Asos-Aktie: Zalando-Rivale im Sturzflug

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Asos-Aktie: Online-Modehändler schraubt Jahresziele deutlich nach unten. Nach halbierten Margenziel fliehen Anleger aus der Aktie (Foto: Zalando)

Gerade einmal eine Woche ist es her, da hat die internationale Investmentbank Morgan Stanley den britischen Online-Modehändler unter Beschuss genommen. Der Analyst der Bank bekräftigte nicht nur seine Verkaufsempfehlung, sondern kürzte auch noch drastisch sein Preisziel um 36% auf 3.200 pence. Das wäre an sich nichts Außergewöhnliches, wenn nicht der Kurs im Vorfeld der Studie seit März bereits 46% an Wert verloren hätte.

Jedenfalls wurden die Anleger schnell von den Ereignissen überholt und auch das eigentlich weit entfernte Kursziel des Morgan Stanley-Analysten ist bereits deutlich unterschritten worden. Denn gestern veröffentlichte Asos eine saftige Gewinnwarnung, die den Kurs um zeitweilig mehr als 40% in den Keller schickte.

Asos – Pure Play im Online-Modemarkt

Bevor ich auf die jüngste Nachrichtenlage eingehe, möchte ich Ihnen den Asos-Konzern gerne näher vorstellen. Denn auch wenn der Konzern hierzulande deutlich weniger bekannt sein dürfte als sein Erzrivale Zalando, eine kleine Nummer ist das Unternehmen keineswegs. Der britische Konzern Asos ist ein weltweiter Online-Anbieter für Mode und Kosmetik mit einem gigantischen Produktangebot.

Sie müssen wissen: Asos vertreibt über 65.000 Produktlinien von bekannten Marken und dem Hauslabel in den Bereichen Damenbekleidung, Herrenbekleidung, Schuhe, Accessoires, Schmuck und Beauty. ASOS hat Websiten für Großbritannien, die USA, Frankreich, Deutschland, Spanien, Italien, Australien, Russland und China und versendet aus einem zentralen Vertriebszentrum in Großbritannien in über 190 weitere Länder.

Beeindruckende Wachstumsgeschichte…..

Mit dieser Positionierung schrieb Asos in den zurückliegenden Jahren eine beeindruckende Erfolgsgeschichte. Obwohl der Konzern erst im Jahr 2000 gegründet wurde, operiert er seit 2004 in der Gewinnzone. In den vergangenen 10 Jahren kletterten die Umsätze von 81 auf 1,8 Mio. Britische Pfund. In den letzten drei Monaten bis zum 30. November gingen bei dem Modeportal 656 Millionen Britische Pfund an Umsatz durch die Bücher. Das war ein Zuwachs von 14%.

……bekommt erste Risse

Doch die Zeiten des hohen Wachstums scheinen vorerst vorbei zu sein. Denn die gerade gemeldete Anpassung der Geschäftsziele hatte es in sich. Sie müssen wissen: Bislang peilte der Onlinehändler einen Umsatzzuwachs zwischen 20 und 25% an. Jetzt soll es nur noch ein Plus von rund 15% werden. Verantwortlich macht die Geschäftsführung eine deutliche Verschlechterung der Geschäftslage im November.

Asos teilt mit, dass der Anstieg der Rabatte in Verbindung mit dem ungewöhnlich warmen Wetter den durchschnittlichen Verkaufspreis kräftig nach unten gedrückt hat. Dieser konnte nicht durch höhere Einheiten pro Warenkorb kompensiert werden. Infolgedessen liegt der durchschnittliche Wert der Warenkörbe nun unter dem Vorjahreswert.

Entsprechend zurückhaltend zeigt sich das Management auch bei der prognostizierten Gewinnentwicklung. Statt wie bislang eine Vorsteuergewinnmarge (EBIT) von 4% rechnet das Unternehmen jetzt nur noch mit rund 2%.

Auch Onlinefirmen nicht immun

Im Zuge der massiven Umsatz- und Gewinnwarnung gab die Konzernführung bekannt, die geplanten Investitionen auf 200  Millionen Pfund zu reduzieren. Dabei zeigt Ihnen die Entwicklung vor allem eins: Auch die Online-Händler sind nicht immun gegen die Schwäche im Einzelhandelssektor, die wir seit Monaten erleben.

Besonders erschreckend: Noch im Oktober hat die Konzernführung ihr Vertrauen in die internen Planungen bestätigt. Das lässt erahnen, wie schwach der November wirklich verlaufen ist. Offenbar führt die Brexit-Angst in Großbritannien zu einem generell nachlassenden Kaufinteresse. Egal ob in Geschäften oder online.

Die Anleger quittieren die gestiegene Unsicherheit mit massiven Abverkäufen. Von dem Jahreshoch haben sich die Papiere mittlerweile deutlich (-65%) entfernt. Auch die Papiere des Rivalen Zalando waren gestern kräftig unter Druck. Bevor sich nicht eine nachhaltige Wende im Konsumentenverhalten einstellt, dürften die Papiere der Modehändler ausgesprochen volatil bleiben.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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