Apple startet den nächsten Coup

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GoPro-Anleger zittern: Apple bläst zum Frontalangriff auf den Hersteller von Action-Kamerasystemen. Der Konzern aus Cupertino hat ein eigenes Patent für ein entsprechendes Produkt angemeldet und offenbar das Credo ausgegeben: wie GoPro, nur besser. (Foto: Denys Prykhodov / Shutterstock.com)

Egal, wie innovativ das eigene Produkt ist und wie erfolgreich seine Vermarktung verläuft – wenn Apple zum Gegenangriff bläst, ist Krisenstimmung garantiert.

Entsprechendes ließ sich in den vergangenen Tagen beim Actionkamera-Hersteller GoPro beobachten, dessen Aktie zweistellig in die Tiefe rauschte.

Apple-Patent lässt GoPro-Aktie abstürzen

Hintergrund war nichts weiter als eine Patentanmeldung des iPhone-Herstellers. Darin sichert sich Apple offenbar die Grundlage für ein Konkurrenzprodukt, das explizit die etablierten GoPro-Kamerasysteme angreifen soll. Zumindest geht das Unternehmen im Patentantrag konkret auf vermeintliche Schwächen der GoPro-Kameras ein.

Das reichte schon aus, um die GoPro-Aktie in der unmittelbaren Folge um bis zu 15 Prozent abstürzen zu lassen. Apple hatte sich nicht einmal öffentlich geäußert, eine Stellungnahme blieb bislang aus, ebenso wie eine konkrete Produktankündigung. Damit bleibt sich der Kultkonzern aus Cupertino treu – Geheimniskrämerei zählt seit jeher zu den Erfolgsstrategien in Apples Marketing.

Wie dramatisch es sich auf die eigene Marktposition auswirken kann, wenn Apple beschließt, ein Geschäftsfeld zu besetzen, mussten schon andere schmerzvoll erfahren.

GoPro: nicht der erste Apple-Verlierer

Nokia zum Beispiel: Der finnische Handyhersteller galt jahrelang als das non-plus-ultra der Branche, der neueste Stand der Mobiltelefontechnik war noch vor zehn Jahren vor allem unter der Marke Nokia zu haben. Die weltweite Marktführerschaft schien gesichert – doch dann brachte Apple das iPhone auf den Markt und revolutionierte praktisch über Nacht die gesamte Branche.

Apple schaffte die Tastatur ab und etablierte den Touchscreen, die Nutzergewohnheiten wandelten sich schnell – und der gesamte Markt wurde auf den Kopf gestellt. Samsung rückte technisch schnell nach, auf der Strecke blieb hingegen Nokia.

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Die Finnen schafften es nicht, rechtzeitig auf den fahrenden Zug aufzuspringen und wurden schließlich von Microsoft geschluckt. Damit taten sich zwei Apple-Verlierer zusammen, denn auch Microsoft – jahrzehntelanger Platzhirsch in Sachen Betriebssystem und Bürosoftware – knickte ein vor den Erfolgen des Apfels.

Apple-Anleger wittern neue Erfolge

Zwar ist es für einen Abgesang zu früh, Microsoft ist gerade dabei, sich unter neuer Führung neu zu erfinden. Doch die Erkenntnis bleibt: Gegen ein Apple-Produkt sind selbst Riesenkonzerne weitgehend machtlos.

Insofern darf man durchaus gespannt sein, was die Action-Kameras angeht – und die Zukunft von GoPro. Die Kamerasysteme, auf die sich das Unternehmen spezialisiert hat, werden vor allem von professionellen Sportlern wie Skifahrern, Bergsteigern oder Surfern genutzt, etwa als Helmkamera, um Videos ihrer spektakulärsten Unternehmungen im Internet zu veröffentlichen.

Bei Videoportalen wie YouTube feiern solche Filmchen große Erfolge, immer wieder schaffen sie es auch auf den TV-Bildschirm. Gelingt es Apple, diese Nische zu besetzen, dürfte die Luft dünn werden für GoPro, denn am Apfel hat sich schon so mancher die Zähne ausgebissen.

Apple-Anleger können sich unterdessen freuen. Experten sehen großes Zukunftspotenzial für sogenannte „Wearables“, also mit dem Smartphone zu verbindende Geräte, die direkt am Körper getragen werden.

Die Apple-Aktie befindet sich nach dem stetigen Anstieg im vergangenen Jahr derzeit in einer Konsolidierungsphase. Nichtsdestotrotz sind Analysten von ihrem weiteren Kurspotenzial überzeugt – kein Wunder, bei solchen Patenten.

2015-01-15 Apple


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.