Auch die Bundesbank warnt: Ob Griechenland noch zu retten ist?

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Ohne weitere Hilfen ist Griechenland nicht zu retten. Die Frage ist: Ob es aber überhaupt mit weiteren Hilfen vor dem Ruin zu retten ist? (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

In Griechenland stehen die Zeichen auf eine Abkehr vom Sparkurs.

Sowohl bei den ehemaligen Oppositionsparteien also auch die bisherigen Regierungsparteien werden die Rufe nach einem Aufweichen des gemeinsam mit dem Rettungspaket verabschiedeten Sparpaketes lauter.

Am 17. Juni finden Neuwahlen statt. Was sie bringen werden, wird sich zeigen. Ob sie entscheidenden Einfluss auf die Zukunft des Landes nehmen können ist unklar. Zu tief stecken die Griechen im Schuldensumpf.

Der griechische Staat gibt deutlich mehr aus als er einnimmt. Allerdings bekommt er aber schon lange kein Geld mehr, weil Investoren Angst vor einem erneuten Zahlungsausfall haben.

Die Lücke wird durch Milliardenhilfen von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds geschlossen. Das kann auf die Dauer nicht weitergehen. Der Staat muss sich selbst helfen, sonst führt das Ganze zwangsläufig zu einer Katastrophe.

Bundesbank fordert einen harten Kurs

Jetzt hat auch die Bundesbank Griechenland mit Nachdruck vor einer Abkehr der vereinbarten Sparmaßnahmen gewarnt. Damit würden die Griechen die Fortführung der Hilfen aufs Spiel setzen, schreibt die Bank in ihrem Monatsbericht.

“Griechenland hätte die damit verbundenen Folgen zu tragen.” Die Währungshüter empfehlen einen harten Kurs gegenüber dem EU-Wackelkandidaten.

Was eine Aufweichung der Kriterien bedeuten würde beschreiben die Experten so: “Der bestehende Ordnungsrahmen von Haftung, Kontrolle und Eigenverantwortlichkeit der Mitgliedstaaten würde dann grundlegend infrage gestellt.”

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Die Folgen für die anderen Euroländer einschließlich Deutschland schätzt die Bank als erheblich, aber beherrschbar ein.

Die der EZB angeschlossenen europäischen Notenbanken haben den Griechen seit 2010 unter anderem über den Kauf griechischer Staatsanleihen und der Bereitstellung vieler Milliarden Euro unter die Arme gegriffen.

Die Bundesbank rät nun aber davon ab, dass die Notenbanken der Euro-Länder weiterhin im großen Stil Geld nach Griechenland transferieren. “Das Eurosystem hat bei der umfangreichen Liquiditätsbereitstellung an Griechenland auf die Umsetzung der Programme vertraut und damit letztlich erhebliche Risiken übernommen”, schreibt sie.

“Angesichts der aktuellen Lage sollte es diese nicht mehr signifikant ausweiten.” Inwieweit man auf die deutschen Währungshüter hören wird, wird sich zeigen.

Europa übt sich in Augenwischerei

Seit Beginn der Krise übt man sich auf der politischen Bühne in Augenwäscherei. Als die Krise losbrach Anfang 2010 hieß es, man werde kein Rettungspaket schnüren. Wie lange hat es gedauert, bis diese Lippenbekenntnisse noch nicht einmal das Papier wert waren, auf dem Zeitungsleute darüber schrieben?

Als im letzten Jahr der Schuldenschnitt ins Gespräch kam hieß es, dass sich auch die privaten Banken daran beteiligen sollen. Aber wer zahlte die Zeche? Allein in Deutschland belastet der Schuldenschnitt die Staatsbanken mit 10 Milliarden Euro.

Und Politiker, allen voran deutsche, bekennen sich weiterhin bei jeder Gelegenheit öffentlich zu einem Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone. Aber wie soll das gehen? Wie soll das finanziert werden?

Was man auf die Aussagen von Politikern geben kann, lässt sich an fünf Fingern abzählen. Und was das am Ende bedeutet liegt auf der Hand: Die Rechnung zahlen wir.


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.