Ashland: Chemie-Branche mit neuer Milliarden-Übernahme

Die Chemie-Branche steht vor einem neuen Milliardendeal. Für 3,2 Mrd. Dollar will der amerikanische Spezialchemie-Konzern Ashland den Konkurrenten International Speciality Products (ISP) übernehmen.

Die Übernahme ist der nächste Deal in einer Branche, die schon vor über einem Jahr eine Branchenkonsolidierung eingeleitet hat.

Bekanntestes Beispiel in Deutschland ist die Cognis-Übernahme durch BASF. Andere Konkurrenten wie die Schweizer Clariant oder der niederländische Chemie-Riese DSM haben ebenso zugekauft.

Auch die amerikanische Investoren-Legende Warren Buffett hat mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway zugegriffen – und ein Ende der Übernahmewelle ist nicht in Sicht.

Auch in Deutschland reagieren die Aktien in der Spezialchemie-Branche

Die Übernahme in den USA hat auch in Deutschland die Spekulationen angefacht, wer hierzulande der nächste Übernahme-Kandidat sein könnte.

Deutlich stärker als der Markt stiegen die Kurse der MDAX-Unternehmen Lanxess, Wacker Chemie und Symrise.

Denn die Anzahl der potenziellen Ziele nimmt immer weiter ab. Wenn ein Unternehmen es nicht schafft, die Börsenbewertung auf ein gesundes Niveau zu heben, werden die internationalen Konzerne die Schwäche ausnutzen und zuschlagen.

Aktien der Branche Spezial-Chemie sind daher einen Blick wert (in meinem Börsendienst „Der Übernahme-Gewinner“ besitzen meine Leser den attraktivsten deutschen Übernahme-Kandidaten).

Unternehmen wollen zyklische Abhängigkeit reduzieren

Chemie-Unternehmen nutzen aktuell die vollen Firmenkassen aus zwei Gründen. Zum einen möchten die Unternehmen ihre Angebotspalette erweitern, um die Abhängigkeit des sehr zyklischen Geschäfts zu reduzieren.

Daher werden auch häufig Unternehmen übernommen, die mit ihren Produkten eine andere Kundengruppe versorgen und gleichzeitig Synergie-Potenzial bieten.

Das ist auch bei der ISP-Übernahme der Fall. Ashland ist in erster Linie für das Motorenöl Valvoline bekannt und übernimmt ein Unternehmen, das in der weniger zyklischen Körperpflege- und Pharma-Branche seine Gewinne erwirtschaftet.

Die Übernahme stellt das Unternehmen im Bereich Spezial-Chemie breiter auf und soll ein Einsparpotenzial von rund 50 Mio. Dollar jährlich besitzen.

Zum anderen profitiert die Branche aktuell von der deutlich steigenden Nachfrage. Viele Unternehmen erwirtschaften wieder hohe Gewinne und hinken in der Börsenbewertung noch hinterher.

Ashland zahlt zwar für ISP gemessen am 2010er EBITDA einen leicht überdurchschnittlichen Preis (Multiplikator 8,8 gegenüber 7,5), aber angesichts der starken Wachstumsraten ist die Übernahme nicht zu teuer.

Ashland-Aktionäre in Feierlaune

Die Ashland-Aktionäre unterstützen daher den Unternehmenskurs. Die Aktie zieht aktuell im New Yorker Handel um rund 10% an.

Das Verfahren gegen einen der Ashland-Mitarbeit ist zwischenzeitlich eingestellt worden. Der Konzern selbst hatte keine Schuld an dem Unfall, bei dem gesundheitsgefährdendes Gas ausgetreten war.

Neben dem guten Preis erfreut die Anleger auch, dass ISP einen Großteil der Gewinne außerhalb der USA einfährt, denn in Nordamerika läuft das Chemie-Geschäft noch nicht rund.

31. Mai 2011

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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