AT & S-Aktie: Leiterplattenspezialist trotz starker Zahlen im Rückwärtsgang

AT&S-Aktie: Führender Leiterplattenhersteller trotz starker Zahlen unter Druck. Steirer kratzen an der Umsatzmilliarde. Rückkehr in die Gewinnzone gelungen (Foto: Eisenhans - Adobe.com)

Dass die Eigenwahrnehmung und das Fremdbild stark auseinanderdriften können, hat Ihnen das Beispiel des österreichischen Leiterplattenspezialisten AT&S in der vergangenen Woche gezeigt. Denn auf den ersten Blick lesen sich die präsentierten Ergebnisse alles andere als schlecht. Mit kräftigem Wachstum sind die Steirer nur knapp an der Umsatzmilliarde vorbeigeschrabbt und haben die Rückkehr in die Gewinnzone gepackt. Dennoch gab der Aktienkurs deutlich nach. Um mehr als 8% krachten die Papiere in einer ersten Reaktion nach Vorlage der Ergebnisse in den Keller.

Mit Leiterplatten zum Erfolg

Bevor ich auf die jüngsten Ergebnisse eingehe, möchte ich Ihnen den Technologiekonzern erst einmal näher vorstellen. Vielen Anlegern ist der Konzern aus Leoben in der Steiermark vielleicht gar kein Begriff, aber der über 800 Millionen Euro schwere Konzern ist einer der weltweit führenden Hersteller von High-End-Leiterplatten.

Diese sind nicht nur in Millionen von Smartphones, sondern auch in der Automobil- und Industrie-Elektronik sowie in der Medizin-Technik verbaut. Neben den drei Produktionsstandorten in Österreich fertigt AT&S auch an drei asiatischen Standorten in China, Indien und Korea und ist so über Tochtergesellschaften im wichtigen Leiterplattenmarkt Asien vertreten. In Indien ist AT&S dabei größter Leiterplattenproduzent und in Shanghai betreibt der Konzern die größte HDI-Leiterplattenproduktion in China.

Wenn gut nicht gut genug ist

Eigentlich lief es im vergangenen Jahr recht gut bei den Steirern. Die hohen Investitionen der vergangenen Jahre beginnen nämlich langsam Früchte zu tragen. So kletterte der Konzernumsatz in 2017 immerhin auf 991,8 Millionen Euro. Ohne negative Währungseffekte wäre es sogar noch etwas mehr geworden.

So war es ein Zuwachs von knapp 22% im Vergleich zum Vorjahr. Die Werke in China trugen laut Unternehmensangaben wesentlich zum Wachstum bei. Dabei sorgte vor allem die Nachfrage aus dem Automobilbereich, der Medizin, der Industrie und nach High-End-Leiterplatten für mobile Endgeräte für Rückenwind. Obwohl AT&S den höchsten Umsatz der Firmengeschichte erzielte und nur knapp die Milliarden-Marke verfehlte, zeigten sich die Anleger enttäuscht. Offenbar waren die Investoren von einem noch stärkeren Wachstum ausgegangen.

Rückkehr in die Gewinnzone gelungen

Unterdessen zeigten die Österreicher auch bei der Profitabilität deutliche Fortschritte. Nach einem Verlustjahr (-22,9 Millionen Euro in 2016) gelang AT&S wieder der Sprung in die Gewinnzone. Unterm Strich blieben 56,5 Millionen Euro an Nettogewinn hängen. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich dank einer ausgegebenen Hybridanleihe von 37,6% auf 46%, die Nettoverschuldung ging um 45% auf 209 Millionen Euro zurück.

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Davon sollen auch die Aktionäre profitieren. Firmenboss Andreas Gerstenmayer schlägt eine Erhöhung der Dividende auf 36 Cent je Aktie vor. Sie müssen wissen: Im Vorjahr schüttete das Unternehmen lediglich 10 Cent je Anteilsschein aus.

Nachlassende Dynamik im laufenden Geschäftsjahr erwartet

Vielleicht lag der Kurseinbruch aber auch an der Prognose, die der Konzern ausgegeben hat und die auf den ersten Blick etwas schwach anmutet. So peilt Firmenchef Gerstenmayer „nur“ einen Umsatzzuwachs von 6% an. Die Visibilität für die zukünftigen Monate ist wie gewohnt gering. Der Konzern erwartet eine stärker Saisonalität im Bereich der mobilen Anwendungen, die schwer vorhersehbar ist.

Da in diesem Bereich zuletzt 66% der Gesamtumsätze erzielt wurden, ist das von hoher Bedeutung für die Anleger. Das konnten Sie auch am Aktienkurs in den vergangenen Wochen beobachten. Wann immer über eine Schwäche  bei dem Smartphone-Riesen Apple spekuliert wurde, verzeichneten Zulieferer wie AT&S herbe Kursschwankungen.

Weitere Investitionen geplant

Auch wenn die großen Investitionen in die Fertigungsstätten durch sind – AT&S pumpt weiterhin ordentlich Geld in die eigene Technologieentwicklung. So sollen für Erhaltungsinvestitionen und kleinere Technologie-Upgrades in diesem Jahr bis 100 Millionen Euro aufgewendet werden. Zusätzlich könnten aber noch weitere 100 Millionen Euro in Kapazitäts-und Technologieerweiterungen fließen. Trotzdem will das Unternehmen eine EBITDA-Marge zwischen 20 und 23% erreichen.

Auf mittlere Sicht sieht Gerstenmayer weiteres Potenzial. In den kommenden fünf Jahren soll der Umsatz auf bis zu 1,5 Milliarden Euro klettern und die EBITDA-Marge zwischen 20 und 25% liegen.


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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.