Auf den DAX kommen gravierende Veränderungen zu

DAX Logo RED_shutterstock_392120233_imagentle

Die Deutsche Börse verabschiedet neue Regeln für den DAX und reagiert damit auf die Kritik vieler Marktteilnehmer der letzten Monate. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Sie haben es bestimmt mitbekommen: In den kommenden Monaten werden die wohl gravierendsten Veränderungen in der Geschichte des zum 1. Juli 1988 eingeführt DAX umgesetzt: Der DAX erhält mehr Mitglieder, das Ranglistenkriterium Börsenumsatz wird gestrichen und die Qualitätsanforderungen an die Indexmitglieder erhöht. Das hat die Deutsche Börse AG als Ergebnis ihrer sogenannten Marktkonsultation zur geplanten Reform der DAX-Indexfamilie beschlossen. Lassen Sie mich Ihnen die wichtigsten Änderungen kurz zusammenfassen.

40 statt 30

Die in den Medien am meisten diskutierte Veränderung betrifft die Anzahl der Mitglieder im Large Cap-Index der schwersten deutschen Unternehmen: Zukünftig wird der DAX 40 statt bislang 30 Mitglieder umfassen. Erfreuen wird die Erweiterung des wichtigsten deutschen Marktbarometers diejenigen Unternehmen, die bislang nur geringe Aussichten auf eine Aufnahme in den Großwerteindex hatten. Allerdings geht die Erweiterung zu Lasten des MDAX, der nur wenige Wochen nach seiner Vergrößerung auf 60 Werte schon wieder auf 50 Mitglieder verkleinert wird.

Damit verliert der MDAX aber auch einen erheblichen Teil seiner Marktkapitalisierung. Nach der Vergrößerung wird der DAX – bezogen auf die aktuelle Marktkapitalisierung – rund 82 % der Marktkapitalisierung des Prime-Standard-Segments auf sich vereinen; ein deutlicher Anstieg von bislang 72 %. Im Gegenzug halbiert sich der Anteil des MDAX auf unter 11% von zuletzt gut 20 %.

Zukünftig zwei Nebenwerteindizes?

Dies zeigt, dass es nach der Umstrukturierung der Indexlandschaft im Grunde genommen zwei Nebenwerteindizes unterhalb des DAX geben wird: Den MDAX und den SDAX der Kleinstwerte. Ob dies von der Deutsche Börse wirklich so gewollt war? Das renommierte Deutsche Aktieninstitut hat bereits angeregt, über eine Nachbesserung der Nebenwerteindizes nachzudenken.

Mit der Vergrößerung des DAX einher geht die Streichung des Börsenumsatzranglistenkriteriums. Bislang musste ein DAX-Kandidat nicht nur bezüglich der Marktkapitalisierung, sondern auch in Bezug auf das Handelsvolumen zu den 35 größten Unternehmen zählen, um sich für eine Aufnahmen in den DAX zu qualifizieren. Dieses Kriterium wird nun zugunsten einer Mindestliquidität aufgegeben. Gemäß der neuen Regeln ist für die Aufnahme in einen Auswahlindex ein Jahresbörsenumsatz von mindestens 1 Milliarde Euro vorgesehen.

Naming and Shaming

Reagiert wurde auch die vielfältige Kritik, die mit der Einbeziehung von Delivery Hero in den DAX und den Versäumnissen in der Wirecard-Affäre auf die Verantwortlichen der Deutsche Börse eingeprasselt war. Zukünftig müssen Unternehmen in den beiden zurückliegenden Geschäftsjahren ein positives EBITDA (womit das Ergebnis vor Zinsen, Abschreibungen und Steuern gemeint ist) erwirtschaftet haben. Auch aus Wirecard hat die Deutsche Börse ihre Lehren gezogen.

Verabschiedet wurde ein drakonischer Strafenkatalog für den Fall, dass ein Indexmitglied die Fristen zur rechtzeitigen Vorlage von Geschäftsberichten versäumt. So wird ein säumiger Emittent öffentlich genannt (was im angelsächsischen Rau als „Naming and Shaming“ bekannt ist, auf Deutsch als „Benennen und an den Pranger stellen“) und innerhalb von zwei Werktagen aus den Indizes entfernt, sofern der Emittent nicht innerhalb der nächsten 30 Tage die Berichte vorlegt.

Nicht länger in der Diskussion ist dagegen der Vorschlag, Emittenten, die Geschäfte mit kontroversen Waffen betreiben, nicht in einen Auswahlindex aufzunehmen. Offenbar wollte die Mehrheit der Befragten die strikte Trennung von Markt- und Nachhaltigkeitsindizes beibehalten. Die Vielfalt der Börsenindizes wird Ihnen also auch nach der Umstrukturierung erhalten bleiben.

Dax30 – Langsam wird es langweilig!

Dax30 – Langsam wird es langweilig!Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe des Video-Newsletters John Gossens Daily Dax. Täglich analysiere ich zwei Mal für Sie die internationalen Aktienmärkte und morgens starten wir immer mit dem Blick… › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
thilo-hassler-experte
Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter "GeVestor täglich". Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz