AT&T: EU-Kommission winkt Milliardendeal mit Time Warner durch

Jetzt ist die nächste Hürde geschafft und ein weiterer Milliardendeal ist auf der Zielgeraden.

Denn nun hat die EU-Kommission den Kauf des US-Medien-Konzerns Time Warner durch den Telekommunikations-Riesen AT&T abgesegnet.

Da beide Firmen in unterschiedlichen Bereichen aktiv sind, sieht die Wettbewerbs-Behörde keinen Grund zur Sorge.

Mega-Fusion schafft neuen Platzhirsch

Für das Medien-Unternehmen Time Warner legt der Telekommunikations-Konzern AT&T die stolze Summe von 108,7 Mrd. Dollar auf den Tisch.

Das ist bereits der 2. Riesendeal von AT&T innerhalb kurzer Zeit; erst in 2015 hatte der US-Konzern für 48,5 Mrd. Dollar beim Sateliten-Anbieter DirecTV zugeschlagen.

Für das Geld bekommt AT&T eine Firma, die bei leichtem Wachstum robuste Margen zeigt:

Bei einem Jahres-Umsatz von zuletzt 29,31 Mrd. Dollar erzielte Time Warner einen Gewinn von 3,92 Mrd. Dollar. Mit 13,39% lag die Gewinnmarge das 4. Jahr in Folge oberhalb der 13%-Marke.

Telekom-Unternehmen unter Zugzwang

Warum wagt AT&T solch einen Riesen-Zukauf? – Ganz klar: Die Telekommunikations-Branche steht unter Zugzwang; immer mehr gewinnen Online-Inhalte an Bedeutung.

AT&T verkauft von Haus aus Mobilfunk- und Breitband-Dienste, hat aber bereits mehrere Standbeine im Medien-Geschäft:

Neben DirecTV unterhält der Konzern eine Gemeinschafts-Firma, die in der Branche investiert und einen Videostreaming-Dienst auf den Markt gebracht hat.

Der Konzern mit Sitz in Dallas (Texas) ist mit rund 280.000 Beschäftigten einer der größten privaten Arbeitgeber des Landes.

Zuletzt setzte der Telekommunikations-Riese 163,7 Mrd. Dollar im Jahr um – allerdings sind die Gewinne unter Druck:

Im vergangenen Geschäftsjahr blieben zwar immer noch 12,97 Mrd. Dollar an Gewinn hängen (Gewinnspanne: 7,92%).

Das liegt aber deutlich unter den Werten der Vergangenheit. Sie müssen wissen: In 2010 wirtschaftete die Firma mit einer Marge von 15,98% noch deutlich gewinnträchtiger.

Amazon und Netflix bieten Medien-Firmen die Stirn

Sie konnten in den vergangenen Jahren einen grundlegenden Paradigmen-Wechsel in der Medien-Branche beobachten:

Das klassische Durchleiten von Inhalten liefert immer weniger Ertrag.

Gefragt sind heute neue Medien-Plattformen wie Amazon und Netflix, die zunehmend eigene Inhalte (Filme und Serien) für ihr Online-Angebot produzieren.

Nahezu alle Kultserien können bei den Streaming-Diensten über das Web abgerufen werden. Mit den eigens produzierten Serien haben die Anbieter bereits diverse Auszeichnungen abgeräumt.

Time Warner solls jetzt richten

Mit Time Warner verstärkt sich AT&T in genau diesem Wachstums-Bereich.

Zu dem Unternehmen gehören nicht nur zahlreiche Sender wie HBO, CNN, TBS und TNT, sondern eben auch eine Beteiligung am Netflix-Rivalen Hulu.

Zugleich hält Warner Rechte an Kassenschlagern wie Harry Potter und Batman. Damit bietet Time Warner dem Telekommunikations-Spezialisten die nötigen Inhalte, um bei den Kunden zu punkten.

Kritische Verschuldung birgt hohes Risiko

Aber der Deal ist beileibe kein Selbstläufer; es gilt noch lange nicht als sicher, dass es der Medien-Riese nur auf Grund seiner zukünftigen Größe auch zum Erfolg bringt.

Vielleicht wäre der günstigere Kauf von gezielten Verwertungs-Rechten der bessere Weg gewesen. Der Preis ist jedenfalls immens – AT&T sitzt bereits auf einem 120 Mrd. Dollar schweren Schuldenberg.

Nicht die letzte Übernahme

Einst steht fest: Der AT&T Deal mit Time Warner wird garantiert nicht der letzte Zusammenschluss gewesen sein.

Die Transaktion belegt, dass Inhalte für die Telekommunikations-Branche immer bedeutender werden – nicht umsonst hat gerade erst Verizon bei dem Internet-Pionier Yahoo zugeschlagen.

Die Suche nach neuen stabilen Einkommens-Quellen und exklusiven Inhalten dürfte sich in Zukunft eher noch beschleunigen.

17. März 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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