Apple-Zulieferer Foxconn übernimmt angeschlagenen Sharp-Konzern

Der Bieterstreit um den angeschlagenen japanischen Elektronik-Konzern Sharp ist beendet. Das Unternehmen teilte heute Morgen mit, dass nach zweitägiger Beratung der taiwanesische Apple-Zulieferer den Zuschlag erhalten hat.

Das Foxconn-Angebot bewertet Sharp mit etwa 6 Mrd. Dollar. Als Alternative wurde ein 2,5 Mrd. Dollar schwerer Sanierungsplan durch ein japanisches Bieterkonsortium in Erwägung gezogen. Der Plan wurde von der japanischen Regierung unterstützt, war aber dem Foxconn-Vorschlag Analysten zufolge deutlich unterlegen.

Hart umkämpfter Markt: Sharp verliert in 6 Jahren 10 Mrd. Dollar

Sharp steckt in einer schweren Krise. Der harte Wettbewerb bei Fernsehern und Hausgeräten hat schon einige große Spieler in die Knie gezwungen und Sharp drohte der nächste zu werden.

Nach mehreren schwachen Jahren lastet inzwischen ein gigantischer Schuldenberg von über 4 Mrd. Dollar auf dem Unternehmen. Immer wieder mussten die Banken Sharp mit Notkrediten über Wasser halten. Zwischenzeitlich war anstelle einer Übernahme sogar eine Insolvenz im Gespräch.

Die Foxconn-Lösung sorgt also für Erleichterung. Mit dem taiwanesischen Partner hat Sharp die Chance, die Produktivität wieder zu steigern und den Umsatzschwund zu stoppen. Die beiden Unternehmen pflegen bereits eine langjährige Geschäftsbeziehung und der Deal bringt hohe Synergien mit sich.

Auch für Foxconn ist die Übernahme gut. Der Bieter hatte schon 2012 ein Auge auf die LCD-Sparte geworfen, konnte sich mit Sharp aber nicht auf einen Preis einigen. Jetzt erhält Foxconn nicht nur die Sparte nebst wichtiger Technologien sondern gleich das ganze Unternehmen und kann zusätzlich die Produktpalette diversifizieren – ein früher ausgegebenes Unternehmensziel.

Übernahme-Spekulation auf Sharp geht nicht auf

Der Übernahme-Vereinbarung nach wird Foxconn über eine Kapitalerhöhung neuer Sharp-Großaktionär. Neben einem 70%-Anteil wird das Unternehmen zudem an Banken ausgegebene Vorzugsaktien übernehmen.

Wer auf eine Komplett-Übernahme nebst attraktiver Übernahme-Prämie setzte, der ging leer aus. An der Börse gerät die Sharp-Aktie aufgrund der großen Kapitalerhöhung unter Druck und verliert 14,4%.

Foxconn-Anleger bewerten den Deal leicht positiv. Im festeren europäischen Mittagshandel legt die Aktie (Hon Hai Precision Industry) um 1,5% zu.

Regel Nummer 1 im Übernahme-Geschäft: Ein guter Kandidat ist auch ohne Deal kaufenswert

Wenn Sie auf Übernahme-Kandidaten setzen, um Ihrer Performance ein wenig Schub zu verleihen, dann sollten Sie unbedingt darauf achten, was Sie kaufen. Es ist zwecklos jedem Gerücht blind hinterherzujagen.

Fragen Sie sich, wie ein Deal aussehen könnte und welcher Preis zu erzielen ist. Frage Sie sich zudem immer auch, wie sich Ihre Investition ohne Deal darstellen würde. Nur wenn dann auch ein Kauf gerechtfertigt ist, handelt es sich um einen guten Übernahme-Kandidaten.

25. Februar 2016

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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