AT&S: Mittel- bis langfristig gute Perspektiven

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Der österreichische Leiterplatten-Hersteller AT&S kam an der Börse zuletzt unter Druck. Die Perspektiven sind aber besser als die jüngste Kursentwicklung. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Der österreichische Leiterplattenhersteller AT&S wird an der Börse aktuell meines Erachtens unterschätzt. Das Unternehmen bekam zuletzt zwar die Probleme in der Automobilbranche zu spüren und litt auch etwas unter der schwächelnden Smartphone-Nachfrage, schaffte aber dennoch in den ersten 9 Monaten des Geschäftsjahres 2018/2019 Umsatz-, Ergebnis- und Margensteigerungen und adressiert mit seinen Produkten einige wichtigste Zukunftsmärkte.

Blicken wir noch einmal im Detail auf die Anwendungsfelder der AT&S-Produkte und auf das Geschäftsmodell: AT&S ist europäischer Marktführer und weltweit einer der führenden Hersteller von hochwertigen Leiterplatten und sogenannten IC-Substraten. Leiterplatten sind die Schnittstelle zwischen den elektronischen Endgeräten und den mechanischen und elektronischen Bauteilen (z. B. Halbleiter).

Wo AT&S-Produkte zum Einsatz kommen

Die Leiterplatten von AT&S werden in mobilen Endgeräten (wie Smartphones, Smartwatches, Tablet PCs, Notebooks etc.), Industrieelektronik (Prozesssteuerung, Sensorik usw.), im Bereich Automotive (z. B. Getriebesteuerung, Kamera- und Sicherheitssysteme etc.) sowie in der Medizin- und Gesundheitstechnik (Herzschrittmacher, Hörgeräte usw.) eingesetzt.

Schauen wir uns nun noch an, was es mit den sogenannten IC-Substraten auf sich hat: IC-Substrate sind das Bindeglied zwischen Mikrochips und Leiterplatten beim Einsatz sogenannter Mikroprozessoren.

AT&S produziert IC-Substrate für Notebooks, Desktop PCs und Server. Neben dem Trend zum autonomen Fahren profitiert AT&S beispielsweise noch von der zunehmenden Verbreitung von sogenannten Wearables (wie Smartwatches). Hier wird eine weitere Miniaturisierung, auch für die Leiterplatte, erforderlich sein.

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Zuletzt mit soliden Zahlen

In den ersten 9 Monaten des Geschäftsjahres 2018/2019 legte AT&S beim Umsatz um 3,2% auf 790,1 Mio. Euro zu. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich überproportional zum Umsatz um 15,9% auf 220,5 Mio. Euro.

Die EBITDA-Gewinnmarge lag damit bei starken 27,9% (nach 24,8%). Beim operativen Gewinn (EBIT) verzeichnete AT&S sogar ein Plus von 36,9% auf 121,5 Mio. Euro. Die operative Gewinnmarge (EBIT-Marge) verbesserte sich ebenfalls deutlich von 11,6 auf 15,4%.

Auch in der Unternehmenskasse kam mehr an: Der Cashflow (Kassenzufluss) aus laufender Geschäftstätigkeit legte von 121,0 auf 153,2 Mio. Euro zu. Auch der Nettoverschuldungsgrad hat sich deutlich verbessert (von 29,4 auf 17,5%).

Das AT&S-Management sieht die langfristigen Megatrends intakt, beobachtete aber zuletzt eine Nachfrageschwäche in der Automobilindustrie und im Bereich der mobilen Endgeräte. Daher wurde die Umsatzprognose (zuvor +6 bis +8%) auf +3% gekürzt. Die Zielgröße bei der EBITDA-Marge (24 bis 26%) wurde bestätigt.

Kurzfristig kann es hier zu weiteren Rücksetzern kommen. Die langfristigen Umsatz- und Ergebnistreiber sind jedoch intakt, sodass sich auch der Aktienkurs mittel- bis langfristig positiv entwickeln sollte und sich hier Geduld am Ende auszahlen dürfte.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.