AS Rom: Texanischer Milliardär nimmt italienischen Traditionsklub ins Visier

Renditemöglichkeiten mit Fußball-Clubs

Die Schlacht um die Vorherrschaft auf dem Rasen geht in die nächste Runde - nun soll der AS Rom übernommen werden. (Foto: Smileus - Fotolia)

Fußballaktien sind eine Welt für sich und gelten bei den meistern Anlegern als riskante Anlage. Trotzdem erfreuen sich die Vereine bei Investoren immer größerer Beliebtheit. Deals gab es zuletzt zuhauf: So stieg der Investor Lars Windhorst beim Hauptstadtclub Hertha ein, der Hedgefonds Elliott kaufte sich beim hoch verschuldeten AC Milan ein und die kalifornische Private Equity Gesellschaft Silver Lake schnappte sich für 500 Millionen Dollar Aktien der City Football Group (CFG), die mehrere Fußballklubs unter sich vereint.

Kurz vor dem Jahreswechsel machten bereits die nächsten Spekulationen die Runde. Offenbar steht der italienische Traditionsverein AS Rom vor einer Übernahme durch einen texanischen Multi-Milliardär. Der Aktie haben die Gerüchte nicht geschadet. Seit November legten die Papiere von AS Rom um beinahe 40% an Wert zu.

Teuerste Übernahme der italienischen Fußballgeschichte

Bislang sind es italienischen Medienberichten zufolge noch offene Verhandlungen, die aber vom Tabellenvierten der Serie A in Italien bestätigt wurden und es wirklich in sich haben. Offenbar steht der AS Rom kurz vor der Übernahme durch den texanischen Multi-Milliardär und Großinvestor Daniel Friedkin. Das Volumen eines möglichen Deals wird mit 790 Millionen Euro inklusive Schulden beziffert.

Das ist beeindruckend: Immerhin wäre die Transaktion damit die teuerste Klubübernahme in der Geschichte des italienischen Fußballs.

Wer hinter Friedkin steckt

Auch wenn Friedkin hierzulande den wenigsten bekannt sein dürfte, eine kleine Nummer ist er nicht. Immerhin wird sein Vermögen auf einen Gesamtwert von 4,3 Milliarden Dollar taxiert. Der 54-jährige Milliardär macht in Amerika Geschäfte als Toyota-Händler, investiert aber auch in Hotels und Ferienanlagen.

Sein Vater hatte die Golfstaaten Toyota Distributors (GST) gegründet, einen amerikanischen Franchise-Vertriebshändler für Toyota-Fahrzeuge und -Teile. Medienberichten zufolge ist die Firma für mehr als 10% der Verkäufe in den USA verantwortlich.

Großaktionär mit Verkaufsabsichten

Bislang handelt es sich noch um offene Verhandlungen und Insidern zufolge ist noch kein definitives Abkommen geschlossen worden. Dass sich die US-Investorengruppe rund um den Vereinspräsident James Pallotta von seiner Vereinsbeteiligung trennen möchte, ist allerdings kein Geheimnis. Nachdem das Projekt zum Bau eines neuen Stadions, dass der AS Rom mit seinem Lokalrivalen Lazio Rom zusammen nutzt, im administrativen Sumpf unterzugehen droht, häuften sich die Verkaufsgerüchte.

Wirtschaftlich gab es schon bessere Zeiten

Die sportlichen Glanzzeiten des 1927 gegründeten Traditionsvereins sind aber schon eine Weile her. Zwar liest sich die Bilanz beeindruckend: Der AS Rom ist neunfacher Italienischer Pokalsieger, dreifacher Italienischer Meister und zweifacher Italienischer Supercupsieger.

Doch die letzte italienische Meisterschaft liegt nunmehr fast 19 Jahre zurück. Die vergangenen acht Titel gingen an Juventus Turin. In der zuletzt beendeten Saison (per Ende Juni) verzeichnete der AS Rom bei einem Umsatz von 232,8 Millionen Euro einen Verlust von 24,3 Millionen Euro.

Den letzten Jahresgewinn erzielte der Klub im Jahr 2008! Zudem plagt den Konzern eine massive Verschuldung von über 200 Millionen Euro.

Damit reiht sich der Klub in die Rige der Serie A-Vereine ein. Der Schuldenberg im italienischen Fußball wächst immer weiter und beläuft sich inzwischen auf 3,9 Milliarden Euro. Das sind 7,1% mehr als nach der Vorsaison. Gegenüber der Meisterschaft 2015/16 kletterte die Verschuldung sogar um 18,2%. Unterdessen stiegen die Umsätze der 20 Erstligisten um 6% auf ein Rekordhoch von 3,5 Milliarden Euro.

Pläne des Käufers bislang unklar

Was genau die Pläne von dem texanischen Multi-Milliardär sind, ist bislang unklar. Erfahrung mit Fußballklubs hat Friedkin bislang jedoch nicht. Wie er den Traditionsklub wieder in die Erfolgsspur bringen will, wird sich daher erst noch zeigen müssen.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.