Auch die USA hat ihren Bilanzskandal. Sein Name: Luckin Coffee

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Auch die USA hat ihren Bilanzskandal: Luckin Coffee. Anders als hierzulande greift die Börse hart durch. Die Aktie wird delistet. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Nicht nur in Deutschland rätseln die Börsenprofis gerade darüber, wie die Bilanzmanipulationen von Wirecard jahrelang unbemerkt bleiben konnten, auch die US-Börsen werden gerade von einem ansehnlichen Fall von Bilanzbetrug erschüttert.

Parallelen zu Wirecard

Dort war vor wenigen Wochen bekanntgeworden, dass ein Unternehmen namens Luckin Coffee über mehrere Quartale hinweg die ausgewiesenen Umsatzzahlen aufgebläht hat. Nicht weniger als 40 % des von Luckin Coffee ausgewiesenen Umsatzes des letzten Jahres haben sich als Luftnummer erwiesen. Ferner hat das Unternehmen, eine chinesische Kaffeehauskette, das sich als Herausforderer von Starbucks ansieht, die Ausgaben für Werbung und für den Kauf von Kaffeemaschinen von einem dem Unternehmen nahestehenden Geschäftsmann geschönt.

Wie in Deutschland gibt es auch in der Sache Luckin Coffee jede Menge Verlierer. Zum einen die chinesische Börsenaufsicht, denn das betrügerische Verhalten von Luckin Coffee wirft einmal mehr dunkle Schatten auf das Gebaren der chinesischen Topmanager. Zum anderen auf die Wirtschaftsprüfer, die den Skandal nicht aufdecken konnten – eine weitere Parallele zum hiesigen Wirecard-Skandal.

Hart durchgegriffen

Anders jedoch als hierzulande hat der amerikanische Gesetzgeber inzwischen reagiert. In seltener Einmütigkeit  hat der Senat hat mit den Stimmen der demokratischen und republikanischen Senatoren für ein Gesetz gestimmt, das es ausländischen Firmen zukünftig erschweren werden soll, in den USA an die Börse zu gehen. Insbesondere müssen die Börsenaspiranten den Beweis erbringen, dass kein fremdstaatliches Organ erheblichen Einfluss auf das Unternehmen ausübt, etwa durch den Besitz von Gesellschaftsanteilen. Vordergründig sind davon alle ausländischen Börsenkandidaten betroffen, doch macht man in Washington keinen Held daraus, dass eigentlich nur chinesische Unternehmen gemeint sind.

Und noch in einem weiteren Punkt geht man in den USA konsequenter vor als hierzulande. Der Betreiber der US-Technologiebörse Nasdaq, wo Luckin Coffee notiert ist, hat angekündigt, die Aktien vom Markt zu nehmen. Begründet wurde das Delisting mit öffentlichen Bedenken und der Tatsache, dass das Management von Luckin Coffee nicht die notwendigen Informationen zur Verfügung gestellt habe. Kommt Ihnen das bekannt vor? Mit denselben Argumenten hätte die Deutsche Börse die Wirecard-Aktie schon längst zumindest aus dem DAX, wenn nicht auch aus dem Prime Standard werfen müssen.

Gründer wehrt sich

Dagegen ähneln sich die Reaktionen der offensichtlichen Verantwortlichen. Während der Chief Operating Officer, Liu Jian, als Hauptverantwortlicher der Manipulationen seinen Posten verloren hat, ist nach wie vor unklar, ob der Präsident des Verwaltungsrates und Gründer von Luckin Coffee, Lu „Charles“ Zhengyao, über die Machenschaften informiert war. Inzwischen wurde er vom restlichen Verwaltungsrat zum Rücktritt aufgefordert. Ein Entscheidung soll morgen fallen. Kampflos will Zhengyao das Feld jedoch nicht räumen. In einer persönlichen Stellungnahme hat er sich bei seinen Aktionären entschuldigt und betont, dass er über den Beschluss der Nasdaq tief enttäuscht sei, weil man nicht das Ergebnis der Abschlussuntersuchung abgewartet habe.

Nasdaq greift durch

Das verbleibende Management sieht mittlerweile keine Möglichkeit mehr, sich gegen den drohenden Börsenausschluss zu wehren. Nun harrt man einer endgültigen Verbannung von der Nasdaq. Dementsprechend harsch fiel auch die Reaktion an der Börse aus. Getreu dem Motto „Rette sich, wer kann“ haben Anleger reihenweise ihre Anteile verkauft, um nach einem Delisting nicht ein völlig illiquides Papier zu haben.

Die Aktie notiert inzwischen nur noch bei 2,33 US-Dollar. Zur Erinnerung: Der Emissionspreis zum Börsengang im Mai vergangenen Jahres lag bei 17 US-Dollar, Mitte Januar lag der Kurs noch bei über 51 US-Dollar. Damit wurde ein Marktwert von fast 18 Milliarden US-Dollar vernichtet. Die Aktie ist zum Spielball von Day-Tradern geworden, seriöse Anleger sollten sich nicht engagieren.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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