Astra Zeneca: Auf diese Dividende verzichten wir

Hohe Dividenden-Renditen sind nicht alles. Das betonen wir in unseren Publikationen immer wieder und richten unsere Anlage-Strategie konsequent danach aus. Um sich allerdings nicht von hohen Dividendenzahlungen blenden zu lassen, müssen wir sämtliche Unternehmen unter die Lupe nehmen. Erst wenn wir die Spreu vom Weizen getrennt haben, geht es ans Investieren. Heute möchte ich Ihnen ein Unternehmen vorstellen, das 5% Dividendenrendite verspricht und aus einer vielversprechenden Branche stammt. Es geht um den Pharma-Konzern AstraZeneca.

Nichts Neues bei AstraZeneca

AstraZeneca ist 1999 aus der Fusion der schwedischen Astra AB und der britischen Zeneca Group Plc entstanden. Der Konzern ist in 6 Therapiebereichen tätig: Herz-Kreislauf, Atemwege, Krebs (Onkologie), Magen-Darm, Anästhesie und Stoffwechsel. Der Hauptsitz ist in London, während die Entwicklungs- und Forschungsabteilung im schwedischen Södertälje südlich von Stockholm liegt. Mit den Therapiebereichen scheint das Unternehmen passend für die Leiden des 21. Jahrhunderts aufgestellt zu sein. Alternde Gesellschaften sollten einen Bedarf für Medikamente aus diesen Bereichen haben. Dennoch haben wir bei AstraZeneca Zweifel. Die Dividende kann uns nicht allein überzeugen.

Generika-Konkurrenz und negative Währungseffekte haben AstraZeneca auch das 3. Quartal verhagelt, sodass der Umsatz in den ersten 9 Monaten um 8,8% und der Gewinn um mehr als ein Drittel schrumpften. Belastungsfaktor Nummer 1 ist der Patentverlust bei Seroquel. Der Umsatz mit dem Schizophreniemittel brach um 44% auf 1,31 Mrd $ ein. Aber auch das Hauptmedikament, der Blutfettsenker Crestor, hat inzwischen in verschiedenen Ländern seinen Patentschutz verloren. Der Umsatzrückgang betrug 10% auf 4,16 Mrd $. Das Magen-/ Darmmittel Nexium stagnierte bei 2,9 Mrd $. Regional schrumpften die Erlöse zweistellig in Europa und den USA. Und in China schwächt sich das Wachstum wegen der Bestechungsskandale immer weiter ab.

Viele Baustellen bei AstraZeneca

Für das Gesamtjahr hat das Management eine Umsatzrückgang von 5 bis 10% prognostiziert. Der Gewinn wird noch stärker fallen. Der Konzern hat noch keine schlagkräftigen neuen Produkte, um die Einbußen zu kompensieren. Obendrein ist AstraZeneca Ende Oktober auch noch ins Visier der US-Gesundheitsbehörde FDA geraten. Es geht um die Prüfung der Sicherheit und Wirksamkeit eines neuen Blutverdünners und zweier Seroquel-Varianten.

Da aus der eigenen Forschungsabteilung nichts Neues kommt, muss AstraZeneca zukaufen. Mit der Übernahme der britischen Biotech-Firma Spirogen soll das Geschäft mit Krebsmedikamenten gestärkt werden. Zudem wurde eine Kooperation mit der deutschen Evotec im Bereich Nierenerkrankungen vereinbart. AstraZeneca muss aber auch sparen und streicht 1.600 Stellen, was aber erst mal 1,4 Mrd $ kostet.

Sie sehen schon, bei AstraZeneca gibt es derzeit viele Baustellen. Für den Kurs sind das keine guten Aussichten. Wir nehmen von der Aktie daher Abstand – der interessanten Branche und der hohen Dividendenrendite zum Trotz!

30. Dezember 2013

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Volker Gelfarth. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt