Auflagen verzögern UTC-Raytheon-Fusion kaum

Analyse Stift Hand Diagramm – shutterstock_414153883 everything possible

Die Genehmigung der Fusion zwischen den US-Firmen UTC und Raytheon dürfte nur noch Formsache sein. Beide Unternehmen müssen sich allerdings von Tochtergesellschaften trennen. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Die Fusion des Luft- und Raumfahrtgeschäfts der US-amerikanischen United Technologies Corp. (UTC) und Raytheon, von dem ich Ihnen bereits vor einigen Wochen berichtet habe, ist ins Stocken geraten. So genehmigte zwar die Europäische Kommission den Deal unter Einhaltung bestimmter Auflagen, aber das US-Justizministerium reichte jetzt eine zivile Kartellklage ein, welche die geplante Fusion zumindest kurzfristig verzögert.

Domino-Effekt

Die Verzögerung in den USA hat auch Auswirkungen auf einen weiteren Übernahmedeal mit europäischer Beteiligung: So hat das britische Rüstungsunternehmen BAE Systems plc. bereits ein Folgegeschäft mit UTC und Raytheon abgeschlossen. Die Briten wollen das militärische GPS-Geschäfts von Collins Aerospace – einem Tochterunternehmen der UTC – und das ATR-Funkgeräte-Geschäfts (Airborne Tactical Radio) von Raytheon übernehmen.

Hierfür will BAE-Systems insgesamt 2,2 Mrd. US-Dollar (USD) auf den Tisch blättern. Doch die Briten werden sich wohl noch etwas gedulden müssen. Denn eines ist klar: Verzögert sich die Fusion zwischen UTC und Raytheon, muss auch BAE noch ein wenig warten.

EU gibt grünes Licht – aber mit Auflagen

Bereits am 13.03. hat die Europäische Kommission bekannt gegeben, dass sie die geplante Übernahme von Raytheon durch UTC nach der EU-Fusionskontrollverordnung genehmigt hat. Allerdings beinhaltet die EU-Genehmigung Auflagen, nach denen sich die beteiligten Unternehmen von bestimmten Geschäftsbereichen trennen müssen.

Verkauf militärischer Tochterunternehmen

UTC und Raytheon hatten bereits in ihrer Fusionsvereinbarung angeboten, sich von mehreren militärischen Töchtern trennen zu wollen, um kartellrechtliche Einwendungen zu vermeiden. So hat sich UTC bereit erklärt, die gesamte militärische GPS-Empfänger- und -Entstörungssparte mit Betriebsstätten in Cedar Rapids und Coralville/Iowa an BAE-Systems zu verkaufen.

Auch Raytheon will seine komplette militärische Flugfunksparte, ansässig in Fort Wayne im US-Bundesstaat Indiana, an die britische BAE-Systems abgeben, damit die Fusion zwischen UTC und Raytheon zustande kommen kann.

Klage des US-Justizministeriums mit Hintertürchen

Am vergangenen Donnerstag reichte die Kartellabteilung des US-Justizministeriums eine Klage beim US-Bezirksgericht für den District of Columbia ein. Parallel zur Klage platzierte das Ministerium aber auch einen Vergleichsvorschlag beim Gericht.

Dieser Vergleich schlägt vor, dass Raytheon sich von seinem militärischen Luftbildfunkgeschäft trennt. Darüber hinaus soll sich auch UTC von seinem militärischen Global Positioning System und den weltraumgestützten optischen Systemen trennen, damit die geplante Fusion realisiert werden kann.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Schaut man sich die von der EU gemachten Auflagen und den Vermittlungsvorschlag des US-Justizministeriums einmal genau an, so sind die darin genannten Auflagen nahezu identisch. Da sich die US-Firmen schon im Vorfeld bereit erklärt haben, einige Geschäftsbereiche zu veräußern, sind also anscheinend nur noch Detailfragen zu klären, damit auch das GO aus den USA erfolgen kann.

Alle beteiligten Unternehmen mit Kursgewinnen

Auch die Investoren begrüßten den Vergleichsvorschlag des US-Justizministeriums, der keine unüberwindbaren Hürden für die Fusion zwischen UTC und Raytheon darstellen dürfte. Die Kurse von UTC (+8,7 %), Raytheon (+7,2 %) und auch BAE-Systems (+8,6 %) legten am vergangenen Donnerstag deutlich zu und schlugen dabei auch den Vergleichsindex S&P 500, der an diesem Tag „nur“ um +5,7 % anstieg.

Analyse Stift Hand Diagramm – shutterstock_414153883 everything possible

Kone: Solides und profitables GeschäftsmodellMit seinem soliden und profitablen Geschäftsmodell ist Kone bestens als Langfrist-Investition geeignet. Hier erfahren Sie alles Weitere dazu: › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Tobias Schöneich. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz