Athen sorgt für Verunsicherung – Dax im Minus

Dem Dax ist zum Wochenausklang die Puste ausgegangen. Bereits am Donnerstag ging der Leitindex mit minimalen Verlusten aus dem Handel. Am Freitag schloss der Dax weitere 0,5 Prozent tiefer bei 10.846 Punkten.

Für Verunsicherung sorgte erneut vor allem die Lage in Griechenland. Ministerpräsident Alexis Tsipras und Finanzminister Yanis Varoufakis haben inzwischen ihre Europa-Tournee beendet, bei der sie mit den höchsten politischen Vertretern verschiedener Länder und Institutionen verhandelt haben.

Tour durch Europa fördert Diplomatie

Der neuen griechischen Regierung geht es vor allem um eine Entlastung der Gesellschaft, die unter den Folgen des harten Sparkurses der vergangenen Jahre ächzt. Außerdem soll die Wirtschaft angekurbelt werden.

Ein ursprünglich geforderter Schuldenschnitt ist inzwischen wohl vom Tisch. Die Reise durch Europas Hauptstädte hat auch bei Tsipras und Varoufakis dazu geführt, deutlich diplomatischere Töne anzuschlagen als noch vor wenigen Wochen.

Nun scheint der Weg zu möglichen Kompromissen geebnet, doch wie die im Detail aussehen können, steht nach wie vor in den Sternen. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, ab dem 11. Februar griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten zu akzeptieren, macht die Situation für die neue Regierung in Athen nicht einfacher.

Pragmatismus bei der Kompromisssuche

Insbesondere Berlin fordert ein weiterhin hartes Vorgehen und beharrt auf Sparmaßnahmen, während aus Brüssel und Paris zuletzt die Bereitschaft zu vernehmen war, den Griechen entgegenzukommen.

Letztlich werden beide Seiten lernen müssen, die Fakten zu akzeptieren: Europa wird mit einem demokratisch gewählten, linksgerichteten Ministerpräsidenten Tsipras zurechtkommen müssen, der verständlicherweise eigene politische Akzente zu setzen versucht.

Umgekehrt wird seine Regierung der eigenen Politik einiges an Pragmatismus hinzufügen müssen, um die Verhandlungen zu einem für die Griechen akzeptablen Ergebnis zu führen.

Da der Ausgang dieser neuen Situation noch völlig offen ist, ziehen sich viele Anleger erst einmal an die Seitenlinie zurück und beobachten das Geschehen. Die Umsätze blieben zuletzt vergleichsweise dünn.

Analysten sorgen für Bewegung

Im insgesamt schwachen Umfeld blieben die Gewinne der Top-Werte überschaubar. Die Dax-Spitze eroberte die Commerzbank mit einem Aufschlag von 0,9 Prozent nach einem positiven Analystenkommentar. Die Ränge zwei und drei gingen an die Deutsche Börse und an Volkswagen, deren Anteilsscheine um 0,8 beziehungsweise 0,7 Prozent vorrückten.

Nach einer Analysten-Herabstufung fanden sich die beiden Fresenius-Aktien auf den hinteren Rängen wieder. Fresenius rutschte um 2,3 Prozent ab, die Tochter FMC verlor 1,3 Prozent. Schwach präsentierte sich auch Bayer: Gewinnmitnahmen sorgten für einen Abschlag von 2 Prozent.

Schwierigkeiten bei der Lufthansa

Die rote Laterne ging aber – wieder einmal – an die Lufthansa, deren Papiere 2,4 Prozent tiefer aus dem Handel gingen. Der Vorstand hatte vor einer schwierigen Lage für die Airline gewarnt, da im vergangenen Jahr die Durchschnittserlöse im Fluggeschäft um mehr als 3 Prozent zurückgegangen seien, während die Kosten für das Personal sowie Gebühren anziehen würden.

Die Kranich-Airline sieht ihr Kerngeschäft zudem gleich von zwei Seiten bedroht: Während im innereuropäischen Bereich die Billig-Konkurrenz auf dem Vormarsch ist, bauen im Langstreckenverkehr vor allem arabische Premium-Fluggesellschaften ihre Marktanteile aus.

Zudem hat die Lufthansa auch intern zu kämpfen: Der Tarifstreit mit der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit ist nach wie vor nicht beigelegt, womöglich drohen weitere Streiks – die haben bereits im vergangenen Jahr Millionenbeträge verschlungen und die Bilanz somit zusätzlich belastet. Im Detail werden die Zahlen für 2014 am 12. März vorgelegt.

9. Februar 2015

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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