ATX-ETF und Intercell als Kauf-Kandidaten, EVN und Conwert neu dabei

Der österreichische Leitindex ATX notiert aktuell deutlich unter dem Jahreshoch, aber die 52-Wochen-Bilanz ist noch immer positiv. Vor einem Jahr habe ich Ihnen hier im „Geldanlage-Berater“ einen Index-Fonds (ETF) auf den ATX empfohlen.

Bisher hat Ihnen der ETF ein Plus von rund 15% gebracht. Damit ist das Potenzial jedoch noch lange nicht ausgereizt. Angesichts der niedrigen Bewertung gemessen an Bewertungskennzahlen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis und Kurs-Buchwert-Verhältnis erwarte ich auf Sicht von 12 Monaten einen Index-Anstieg Richtung 3.000 Punkte.

Aufgrund der positiven Aussichten erhöhe ich das Kauflimit für den Index-Fonds iShares ETF ATX (WKN: A0D8Q2) von 23 auf 25 €.

Mit dem ETF profitieren Sie von den zu erwartenden Kurssteigerungen in Österreich und sichern sich gleichzeitig noch die Dividenden der 20 ATX-Werte (die anteiligen Erträge werden an die ETF-Besitzer ausgeschüttet). Den ETF können Sie spesengünstig über den Handelsplatz Xetra ordern.

Ebenfalls vor einem Jahr erfolgte die Kauf-Empfehlung für die österreichische Biotech-Aktie Intercell. Dieses Investment hat sich bisher noch nicht ausgezahlt. Nach 2 etwas schwächeren Quartalsergebnissen ist die Aktie sogar unter die 20-€-Marke gerutscht.

Bei Biotech-Unternehmen haben einzelne Quartalsergebnisse jedoch eine relativ geringe Aussagekraft. Entscheidend ist der Wert der Produktpipeline. Und hier verfügt Intercell über mehr als ein halbes Dutzend aussichtsreiche Neuentwicklungen.

Daher bleibt meine Einschätzung: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein Pharma-Gigant die gesamte Forschungspipeline übernehmen möchte und ein Übernahmeangebot vorlegt.

Der Schweizer Pharma-Konzern Novartis hat sich bereits knapp 15% der Intercell-Aktien gesichert und 31,25 € je Aktie gezahlt. Ende 2009 ist dann auch noch der britische Pharma-Konzern GlaxoSmithKline eingestiegen.

Die Briten besitzen aktuell knapp 2% der Aktien und haben eine Aufstockung auf bis zu 5% angekündigt. Wenn jetzt ein Käufer Intercell vollständig übernehmen will, dürften mindestens die 31,25 € je Aktie fällig werden, die Novartis gezahlt hat.

Meine Empfehlung: Auf dem aktuellen Kursniveau von unter 20 € gehört die Intercell-Aktie (WKN: A0D8HW) zu den attraktivsten Übernahme-Kandidaten in Europa. Die größten Umsätze mit der Intercell-Aktie sind an der Heimatbörse Wien. Sie können den Wert aber an den deutschen Börsenplätzen wie Xetra und Frankfurt zu annehmbaren Konditionen handeln.

Meine Neu-Empfehlungen: Versorger EVN und Immobilienwert Conwert notieren deutlich unter dem Buchwert

Die Aktien im ATX notieren durchschnittlich nur knapp über dem Buchwert (Substanzwert). Da einige ATX-Werte deutlich Kurse über dem Buchwert verzeichnen, heißt das im Umkehrschluss, dass andere Werte deutlich unter dem Buchwert notieren.

Ein Beispiel ist die Aktie der EVN AG. EVN ist ein Versorger, der ursprünglich nur in Niederösterreich aktiv war. Heute betreut das Unternehmen über 3 Mio. Kunden in 18 europäischen Ländern. Die Länder in Osteuropa kommen bereits auf einen Umsatzanteil von 40% und sind die Wachstumstreiber. EVN bietet folgende Dienstleistungen an:

  • Strom
  • Gas
  • Wasser
  • Wärme
  • Entsorgung (Abfall und Wasser)

Günstige Bewertungskennzahlen

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 und einer Dividenden-Rendite von knapp 3% ist im Branchenvergleich keine starke Unterbewertung zu erkennen. Interessanter wird es, wenn Sie auf den Substanzwert schauen. Der Buchwert je Aktie lag am Ende des vergangenen Geschäftsjahres bei 19,18 € – die Aktie notiert aber nur bei rund 12 €.

Das KBV schwankt zwischen 0,6 und 0,7. Das ist ein extrem niedriger Wert. Zum Vergleich: Der deutsche Konkurrent E.ON kommt auf ein KBV von 1,3: wird also – gemessen am Buchwert – fast doppelt so hoch bewertet. Ein KBV deutlich unter 1 ist angemessen, wenn das Unternehmen rote Zahlen schreibt und Kapital vernichtet.

Dann wird auch Substanz vernichtet, der Buchwert sinkt. Das trifft bei EVN jedoch nicht zu. Im Gegenteil: Die Zahlen für das 1. Halbjahr des Geschäftsjahres 2009/2010 sind sehr stark ausgefallen. Das Konzernergebnis stieg um 23,5% auf

208,5 Mio. €. Die ohnehin sehr komfortable Eigenkapitalquote konnte noch weiter gestärkt werden und erreichte 45,5%. Fazit: Gewinn und Bilanz entwickeln sich positiv. Hier gibt es keinen Grund für einen Bewertungsabschlag.

In der Crash-Phase ist die solide EVN-Aktie übertrieben stark von 22 auf 10 € abgestürzt

Aktuell werden die Beteiligungen von EVN quasi mit 0 € bewertet. Aber speziell die Verbund-Beteiligung kann in der nächsten Privatisierungswelle extrem wertvoll werden. Die EVN-Aktie wird dann wieder den Substanzwert von über 19 € erreichen.

Beteiligungen werden vollkommen unterschätzt

Der Grund für die niedrige Bewertung ist ein anderer: Die Beteiligungen, die EVN besitzt, werden von der Börse quasi mit 0 € bewertet. EVN besitzt mehrere Beteiligungen im In- und Ausland. Strategisch besonders wertvoll ist der 12,5%- Anteil am österreichischen Versorger Verbund (einer der europäischen Marktführer im Bereich Wasserkraftenergie).

Da die Verbund AG an der Börse notiert, kann der Wert der Beteiligung auf den Cent genau berechnet werden. Dennoch wird die EVN-Aktie so bewertet, als ob es diese Beteiligung nicht geben würde. Die Investoren gehen davon aus, dass die österreichische Politik es nicht erlauben wird, dass EVN die Verbund-Aktien durch einen Verkauf „versilbert“. I

n guten Zeiten mag das wohl stimmen. Die Frage lautet aber: Muss der österreichische Staat aufgrund der Finanz- und Schuldenkrise Beteiligungen verkaufen, um die Schuldenlast zu senken?

Sobald eine Privatisierung möglich wird und EVN über die Verbund-Aktien im eigenen Portfolio frei entscheiden kann, würden diese stillen Reserven aufgedeckt. Dann wäre der Buchwert von knapp 20 € auch das Kursziel der EVN-Aktie.

Mit der EVN-Aktie investieren Sie in einen soliden Versorger au Österreich, der Ihnen pro Jahr rund 3% Dividenden- Rendite bringt.

Kommt es zu einer neuen Privatisierungsrunde in Österreich, würde das Kursziel der EVN-Aktie schlagartig auf knapp 20 € steigen. Kurse um 20 € waren vor dem Ausbruch der Krise für die EVN-Aktie auch nicht ungewöhnlich.

Meine Empfehlung: Bei Kursen unter 13 € ist der Kauf der EVN-Aktie auch für konservative Anleger interessant. Da der Spread (Differenz zwischen An- und Verkaufskurs) an deutschen Börsenplätzen gering ausfällt, müssen Sie nicht über die Börse Wien ordern.

Conwert: Immobilien zum Schäppchenpreis

Besonders stark haben in der Finanzkrise die österreichischen Immobilien-AGs gelitten. Viele dieser Gesellschaften hatten sich auf Osteuropa spezialisiert und wurden dann von der „Osteuropa-Panik“ kalt erwischt.

In dieser Ausverkaufsstimmung wurden auch Immobilien-Aktien abgestraft, die mit Osteuropa kaum verbunden sind. Werfen Sie einen Blick auf das Immobilien-Portfolio der Conwert Immobilien Invest, die sich auf Wohnimmobilien spezialisiert hat:

49% Österreich, 47% Deutschland und nur 4% Osteuropa. Insgesamt besitzt Conwert 1.752 Immobilien mit knapp 25.000 Mieteinheiten. Das Immobilienvermögen liegt bei 2,5 Mrd. €. Ein „Osteuropa-Abschlag“ ist angesichts der regionalen Aufteilung nicht gerechtfertigt.

15,84 € sind für 9 € zu haben

Die Börse beurteilt das (noch) anders: Der Substanzwert je Aktie (Immobilienvermögen abzüglich der Schulden) liegt bei 15,84 €. Die Aktie kostet aktuell an der Börse aber nicht einmal 9 €. Auch operative Verluste können den Abschlag von über 40% nicht erklären.

Zwar hat Conwert im Krisenjahr 2008 Verluste erwirtschaft, doch bereits 2009 ist die Rückkehr in die Gewinnzone gelungen. 2010 erwarte ich einen Gewinn je Aktie von rund 0,50 €, 2011 sind 0,70 € möglich. Angesichts der soliden Bilanz und der Gewinnentwicklung zahlt Conwert sogar Dividenden.

Wie fast alle Immobilien-Aktien musste auch Conwert einen Wertverfall hinnehmen

Die Conwert-Aktie wird deutlich unter dem Substanzwert von 15,84 €gehandelt. Mehr als ein Risiko-Abschlag von 20% ist jedoch nicht gerechtfertigt.Das Kursziel liegt bei rund 12,50 €.

Vor der Finanzkrise lag der Aktienkurs im Bereich des Substanzwertes. Dieses Niveau werden wir voraussichtlich auf Sicht von 2 bis 3 Jahren bei Conwert nicht wieder erreichen. Ein Risikoabschlag von 20% erscheint angemessen. Das Kursziel liegt daher bei rund 12,50 €.

Meine Empfehlung: Bei Kursen unter 9 € ist der Kauf für Anleger interessant, die sehr preisgünstig in den österreichischen und den deutschen Wohnimmobilienmarkt einsteigen möchten. Der beste Handelsplatz ist die Heimatbörse Wien.

3. Juni 2011

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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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