Argentinien vor nächstem Zahlungsausfall

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Die Gläubiger argentinischer Staatsanleihen durchleben harte Zeiten. Für viele anderen Anleihengläubiger könnten harte Zeiten bevorstehen. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Der Handelsstreit USA versus China sorgt dafür, dass in diesen Tagen und Wochen fast alle Investoren zitternd auf den Aktienmarkt blicken. Dabei gibt es am viel größeren Anleihenmarkt eine gefährliche Spekulationsblase. Die niedrigen Zins-Renditen zeigen an, dass Risiken faktisch mit Null bewertet werden. Das kann sich bitterlich rächen. Erste Warnsignale gibt es bereits.

Vor 2 Jahren hat Argentinien eine 100-jährige (!) Staatsanleihe auf den Markt gebracht. Das Land, das zuvor schon zwei Mal Pleite gegangen war, wollte sich ursprünglich 2 Mrd. US-Dollar am Kapitalmarkt leihen. Und das bis ins Jahr 2117.

Als Gegenleistung für die unfassbar lange Laufzeit hat Argentinien die Anleger mit einer Zins-Rendite von 8,25% gelockt. Die Reaktion der Marktteilnehmer: Die Investoren standen Schlange! Die Nachfrage nach dieser Staatsanleihe lag bei fast 10 Mrd. US-Dollar. Einem Ex-Pleitestaat, der immer wieder in Krisen abgleitet, für 100 Jahre Geld zu leihen, das ist vollkommen verrückt! Das schrieb ich bereits vor 2 Jahren.

Nun steht Argentinien am Rand des nächsten Zahlungsausfalls. Der argentinische Peso wertet ab, die Währungsreserven schmelzen dahin. Der Kurs der 100-jährigen Anleihe stürzte drastisch ab. Zeitweise von 100 auf nur noch 36%. Meine Einschätzung: Es ist noch Luft nach unten vorhanden.

Keine flächendeckende Aktienblase

In den vergangenen 10 Jahren hatten wir am deutschen Aktienmarkt zwar zahlreiche kleine und auch größere Korrekturen, doch einen richtigen Crash gab es nicht. Das ist meines Erachtens ein wesentlicher Grund dafür, dass immer wieder Anleger und Marktbeobachter von einer Aktienblase sprechen und einen baldigen Crash fürchten.

Meine Einschätzung: Das historische Durchschnitts KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) des DAX liegt zwischen 14 und 15. Aktuell liegt es darunter. Am Ende der letzten großen Boomphase lag das DAX-KGV im Jahr 2000 bei über 30. Das bedeutet: In dieser Boomphase wurden die DAX-Werte mehr als doppelt so hoch bewertet wie heute.

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Um das Bewertungsniveau von 2000 wieder zu erreichen, müsste der DAX in diesem Jahr noch auf über 24.000 Punkte explodieren (oder die Unternehmensgewinne müssten quasi über Nacht implodieren). Klettert der DAX zeitnah wieder in Richtung der 13.000-Punkte-Marke würde das KGV auf knapp über 14 steigen. Das ist kein Schnäppchen-Niveau, aber auch meilenweit von einem Boom-Niveau entfernt.

Attraktiv sind noch immer die Ausschüttungen der deutschen Aktiengesellschaften. Die durchschnittliche Dividenden-Rendite liegt bei rund 3,3%. In einer quasi zinslosen Zeit sind Ausschüttungsrenditen von über 3% ein klares Kaufargument.

Riesige Blase am Anleihenmarkt

Wenn Sie an der Börse eine Blase (starke Überbewertung) suchen, werden Sie im Anleihen-Sektor fündig. Die Umlaufrendite der deutschen Staatsanleihen liegt im negativen Bereich. Insofern ist ein Anleihen-KGV hier nicht messbar. Läge die Umlaufrendite aber bei 0,1%, kämen deutsche Staatsanleihen auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 1.000!

In einem normalen Markt wäre eine solche Bewertung unmöglich, aber die zentral gesteuerte EZB drückt die Zins-Renditen künstlich nach unten. Außerdem sorgen die Gesetzgeber dafür, dass große Investoren wie Banken und Versicherungen faktisch gezwungen werden, sichere Anleihen zu kaufen.

Das Ergebnis: Während Aktien durchschnittlich moderat bewertet sind, ist am Anleihenmarkt in den vergangenen Jahren eine riesige Blase entstanden.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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