Auch Russland und Singapur geben Monsanto-Übernahme durch Bayer frei

Die Monsanto-Übernahme biegt auf die Zielgerade ein. Auch Russland gibt den 62,5 Mrd. Dollar schweren Deal frei. (Foto: ricochet64 / shutterstock.com)

Die im September 2016 angekündigte Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto durch den Leverkusener Pharma- und Chemie-Konzern Bayer ist auf einem guten Weg, um im zweiten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden zu können.

Gestern Abend wurde bekannt, dass Singapur den Deal freigegeben hat und heute Morgen stimmte auch Russland wie erwartet dem Zusammenschluss zu.

Ganz ohne Auflagen ging es aber auch in Russland nicht. Bayer musste sich dazu verpflichten, für 5 Jahre bestimmte Technologien aus den Bereichen Saatgut und digital farming mit den russischen Agrarunternehmen zu teilen.

Markt rechnet mit zeitnahem Deal-Abschluss

Bis zum Abschluss der Transaktionen fehlen nur noch wenige Genehmigungen, wie zum Beispiel die Freigabe in Mexiko und Kanada. Da mit den US-Behörden vor 2 Wochen bereits eine grundsätzliche Einigung für die Dealfreigabe unter Auflagen erreicht wurde, wird damit gerechnet, dass sich die Nachbarländer dem US-Votum anschließen werden.

Noch liegt die endgültige Freigabe aus den USA zwar nicht vor, doch an einem erfolgreichen Deal-Abschluss zweifelt inzwischen kaum noch jemand. Fraglich ist lediglich, ob Bayer den Deal wie angekündigt im zweiten Quartal über die Bühne bringt, oder doch erst früh im dritten Quartal.

Bayer-Aktie gesucht

Mit dem jetzt sehr wahrscheinlich gewordenen Deal-Abschluss hat auch das Investoren-Interesse an der Bayer-Aktie wieder spürbar zugenommen.

Kurz nachdem die Meldung über die Einigung mit den US-Behörden die Runde machte, zog die Bayer-Aktie an. Im freundlichen Marktumfeld legte die Aktie in den vergangenen 14 Tagen um 7% zu.

Aktuell hadert das Papier ein wenig mit der charttechnischen Hürde bei 100 Dollar, doch Analysten sind mehrheitlich positiv gestimmt, dass die Aktie im weiteren Jahresverlauf zulegen wird.

Mit Bayer schmerzfrei investierenDas Auf und Ab an den Börsen dürfte einigen Börsianern Kopfschmerzen bereiten. Wie Tempo für Papiertaschentücher steht das Bayer Medikament Aspirin als Synonym für Schmerztabletten. › mehr lesen

Im Zuge der über 60 Mrd. Dollar schweren Übernahme entwickelte sich die Bayer-Aktie unterdurchschnittlich, auch weil einigen Investoren die Unsicherheit über den Deal-Ausgang zu groß war.

Jetzt, da der Knoten gelöst ist, hat der Optimismus spürbar zugenommen. Die Aktie ist einen genaueren Blick wert.

Temasek wird neuer Bayer-Großaktionär

Für Freude unter den Bayer-Investoren sorgte auch der Einstieg des singapurischen Staatsfonds Temasek mit 3,6%. Dies ist ein wenig erstaunlich, da eine Kapitalerhöhung ohne Sperrfrist unter Ausschluss der Bestandsaktionäre den Anteil verwässert.

Doch die Investoren nehmen den Einstieg als Hinweis auf die Werthaltigkeit der Monsanto-Übernahme und begrüßen den Preis „nahe am aktuellen Marktpreis“.

Denn Bayer hatte bereits angekündigt, dass zur Finanzierung das Kapital erhöht werden muss. Es wird noch eine Bezugsrechtskapitalerhöhung geben, sodass die jetzige Erhöhung nahe am Marktpreis ein erster Hinweis darauf ist, dass Bayer die neuen Papiere ebenfalls zu guten Konditionen loswerden kann.

Übernahme-Jäger kassieren 44% Gewinn

Mit dem nahenden Deal-Abschluss rückt auch die Überweisung des Übernahme-Preises an die Monsanto-Aktionäre näher. Die Aktie notiert aktuell nicht einmal 3% unter dem Angebotspreis – ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Investoren einen zeitnahen erfolgreichen Abschluss erwarten.

Bayer wird den Monsanto-Investoren 128 Dollar je Aktie überweisen und zahlt damit eine Prämie von 44% auf den Aktienkurs vor Bekanntwerden der Pläne.

Ursprünglich wurde angenommen, dass Bayer wohl 135 Dollar je Aktie für das OK des Monsanto-Managements bieten muss, doch der Gewinn ist selbst unter Berücksichtigung des steinigen Wegs bis zum Abschluss der Transaktion alles andere als eine Enttäuschung.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.