Apple: Wenn das Wachstum versiegt

Am Dienstag nach Handelsschluss an der Wall Street berichtete der größte Elektronikkonzern der Welt über den geschäftlichen Verlauf des 1. Jahresviertels. Wie die Aktionäre die Apple-Resultate des 2. Quartals (Geschäftsjahresende: September) aufnahmen, zeigt die gestrige Kursreaktion:

Die Aktie verlor -6,3% auf 97,82 USD. Das Tagestief hatte sogar bei 95,68 USD gelegen, was einem Kursrückgang von bis zu -8,3% entsprach. Für das Schwergewicht nach Marktkapitalisierung war das ein gewaltiger Tagesverlust von in der Spitze 40 Mrd. USD.

Erstmals seit 13 Jahren kein Wachstum mehr

Die Anleger zeigten sich geschockt von der Tatsache, dass ihr „Börsenliebling“ erstmals nach 13 Jahren ununterbrochenen Wachstums einen rückläufigen Quartalsumsatz verbuchen musste: Mit 50,56 Mrd. USD erlöste Apple -12,8% weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Noch übler sah es bei der Ergebnisentwicklung aus: Der Nettogewinn schrumpfte um -22,5% von 18,02 Mio. USD im Vorjahr auf 10,5 Mio. USD. Es war im Übrigen das niedrigste Ergebnis seit 6 Quartalen.

Grund für die reduzierten Zahlen war das Star-Produkt des Unternehmens: Mit 51,2 Millionen verkauften iPhones musste Apple im Jahresvergleich einen Absatzeinbruch um satte -16% hinnehmen.

Kein Wunder: Inzwischen besitzt nahezu jeder ein iPhone, der gerne eines sein eigen nennen möchte. Daher geht es künftig hauptsächlich nur noch darum, defekte oder alte Modelle durch neue zu ersetzen.

Apple muss sich nicht sorgen, die Aktionäre indes schon

Zukunftssorgen muss sich der Elektronikkonzern gewiss nicht machen: Apple verfügt über kaum fassbare Cash-Reserven in Höhe von 233 Mrd. USD. Für die Aktionäre sollte die Kursentwicklung der letzten Monate dennoch eine Warnung sein. Denn:

Gewinne sind der „wahre“ Treibstoff für Aktienkurse. Noch mehr als die Ergebnisse einer Gesellschaft ist es jedoch das Gewinnwachstum, das Aktien zu Mega-Kursgewinnern kürt:

Der wahre Grund für die Apple-Misere ist das Gewinnwachstum

Vom Tief bei 0,91 USD im Jahr 2003 bis zum Allzeithoch im April 2015 bei 134,54 USD gewann die Apple-Aktie unglaubliche +14.704%. Bis 2012 wartete das Unternehmen mit Gewinnwachstumsraten von +354%, +46%, +73%, +67%, +82,6% oder +59,5% auf.

Seit 2013 lauten die Gewinnwachstumsraten -10%, +6,7% und +35%. Der Durchschnitt für das 1. Halbjahr 2016 liegt bei -10,3%. Nun kennen Sie den Grund, warum die Apple-Aktie seit dem Sommer des vergangenen Jahres „schwächelt“.

Großinvestoren steigen schon seit 12 Monaten bei Apple aus

Wer die Charttechnik auf seiner Seite hat, den dürften die Quartalszahlen indes kaum überrascht haben. Doch schauen Sie selbst:

apple-aktie in usd mit on-balance-volumen-28-04-2016

Apple-Aktie: Großinvestoren verkaufen schon seit 12 Monaten!

In den ersten 7 Monaten 2015 trat der Apple-Kurs sozusagen auf der Stelle: Die Aktie pendelte in einer ungewöhnlich engen Handelsspanne von gerade einmal 13 USD seitwärts.

Von diesem Niveau sind wir inzwischen jedoch weit entfernt. Und den Grund dafür lesen Sie am Indikator im unteren Teil des Charts ab:

Das On-Balance-Volumen (OBV) verknüpft bekanntlich die täglichen Kursveränderungen mit den begleitenden Umsätzen. Auf diese Weise wird schnell sichtbar, ob Geld in eine Aktie hinein oder aus ihr heraus fließt.

Im Falle von Apple ist die Tendenz eindeutig: Seit etwa 12 Monaten bauen die Großinvestoren ihre über viele Jahre hinweg aufgebauten Positionen kontinuierlich ab.

Sie brauchten also nur auf das On-Balance-Volumen schauen, um sofort zu erkennen, dass die Apple-Aktie bereits seit vielen Monaten kein Erfolg versprechendes Investment mehr ist.

Das gilt umso mehr, wenn nun auch noch das Wachstum versiegt!

28. April 2016

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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