AstraZeneca: Hier haben Anleger heute Lehrgeld gezahlt

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Die Aktie des Pharmariesen AstraZeneca zeigt heute, warum Sie bei der Jagd nach Corona-Impfstoff-Gewinnern vorsichtig sein sollten. (Foto: Roland Magnusson / shutterstock.com)

Das weltweit grassierende Corona-Virus lockt auch die Glücksritter an der Börse an. Diese Glücksritter suchen die Aktie des Unternehmens, das das Corona-Virus besiegt. Da es ein globales Problem ist, handelt es sich um einen Multi-Milliarden-Markt. Auf den ersten Blick ist die Suche nach dem Corona-Gewinner daher verständlich.

Es ist immer schön, Kursraketen an der Börse zu finden, aber ich muss Sie warnen: Mit der Suche nach dem einen Corona-Gewinner werden Sie zu 99% nicht reich. Und das aus mehreren Gründen, auf die ich in der vergangenen Woche im Monatsbericht Juni meines Börsendienstes Der Depot-Optimierer schon eingegangen bin, die ich Ihnen aber auch gleich gerne an dieser Stelle noch erläutern werde.

Auf vorbörsliche Party folgte böses Erwachen

Zuerst aber zu einem ganz aktuellen Beispiel vom heutigen Tag: Am Wochenende sickerte die Meldung durch, dass Deutschland, Italien, Frankreich und die Niederlande gemeinsam beim britisch-schwedischen Pharma-Konzern AstraZeneca bis zu 400 Mio. Corona-Impfdosen bestellt haben. Dabei handelt es sich um einen Vorrat, der fast für die gesamte EU reichen würde.

Daraufhin haben heute Morgen einige Anleger (wohl überwiegend Privat- und Kleinanleger) im vorbörslichen Handel die AstraZeneca-Aktie um rund 30 % auf 120 Euro angeschoben. Das böse Erwachen folgte, als die Referenzbörsen in London und Frankfurt öffneten und die Aktie plötzlich deutlich unter 100 Euro gehandelt wurde.

Schneller haben die Anleger, die die Aktie vorbörslich gekauft hatten, wohl selten Geld verloren. Kommen wir nun zu den Gründen, warum Sie bei der Jagd nach Corona-Impfstoff-Gewinnern vorsichtig sein sollten:

1) Wenige Gewinner, viele Verlierer

Weltweit suchen mehrere 100 Biotech- und Pharmaunternehmen Medikamente und Impfstoffe gegen das Corona-Virus. Am Ende werden davon über 90% leer ausgehen. Zurück bleiben dann nur die Forschungskosten ohne entsprechende Umsätze und Gewinne (= Verlustgeschäft für die jeweiligen Unternehmen).

Sind Sie in der Lage, zielsicher die über 90% Verlierer vorab auszusortieren und die wenigen Gewinner zu finden? Ich kann es nicht. Aus meiner Sicht ist das Börsen-Lotto und keine planbare Investition. Das sehen auch die Experten von der Schweizer Beteiligungsgesellschaft BB Biotech so: Ihr Rat lautet, nur dann in Biotechunternehmen zu investieren, wenn das entsprechende Unternehmen auch ohne Corona-Projekt eine starke Forschungspipeline hat.

2) Gewinnmarge völlig offen

In Industrieländern können die Biotech- und Pharmaunternehmen mit Corona-Medikamenten und -Impfstoffen gutes Geld verdienen. Der Druck auf diese Unternehmen wird aber groß sein, die Corona-Hilfe in armen Ländern sehr günstig oder sogar gratis anzubieten. Ob dann unter dem Strich ein großer Gewinn bleibt, ist völlig offen.

Viele Pharma-Riesen haben intern schon angekündigt, dass sie keinen großen Gewinnhebel sehen, aber dafür im Erfolgsfall einen riesigen Image-Gewinn. Das ist aber kurzfristig an der Börse schwer messbar.

3) Hoffentlich nur ein kurzer Kampf gegen das Corona-Virus

Als dritten und letzten Punkt müssen Sie noch einkalkulieren, dass ein Impfstoff entwickelt werden könnte, der das Virus (hoffentlich) dauerhaft besiegt. Wenn das passiert, würden Corona-Gegenmittel in den Folgejahren zu einem Ladenhüter. Dann wäre das nur ein einmaliger positiver Sondereffekt, der an der Börse schnell verpufft.

Meine aktuellen Favoriten aus dem Pharma- und Biotech-Bereich finden Sie im jüngsten Monatsbericht meines Börsendienstes Der Depot-Optimierer. Mit diesen Investments können Sie nachhaltig von dieser Wachstumsbranche profitieren.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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