AT&T: Time-Warner-Übernahme hängt weiter in der Luft

Die Trump-Regierung funkt beim Milliarden-Deal zwischen AT&T und Time Warner dazwischen. Hier erfahren Sie alles Wissenswerte darüber: (Foto: Sasin Paraksa / shutterstock.com)

Das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen hat so seine Tücken. Denn nicht immer laufen die geplanten Transaktionen wie „geschnitten Brot“.

Je größer die Deals werden und je marktbeherrschender die beteiligten Firmen sind, desto mehr Widerstand formt sich oft auch von regulatorischer Seite.

So ist es auch im Fall der Riesen-Fusion zwischen Time Warner und AT&T:

Im Juni vergangenen Jahres legte der Telekom-Riese eine Offerte in Höhe von 107,5 Dollar je Time Warner-Aktie auf den Tisch.

Daraus ergab sich ein stolzer Kaufpreis von 85,4 Mrd. Dollar. Incl. übernommener Schulden liegt die Summe bei 108,7 Mrd. Dollar. Doch die Mega-Fusion zieht sich wie Kaugummi…

Time-Warner-Aktie im Rückwärtsgang

Die Verhandlungen mit den Behörden sind weiter in vollem Gange; alle Genehmigungen liegen laut AT&T-Chef vor, nur die des Justiz-Ministeriums fehlt noch.

Gerade hieraus könnten massive Probleme für den Zusammenschluss entstehen. Denn das bis zum Jahresende geplante „Closing“ des Deals wird immer unwahrscheinlicher.

Bereits während des Wahlkampfs im vergangenen Jahr hatte der US-Präsident Donald Trump angekündigt, dass unter seiner Präsidentschaft die Übernahme an dem Justiz-Ministerium scheitern wird.

Vor wenigen Tagen verlieh er seinen damaligen Aussagen Nachdruck und bestätigte, dass er die Transaktion nicht durchwinken würde.

Dabei steht Trump mit seinen Bedenken nicht alleine da. Er befürchtet eine marktbeherrschende Stellung, die auch vielen Verbraucher-Schützern Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

Die Time-Warner-Aktie reagierte deutlich auf die weiteren Verzögerungen:

Nach einem Tages-Minus von 6,5% notieren die Papiere nun bei 88,50 Dollar und haben sich damit deutlich von dem Übernahmepreis in Höhe von 107,5 Dollar je Anteilsschein entfernt.

Alles dreht sich um CNN

Dabei gäbe es durchaus Optionen, die den Deal doch noch durchbringen könnten.

Laut dem Ministerium soll sich der Konzern von CNN trennen.

Andere Quellen berichten, dass es um die gesamte Kabelsparte geht. Demnach soll ein Verkauf von Turner Broadcasting oder DirectTV erforderlich sein, um den Deal zu finalisieren.

AT&Ts Firmenchef Randall Stephenson hat hierzu eine klare Meinung: Für ihn kommt ein CNN-Verkauf auf keinen Fall in Frage.

Abhängigkeit vom Mobilfunkmarkt soll verringert werden

Die Gründe für den Time-Warner-Kauf liegen auf der Hand:

AT&T will sich mit der Übernahme unabhängiger vom Mobilfunk-Geschäft machen, wo kleinere Rivalen wie die Telekom-Tochter T-Mobile US und Sprint zunehmend Druck ausüben.

Mit der Übernahme stößt der größte amerikanische Telekommunikations-Konzern weit ins Geschäft mit TV- und Film-Inhalten hervor.

Sie müssen wissen: Zu Time Warner gehören Fernsehsender wie CNN und HBO („Game of Thrones“) sowie das Hollywood-Studio Warner Bros.

Damit folgt AT&T einem Branchen-Trend:

Die Telekom-Konzerne suchen nach neuen stabilen Geldquellen und exklusiven Inhalten für ihre Netze, weil die Erlöse im klassischen Kerngeschäft unter Druck stehen.

Tücken im Übernahme-Geschäft

Die geplante Riesen-Fusion des Telekom-Konzerns und des Medien-Giganten zeigt Ihnen:

Es ist keine gute Strategie blind auf Übernahmen zu setzen, ohne sich in der Tiefe mit Hintergründen und möglichen Fallstricken zu befassen.

Seit Jahresbeginn liegen sowohl die Time-Warner-Aktie (-8%) als auch die AT&T-Papiere (-23%) nicht nur deutlich im Minus, sondern hinken auch dem breiten Aktienmarkt deutlich hinterher.

So kletterte der marktbreite S&P 500-Index im gleichen Zeitraum um 15% in die Höhe.

Zumindest zum heutigen Zeitpunkt ist zudem mehr als fraglich, ob der Deal noch durchgeht und die Time Warner die Verluste wieder zeitnah aufholt.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.