Aufstrebende Länder wackeln – Indische Währung fällt auf Rekordtief

Die Stärke der Schwellenländer lässt nach. Länder wie Indien könnten sich sogar zu einer Gefahr für die Weltwirtschaft entwickeln. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Lange Zeit galten die sogenannten „BRIC-Staaten“ (Brasilien, Russland, Indien und China) als weltweiter Wachstumsmotor. Doch zunehmend zeigt sich, dass dieser Motor ins Stottern gerät.

Ein Beispiel dafür ist jetzt Indien: Vor einigen Tagen fiel die Indische Rupie mit einem Kurs von 64 Rupien pro US-Dollar auf ein Rekordtief. Allein in den letzten 12 Monaten verlor die indische Währung 12 Prozent an Wert zum US-Dollar.

Gleichzeitig fiel das Wachstum des Landes von 10 Prozent im Jahre 2010 auf nur noch 4,5 Prozent pro Jahr im Jahre 2012.

Die jetzt drastisch fallende indische Währung zeigt Ihnen, dass Investoren nun zunehmend Kapital aus dem Land abziehen und lieber wieder in den entwickelten Ländern investieren.

Viele Investoren meiden eben die bis vor kurzem noch angesagten Länder, weil die Renditeaussichten schwinden und gleichzeitig die Risiken steigen. Dies ist eine gefährliche Gemengelage.

Ein weiterer Faktor der nun diese Länder unter Druck setzt, ist die hohe Verschuldung vor allem asiatischer Länder bei ausländischen Gläubigern. Wenn nun die eigene Währung an Wert verliert, erhöhen sich dadurch effektiv die Schulden.

Dabei kann man bei der schwindenden Dynamik der Wirtschaft fast davon ausgehen, dass die Unternehmen es kaum schaffen werden, diese gestiegenen Schulden auch tatsächlich auszugleichen. Hier deutet sich eine Abwärtsspirale an, die die verschiedenen Volkswirtschaften weiter unter Druck setzen wird.

Schulden der USA auf Rekordhoch: erstmals über 20 Billionen DollarDie USA stehen vor einer neuerlichen Anhebung der Schuldenobergrenze - was bedeutet das für Anleger? › mehr lesen

Vorsicht: Asien-Krise könnte sich wiederholen

Schon werden Erinnerungen an die große Asienkrise aus den Jahren 1997/98 wach. Damals sorgte der Absturz in den aufstrebenden Tigerstaaten wie Thailand dazu, dass die Weltwirtschaft massiv unter Druck geriet.

Und auch jetzt könnte beispielsweise Thailand wieder zu einem Schauplatz einer neuen Krise werden: Die Verschuldung der Haushalte ist in den vergangenen Jahren massiv angestiegen.

So kletterte die Schuldenquote von 55% noch im Jahr 2009 auf aktuell schon knapp 80%. Tendenz weiter steigend. Diese Werte liegen noch deutlich unterhalb der Euro-Krisenstaaten. Aber dennoch drohen hier schon bald finanzielle Probleme.

An dieser Entwicklung sehen Sie, dass auch das Wachstum der aufstrebenden Länder begrenzt ist und hier neue Gefahren heranwachsen.

Hier entwickelt sich meiner Ansicht nach sogar ein neuer Krisenherd, der das ganze labile Weltwirtschafts-Gefüge zum Einsturz bringen kann, wenn die aufstrebenden Länder als „Wachstumslokomotiven“ ausfallen.

Dieses Risiko wird jedoch jetzt noch völlig unterschätzt von den Finanzmärkten. Aber das könnte sich schon bald als fatal herausstellen.

Die Asienkrise 1997/98 hat es gezeigt: Regionale Krisen haben durchaus die Sprengkraft, um das Gefüge der internationalen Finanzmärkte gehörig durcheinanderzuwirbeln.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.