Apple-Aktie: Trotz fehlender Innovationen noch erfolgreich?

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Seit dem iPhone warten alle auf "das nächste große Ding" von Apple. Aber braucht es das wirklich? Die Aktie sagt zumindest etwas anderes. (Foto: Francesco Marino - Fotolia)

Es ist ein altbekanntes Dilemma: Wer die Messlatte einmal hoch hängt, tut sich womöglich schwer damit, diese Höhe später erneut zu erreichen.

Zu beobachten ist das Ganze seit Längerem bei Apple.

Apple verliert etwas an Glanz

Das 1. iPhone, das im Herbst vor 10 Jahren auf den Markt kam, war eine technologische Revolution.

Praktisch über Nacht hatten alteingesessene Größen des Handymarktes ausgedient.

Das Ständig-online-Telefon mit dem Touchdisplay ließ den einstigen Branchen-Riesen Nokia schnell zum Nischen-Produzenten werden.

Die Revolution verlief rasant schnell: Apple hatte mit dem iPhone vorgelegt, sehr bald zogen andere Anbieter mit günstigeren Produkten nach.

Besonders die Kombination aus Massengeräten von Samsung und dem Google-Betriebssystem Android sicherte sich ein großes Stück vom Kuchen.

Der Markt war offensichtlich reif für Smartphones.

Und jetzt?

In den vergangenen Jahren hat eine gewisse Marktsättigung eingesetzt:

Wer ein Smartphone besitzen möchte, tut das i. d. R. bereits, und zwar mehrheitlich auch im jeweils individuell bevorzugten Preissegment.

Apple hält die iPhone-Familie recht überschaubar und setzt nach wie vor auf hochpreisigen Verkauf.

Samsung fächert die Palette breiter auf und liefert vom iPhone-Konkurrenten der Galaxy-S-Reihe bis hin zum Low Budget Gerät unter 100 € alles, was am Markt laufen könnte.

Die Südkoreaner haben noch zahlreiche andere Produkte im Sortiment; liefern von Fernsehern bis Kühlschränken alle möglichen Haushaltsgeräte.

Apple ist hingegen ziemlich fokussiert auf sein iPhone – und damit ziemlich abhängig von dessen Erfolg.

Dies ist ein Umstand, der nicht selten kritisch beäugt wird. Denn was, wenn es mit dem iPhone mal nicht mehr so gut läuft?

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Immerhin steuert das Telefon nach wie vor den Löwenanteil zum Apple-Gewinn bei. Manch ein Investor hofft deswegen auf das „nächste große Ding“, wie es immer so schön heißt.

10 Jahre nach dem iPhone soll bitteschön die nächste Revolution aus dem Ärmel gezaubert werden.

Apple-Aktie: Wozu eine 2. Revolution, wenn die 1. noch so gut trägt?!

Aber 1. ist das nicht so einfach. Selbst in der sich schnell wandelnden Tech-Branche brauchen wirklich umwälzende Entwicklungen ihre Zeit.

Und 2. ist es auch gar nicht unbedingt notwendig, wenn man sich einmal den Erfolg vor Augen führt, den Apple nach wie vor für sich verbucht.

Sicherlich, ein Stück von seinem Glanz und womöglich auch seiner Innovationskraft hat der Konzern verloren, als Steve Jobs im Herbst 2011 seinem Krebsleiden erlag.

Sein Nachfolger Tim Cook konnte nur verlieren – im Direkt-Vergleich zum charismatischen und umjubelten Firmengründer hätte wohl jeder schlecht abgeschnitten.

Doch Cook tut weit mehr, als nur ein Erbe zu verwalten; er baut es aus, wenn auch strategisch anders als sein Vorgänger.

Der neue CEO hat die Anleger stärker mit ins Boot geholt, indem er beispielsweise eine Dividende eingeführt hat.

Unter Jobs war das Cashvermögen des Unternehmens einfach immer weiter angewachsen, Ausschüttungen gab es nicht.

Auch der Ausbau des Produkt-Portfolios geschieht seither eher im abgesteckten Rahmen, es werden mehr Details verfeinert statt riesige Neuheiten verkündet.

Und das läuft gut.

Nicht nur die Geschäftsbilanz, auch die Kurs-Entwicklung der Apple-Aktie geben dem Konzern Recht. In den vergangenen 5 Jahren hat sich der Wert des Papiers locker verdoppelt.

Und am positiven Ausblick kann auch der jüngste Kursknick nichts ändern, der bekanntlich nicht an die Firma geknüpft war, sondern die gesamte Tech-Branche nach längerer Rally erfasst hat.

2016-06-16 Apple


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.