Aston Martin: Durch den Börsengang den Brexit rechts überholen

Aston Martin will offenbar an die Börse. Damit will sich der Autobauer auf die Folgen des Brexit vorbereiten. Ob das gelingt, ist derzeit unklar. (Foto: Zoltan Gabor / Shutterstock.com)

Der durch den Geheimagenten James Bond bekannte britische Sportwagenhersteller Aston Martin plant nach eigenen Angaben noch in diesem Jahr den Gang an die London Stock Exchange. Dies wurde bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen in der vergangenen Woche bekannt.

Börsengang nimmt Konturen an

Durch den IPO sollen die Anteile der italienischen Private Equity-Beteiligungsgesellschaft Investindustrial und einer Gruppe kuwaitischer Investoren, die derzeit zusammen rund 95 % der Anteile an Aston Martin halten, auf etwa 70 % zurückgehen. Auch der Anteil von Daimler, aktuell mit knapp 5 % an Aston Martin beteiligt, soll durch das IPO verwässert werden.

Angestrebt wird eine Marktkapitalisierung von rund 5 Mrd. Pfund. Auch die mit dem Börsengang betrauten Konsortialbanken sind bereits durchgesickert – mit den bei einem Deal dieser Größenordnung üblichen Verdächtigen: So soll neben Goldman Sachs und JP Morgan auch die Deutsche Bank als Konsortialführer an der Transaktion beteiligt sein.

Aufbruchstimmung in der englischen Provinz

Schon vor einiger Zeit hatte der Vorstand von Aston Martin zugegeben, mit einem Börsengang zu liebäugeln. Das kam überraschend, denn Schlagzeilen machte der Sportwagenhersteller aus dem englischen Städtchen Gaydon während der letzten Jahrzehnte eher durch schlampiges Management und hohe Verluste als für Solidität und gute Finanzzahlen. Nicht weniger als sieben Mal musste die Firma seit ihrer Gründung vor 113 Jahren Insolvenz anmelden.

Doch statt dem finanziellen Aus will man es nun offenbar Ferrari gleichtun, dessen Aktien bereits seit 2015 an der New Yorker Börse gelistet sind. Andere Luxusautohersteller haben dagegen längst ihre Selbständigkeit verloren: Bentley wurde 1998 von VW übernommen, Rolls Royce 2000 von BMW, Jaguar und Land Rover hatte sich 2008 der indische Tata-Konzern einverleibt. Kein Wunder, dass Finanzvorstand Mark Wilson den geplanten Börsengang als einen „großen Moment für die britische Autoindustrie“ bezeichnet.

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Zurück auf der Erfolgsspur

Operativ schlägt sich Aston Martin mit seinen 2.000 Angestellten inzwischen recht wacker. So meldete Firmenchef Andy Palmer für das Jahr 2016 bei Rekordumsätzen von 880 Mio. Pfund einen Vorsteuergewinn von 87 Mio. Pfund. Noch ein Jahr zuvor musste Aston Martin einen betrieblichen Verlust von 163 Mio. Pfund bekannt geben.

Die Anzahl der verkauften Sportwägen konnte im vergangenen Jahr auf 5.117 von 3.229 im Jahr 2016 gesteigert werden. Pro Auto entspricht das einem Durchschnittspreis von rund 172.000 Pfund. Vor allem der neue Sportwagen DB11 und Sondermodelle waren nach Firmenangeben die beliebtesten Modelle unter den Kunden.

Und das Wachstum scheint sich fortzusetzen. So stiegen die Erlöse im ersten Halbjahr 2018 um weitere 8 % auf 445 Mio. Pfund, das adjustierte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verbesserte sich um 14 % auf 106 Mio. Pfund; dies entspricht einer EBITDA-Marge von 24 %. Rückläufig war allerdings die Zahl ausgelieferter Wägen: Sie ging nach sechs Monaten auf 2.299 von zuletzt 2.439 zurück.

Hoffentlich kein Poller

Zum Halbjahr war das Unternehmen mit 539 Mio. Pfund verschuldet. Das Leverage ist damit deutlich höher als noch vor sechs Monate zuvor, als die Nettoverschuldung noch bei 417 Mio. Pfund lag. Diesen Trend könnte Aston Martin durch den Börsengang umkehren. Allerdings scheint es sich bei den bislang vorgestellten IPO-Plänen nur um ein reines Listing zu handeln, mit dem keine Kapitalerhöhung verbunden ist, sondern sich nur Altaktionäre von ihren Aktien trennen.

Dabei könnte Aston Martin die Mittel aus dem Börsengang gut gebrauchen. So arbeitet das Unternehmen mit Hochdruck an einem E-SUV, der unter der neuen Lagonda-Marke auf den Markt gebracht werden soll. Und dann steht ja noch der Brexit bevor, den CEO Wilson als „Bremsschwelle“ verniedlicht hat. Hoffentlich erweist sich der Brexit nicht doch als Poller, der eine Weiterfahrt unmöglich macht.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.