daily vom 20. Januar 2020 hat die Apple-Aktie 661,2 Mrd. USD oder allein 12,2% zum Wertzuwachs des S&P 500 in den vergangenen 12 Monaten beigesteuert. Das war mehr als jedes andere der insgesamt 500 Index-Mitglieder beigetragen hat.

Ich lege noch einen drauf: Die sogenannten FAANG-Aktien Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google (heute Alphabet) stehen für 15% (!) des S&P 500-Marktwertes und damit natürlich auch für den Einfluss auf den Wert des Index! Allein die Gewichtung der Aktie mit dem angebissenen Apfel-Logo erhöhte sich im Index in den letzten 12 Monaten von 3,1% auf 4,8%!

Und nun zum Abschluss das Sahnehäubchen: Im Technology Select Sector SPDR ETF (Ticker: XLK) steht die Apple-Aktie für 20% der Gewichtung!

Fazit

In den Marktkommentaren möchte man Ihnen weismachen, dass Apple einmal mehr Wahnsinns-Quartalszahlen berichtet hat. Das ist – mit Verlaub – Blödsinn!

Gewiss: So manches Unternehmen hätte nur zu gerne den von Apple in einem Quartal erzielten Nettogewinn als Jahresumsatz. Tatsächlich jedoch hat der Konzern zwischen September und Dezember 2019 erstmals nach 4 rückläufigen Jahresvierteln wieder einen Zuwachs vermeldet.

Die Kursverdopplung (+105,6%) in den letzten 13 Monate kann daher eigentlich nur als Luftnummer bezeichnet werden. Die Aktionäre diskontierten hier eine Entwicklung, die es in der Realität definitiv nicht gegeben hat.

Überhaupt ist ein Großteil des Gewinnanstiegs pro Aktie (+88,4%) der letzten 7 Geschäftsjahre lediglich auf das Aktienrückkaufprogramm des Tech-Giganten zurückzuführen, mit dem wahnsinnige 30% der ausgegebenen Anteile aus dem Verkehr gezogen wurden. Das Nettoergebnis stieg im selben Zeitraum lediglich um +6,7%!

Ach ja: Der früher ja stets Technologie-feindliche Warren Buffett freut sich gewiss über die Entwicklung seines Apple-Paketes, welches er Anfang 2017 noch einmal verdoppelt hatte. Laut FAZ.net (Frankfurter Allgemeine Zeitung) vom 2. November 2019 war Buffetts Beteiligung an Apple seinerzeit schon 60 Mrd. USD wert und „doppelt so viel wert wie die zweitgrößte Position, ein Aktienpaket der Bank of America.“

Mich wundert das überhaupt nicht: Schließlich reicht ja schon die Information über irgendeine neue Beteiligung der Buffett-Vermögensverwaltung Berkshire Hathaway aus, um umgehend eine weltweite Flut von Nachahmern in diese Aktien zu treiben.

Setzt man die Kursauswüchse – auch in den anderen 4 FAANG-Aktien (Facebook, Amazon, Netflix und Alphabet [früher Google]) – in Beziehung zum S&P 500, dann können wir nur noch von Gigantismus sprechen!

Doch wehe, wenn aus dieser Tech-Blase Luft abgelassen wird: Dann reicht allein das schon für einen massiven Rücksetzer im S&P 500!

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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