Aston Martin fährt an die Wand

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Aston Martin hat den Lackmus-Test nicht bestanden. Worin sich echter Luxus von gewöhnlichen Unternehmen unterscheidet (Foto: Evannovostro / shutterstock.com)

Manchmal werde ich gefragt, woran man einen echten Luxusgüteranbieter erkennen kann. Seit ich einmal im Hermès-Geschäft in der Münchener Maximilianstraße Zeuge davon wurde, wie eine Kundin innerhalb von 20 Minuten vier Kelly Bags – für alle, die damit nichts anfangen können: Kelly Bags sind in Handarbeit gefertigte Damenhandtaschen – im Gegenwert von etwa 80.000 Euro gekauft hat, habe ich eine Vorstellung davon, was einen Luxusgüteranbieter von einem „gewöhnlichen“ Unternehmen unterscheidet: Luxusgüter werden in jeder konjunkturellen Lage gleichermaßen nachgefragt.

Denn die Nachfrager von Luxusgütern werden nicht arbeitslos. Ihre Nachfrage ist nicht von einem möglichen Gehaltsbonus abhängig. Sie müssen auch nicht darüber nachdenken, ob sie das Geld, das sie heute ausgeben, vielleicht im nächsten Monat vermissen. Nein, Kunden von Luxusgütern denken nicht über Geld nach, sie haben es einfach. Punkt.

Den Lackmus-Test nicht bestanden

Den Lackmus-Test, ob Aston Martin nun Luxusautos herstellt oder nicht, hat der britische Autohersteller nicht bestanden. Dies verdeutlichen die jüngsten Absatzzahlen und die zwischenzeitlich gekappte Finanzprognose des Finanzvorstands: Anstelle der ursprünglich geplanten 7.400 Fahrzeuge werden im laufenden Jahr wohl nur maximal 6.500 Autos verkauft.

Die schwache Nachfrage in Großbritannien und auf dem Festland kann auch durch höhere Verkäufe in Asien nicht ausgeglichen werden. Nun wurde ein neues Ziel ausgegeben, das nur geringfügig über den Verkaufszahlen des Jahres 2018 liegt. Das beim Börsengang ausgegebene Langfristziel, bis zum Jahr 2025 mehr als 14.000 Fahrzeuge auszuliefern, dürfte damit ebenfalls passé sein.

Wenn schon die Absatzzahlen unter den Erwartungen liegen, kann es natürlich auch beim Umsatz und Ertrag nicht viel besser laufen. Während die Erlöse im ersten Halbjahr um 4% sanken, musste das Unternehmen aus Gaydon in der englischen Grafschaft Warwickshire sogar einen Vorsteuerverlust von 79 Millionen GBP verkünden. Dabei war im vergleichbaren Vorjahreszeitraum noch ein Gewinn von 21 Millionen GBP erwirtschaftet worden.

Börsengang viel zu teuer

Den das Unternehmen zum Anlass nahm, den Börsengang doch durchzuziehen. Schließlich war die Ertragslage in all den Jahren zuvor – von 2011 bis 2018 ist es Aston Martin nur einmal gelungen, schwarze Zahlen zu schreiben – für einen IPO nicht ausreichend. Dass sich die Investoren deshalb verschaukelt fühlen, ist nachvollziehbar. Ebenso, dass sie sich von den Aktien der Aston Martin Lagonda Global Holdings plc, so der offiziellen Firmenname, in Scharen verabschieden. Inzwischen notieren die Anteilsscheine nur noch bei 5 GBP, weit entfernt vom Emissionskurs von 19 GBP, den das Unternehmen im vergangenen Oktober noch erzielen konnte.

Was ein gutes Indiz dafür ist, dass der Emissionspreis von den Banken zu hoch gesetzt worden war. Was unter anderem daran lag, dass die Banken zum IPO gar nicht im Sinne der Investoren handelten, sondern ausschließlich das Wohl der Altaktionäre im Auge hatten. Zur Erinnerung: Kein einziges Pfund, das im vergangenen Oktober in Aktien von Aston Martin investiert wurde, ist ins Unternehmen selbst geflossen. Profitiert haben allein die Altaktionäre, die sich von ihren Papieren getrennt haben.

In der Zwickmühle

Das könnte sich nun rächen, denn dem Unternehmen fehlt möglicherweise das Kapital, die notwendigen Investitionen in neue Produktionsanlagen zu stemmen. Schließlich macht eine Kapitalerhöhung auf dem aktuellen Kursniveau keinen Sinn. Sollte sie dennoch erforderlich werden, bleibt dem Unternehmen wohl nichts anderes übrig, als sich einem finanzstarken Industrieunternehmen anzubieten. Was uns wiederum zu Ferrari bringt, die das wahre automobile Luxussegment für sich reserviert haben. Deren Aktienkurs mit dem bezeichnenden Tickerkürzel „RACE“ ist seit Oktober übrigens um mehr als 30% nach oben geschossen.

Damit trennt sich die Spreu vom Weizen.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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