Athener Rekord-Kurssturz perlt an DAX-30 ab

Nach fünfwöchiger Zwangspause ist heute Morgen die Athener Börse eingebrochen: Der griechische Leitindex Athex Composite stürzte direkt zur Eröffnung um 23 Prozent auf 615 Punkte ab – das ist der größte Kursverfall in seiner Geschichte. Am 26. Juni war der Index mit 797 Punkten aus dem Handel gegangen.

Keine einzige Aktie der 60 umsatzstärksten Unternehmen an der Athener Börse notierte im Plus. Vor allem die Bank-Titel wurden abgestraft, der entsprechende Index gab um fast 30 Prozent nach – ebenfalls ein Negativ-Rekord.

Doch dieser Kurssturz kommt wahrlich nicht überraschend: Auf das jüngste Kapitel des hellenischen Schuldendramas mit allen schlechten Nachrichten konnten die Inhaber griechischer Aktien ja auch nicht reagieren. Kein Wunder, dass jetzt ein gewisser Nachholbedarf eingetreten ist.

Fragezeichen hinter dem dritten Hilfsprogramm

Schließlich hat sich die Situation der griechischen Wirtschaft in den vergangenen fünf Wochen noch einmal deutlich verschlechtert. Und hinter dem dritten, 86 Mrd. Euro schweren Hilfsprogramm für Griechenland steht weiterhin ein dickes Fragezeichen. Von Fortschritten im Verhandlungsprozess ist jedenfalls kaum etwas zu hören.

Doch all dies perlt an den Anlegern in Deutschland heute ab. Der DAX-30 legte einen soliden Wochenstart hin, die Ferienzeit macht sich mit ruhigen Umsätzen bemerkbar. Zudem stehen heute, wie auch in den kommenden Tagen, andere Themen im Fokus: Welche Nachrichten kommen aus China? Wie läuft die Berichtssaison in Europa und den USA weiter? Und schließlich: Geben die aktuellen Konjunkturdaten ein Signal hinsichtlich der Zinswende in den USA? Auf diese Fragen erwarten die Börsianer nun Antworten.

In China werden sicherlich noch weitere Kursrückgänge kommen – der Leitindex in Shanghai liegt immer noch fast 70 Prozent höher als vor einem Jahr. Zudem schwächelt die Wirtschaft – von einem „Absturz“, den manche Analysten schon beschreiben, ist China aber weit entfernt. Auch wenn die chinesische Notenbank für dieses Jahr nur mit dem niedrigsten Wachstum seit 25 Jahren rechnet: Es beläuft sich immer noch auf sieben Prozent!

Stimmung in der deutschen Industrie besser als prognostiziert

Zur europäischen und US-amerikanischen Konjunkturseite: Mit Spannung blicken die Börsianer auf kommenden Freitag – dann gibt es den US-Arbeitsmarktbericht für Juli. Immerhin signalisierte die Notenbank Federal Reserve (Fed) zuletzt, dass für eine Leitzinswende eine verbesserte Situation am Arbeitsmarkt notwendig sei.

Die europäischen Stimmungsbilder zeigen unterdessen, dass die anstrengende Schuldendebatte rund um Griechenland die Unternehmen kaum belastet. Im Gegenteil: Die Stimmung in der deutschen Industrie ist im Juli besser ausgefallen als prognostiziert.

Auch die Berichtssaison zeigt ein starkes Bild der deutschen Wirtschaft. Die bisherigen Quartalszahlen sind überwiegend gut ausgefallen. In den kommenden Tagen liefern aus dem DAX-30 BMW, Continental und Beiersdorf ihre Berichte ab, bevor am Donnerstag Großkampftag ist: Dann berichten Deutsche Telekom, Deutsche Post, Munich Re und Adidas.

In den vergangenen Tagen nutzten Anleger schon kleinere Berichts-Schwächen dazu, um bis dahin gut gelaufene Aktien abzustrafen. Auch vor diesem Hintergrund wird diese DAX-Woche spannend werden. Mit Kursrücksetzern einzelner Aktien sollte man rechnen.

3. August 2015

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Philipp Ley
Von: Philipp Ley. Über den Autor

Philipp Ley ist ausgebildeter Wirtschaftsjournalist mit Stationen u. a. bei n-tv, Financial Times Deutschland, Rheinischen Post und der Aktien-Analyse. In den vergangenen zwölf Jahren hat er zudem als Kommunikations- und Investor-Relations-Berater zahlreiche Geschäftsberichte erstellt: für kleinere aufstrebende Unternehmen ebenso wie für Börsenschwergewichte.

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