Auch ein Star-Investor kann sich irren

Warren Buffett verzockt 700 Millionen Dollar mit Aktien von Fluggesellschaften. Dabei hat er immer gewusst, dass die Branche schwierig ist. (Foto: Krista Kennell / Shutterstock.com)

Wenn es einen Investor gibt, der nach strengen Prinzipien handelt, dann ist das Warren Buffett. Ganze Bücherregale sind über Buffetts stringente Anlagephilosophie geschrieben worden. Jeder will wissen, wie der kürzeste Weg zum Milliardär wird. Selbst seine Aktionärsbriefe, einmal jährlich versendet, sind Pflichtlektüre unter seinen Anhängern.

Von Zeit zu Zeit werden diese strengen Prinzipien jedoch zur Verwirrung seiner Fangemeinde aufzugeben. So geschehen zuletzt im Jahr 2016, als das “Orakel von Omaha” erstmals Aktien von Luftfahrtgesellschaften gekauft hat.

Zuvor hatte Buffett die Branche jahrzehntelang gemieden. Aktien von Airlines hatte Buffett gelegentlich als Todesfallen bezeichnet, da deren Geschäft viel Kapital erfordert, ohne dass zugleich zufriedenstellende Gewinne erwirtschaftet werden können.

Plötzlich befindet sich eine ganze Branche unter Druck

Seit der vergangenen Woche dürfte Buffett seine Kehrtwende in Sachen Airlines bereut haben. Da hat die Aktie der US-Fluggesellschaft United Continental einen zweistelligen Kurseinbruch verzeichnet. Hintergrund des Kursverfalls war die Ankündigung des Managements, stärker in das Billigsegment vorstoßen zu wollen.

Gleichzeitig Premium- und Sparpreise anbieten zu wollen, ist selten eine gute Idee. Warum sollten Fluggäste hohe Preise bezahlen, wenn doch auch niedrige angeboten werden? So ist es nicht verwunderlich, dass sich Anleger ernsthafte Sorgen um die Ertragslage von United Continental machen, zumal das Unternehmen, um seine Pläne über einen Einstieg in das Billigpreissegment zu realisieren, seine Flottenkapazitäten massiv ausbauen muss.

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Dabei hat es Buffett immer gewusst

Damit ist genau das eingetreten, was Buffett über Fluggesellschaften immer gesagt hat: Exorbitante Investitionserfordernisse bei gleichzeitig niedrigen Margen.

Dabei ist beileibe nicht nur United Continental von der Strategieänderung betroffen. Auch die Aktien anderer US-Airlines haben angesichts eines nun befürchteten Preiskriegs deutlich nachgegeben. So rutschte in der vergangenen Woche eine ganze Branche massiv ins Minus. Eine Branche, an der sich Buffett in den letzten beiden Jahren massiv beteiligt hat.

Gerüchten zufolge ist sein Vermögen in der vergangenen Woche um nicht weniger als 727 Millionen Dollar geschrumpft. Auch ein Star-Investor irrt manchmal. Doch Sorgen muss man sich nicht um ihn machen. Sein Vermögen wird weiterhin auf 92,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Was zeigt uns diese Geschichte? Dass es manchmal besser ist, seinen Prinzipien treu zu bleiben als einer vermeintlichen Chance nachzujagen. Nichtstun ist eben zuweilen doch die bessere Option.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.