AstraZeneca soll an Gilead dran sein

Astrazeneca Logo RED_shutterstock_521453077_Roland Magnusson

Auf dem Pharmamarkt kursieren Gerüchte über eine Mega-Fusion. AstraZeneca soll diesbezüglich Kontakt mit Gilead aufgenommen haben. (Foto: Roland Magnusson / shutterstock.com)

Momentan brodelt die Gerüchteküche auf dem M&A-Markt (engl.: Mergers & Acquisitions-Market – deutsch: Fusionen & Übernahme-Markt). So berichtete das US-Nachrichtenmagazin Bloomberg am vergangenen Sonntag, dass der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca plc. ein Auge auf den US-Mitbewerber Gilead Sciences, Inc. geworfen haben soll.

Laut Bloomberg haben Insider bestätigt, dass es im Mai erste Anfragen seitens AstraZeneca über eine mögliche Fusion gegeben habe. Dabei handele es sich aber (noch) nicht um formelle Gespräche, so die US-Nachrichten-Agentur.

Beide Pharma-Unternehmen gaben keinen Kommentar zu den Fusionsgerüchten ab. Allerdings bestätigten Insider, dass zumindest Gilead die Möglichkeit einer Fusion mit seinen Beratern diskutiert habe. Es seien aber keine Entscheidungen über ein mögliches weiteres Vorgehen gemacht worden.

Beide Unternehmen arbeiten an Corona-Medikamenten

Die Nachricht über eine mögliche Fusion der beiden Pharmakonzerne stößt in Corona-Zeiten auf besonderes Interesse. Denn sowohl AstraZeneca als auch Gilead Sciences arbeiten aktuell an der Entwicklung von Medikamenten zur Bekämpfung der Corona-Pandemie.

Während AstraZeneca an einem Corona-Impfstoff arbeitet, hat Gilead den antiviralen Wirkstoff Remdesivir, der eigentlich für die Ebola-Bekämpfung entwickelt wurde, in seinem Portfolio.

Remdesivir wurde kürzlich in den USA für die Coronabehandlung zugelassen und gilt als ein großer Hoffnungsträger unter den potenziellen Corona-Medikamenten. Die europäische Arzneimittelagentur EMA teilte am gestrigen Montag mit, dass Gilead auch die Zulassung für Remdesivir in der EU beantragt hat.

So ist es nicht verwunderlich, dass beide Unternehmen auch an der Börse von der Krise profitieren konnten. Seit Ausbruch der Corona-Pandemie stiegen die Aktienkurse von AstraZeneca um mehr als +40% an und die Papiere von Gilead legten zwischenzeitlich um +20% zu.

Durch eine Fusion in die Top-Ten

Sowohl AstraZeneca als auch Gilead gehören, gemessen am Jahresumsatz, nicht zu den 10 weltweit größten Pharmakonzernen. Doch dies könnten sich durch eine Fusion ändern.

Während die 61.100 Mitarbeiter von AstraZeneca im vergangenen Jahr einen Umsatz von 24,38 Mrd. US-Dollar (USD) erwirtschafteten, erzielte Gilead mit 11.800 Mitarbeitern in 2019 einen Umsatz von 22,45 Mrd. USD.

Beide Unternehmen zusammen würden, basierend auf den Umsätzen des Vorjahres, in die Top-Ten-Liste der weltweit größten Pharmakonzerne aufsteigen. Konkret würde das Gemeinschaftsunternehmen den 7. Platz im weltweiten Ranking der Pharmaunternehmen einnehmen.

Das fusionierte Unternehmen läge dann knapp hinter der schweizerischen Novartis und vor der US-amerikanischen Merck & Co. Weltweiter Marktführer in der Pharmabranche ist mit großem Abstand das US-amerikanische Unternehmen Johnson & Johnson mit einem Jahresumsatz von 82,06 Mrd. USD in 2019.

Zweifel an Fusionsinteresse

Doch ob es wirklich zu einer Fusion zwischen AstraZeneca und Gilead kommen wird, wie es die Auguren prophezeien, ist ungewiss. Laut David Faber, Marktanalyst des US-Fernsehsenders CNBC, mag es zwar Voranfragen gegeben haben. Er glaube aber nicht, dass mehr an der Sache dran ist.

Nach britischen Vorschriften wäre AstraZeneca verpflichtet gewesen, den britischen Übernahmeausschuss über eventuelle Übernahmegespräche zu informieren, so Faber. Das sei allerdings nicht der Fall gewesen, so der US-Finanzfachmann.

An der Nasdaq löste die Nachricht über eine mögliche Fusion am gestrigen Montag auch keine großen Kurssprünge aus: Der Kurs der AstraZeneca-Papiere gab um -1,42% leicht nach, während die Gilead-Aktie um +0,28% minimal zulegen konnte.

Astrazeneca Logo RED_shutterstock_521453077_Roland Magnusson

Astra Zeneca: Auf diese Dividende verzichten wirWir schauen nicht nur auf die Dividendenrendite – warum das wichtig ist, belegt dieses Unternehmen. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Tobias Schöneich. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz