Augen auf beim „Mieterkauf“…

Ich kann diese Aussage aus eigener Erfahrung beurteilen. Es sind mehrere hundert Mieter, die ich in meinem Leben als Vermieter unter Vertrag hatte. (Foto: Brian A Jackson / Shutterstock.com)

…oder warum Vertrauen gut, aber Kontrolle besser ist!

um es vorweg zu sagen, die allermeisten Mieter sind ehrlich! Keine Frage!

Und ich kann diese Aussage aus eigener Erfahrung beurteilen, es sind mehrere hundert Mieter, die ich in meinem Leben als Vermieter unter Vertrag hatte.

Aber eben nicht alle!

Und daher ist es so ungemein wichtig, bei der Mieterauswahl qualifiziert vorzugehen. Denn bereits wenige Mietschuldner können Ihre Rendite erheblich schmälern, mehr noch, besonders kleinere Privatvermieter können an den Rand des Ruins getrieben werden.

Das will jeder Vermieter natürlich vermeiden.

Neben einer vertraulichen Selbstauskunft und Schufa ist aus meiner Erfahrung die Vorvermieterbescheinigung oder auch Mietschuldenfreiheitsbescheinigung ein sehr wichtiges Instrument bei der qualifizierten Mieterauswahl.

Um aber die Vorlage einer solchen Auskunft zu umgehen, ist manch ein Wohnungsinteressent  kreativ in seinen Aussagen.

Erst vor etwa zwei Wochen bewarb sich ein junger Mann um eine Wohnung bei mir. Er übte einen qualifizierten Beruf aus, machte insgesamt einen soliden Eindruck. Alles gut.

Eine Vorvermieterbescheinigung könne er allerdings nicht vorlegen, sagte er mir.

Grund: Er bewohne eine Wohnung im Mehrfamilienhaus seines Opas, daher brauchte er bisher keine Miete bezahlen. Das sei schön, aber irgendwann würde es Zeit für was Eigenes, erklärte er mir weiter. Außerdem wohne seine Tochter im Nachbarhaus meines Hauses, weswegen die Anmietung meiner Wohnung für ihn besonders attraktiv sei.

Nun ja, da ist was dran!

Aber im Nachgang an das Gespräch schaute ich mir das Formular vertrauliche Selbstauskunft, welches jeder Mietinteressent bei mir ausfüllt und unterschreibt, an.

Seine jetzige Adresse war nicht sehr weit weg, ich kannte die Gegend und wusste, dass da eigentlich nur riesige Plattenbauten stehen. Die wiederum gehören einer großen Wohnungsbaugesellschaft.

Einen Opa als Eigentümer konnte ich mir da nun wirklich nicht vorstellen.

Ich setzte mich kurzerhand ins Auto und fuhr hin. Tatsächlich: Ein Plattenbau!

Glücklicherweise hat die besagte Wohnungsbaugesellschaft ein Büro vor Ort, ich spazierte rein und unter Vorlage der Selbstauskunft, die mich berechtig, die Auskünfte vom Vermieter einzuholen, bekam ich interessante Informationen:

Mehrere tausend Euro Mietschulden, Räumungsklage läuft!

Der Fall war für mich erledigt, das ist klar.

Aber es zeigt, etwas Kontrolle geht auf jeden Fall über Vertrauen.

Nun, vielleicht klingt das für Sie recht aufwendig, so vorzugehen. Aber es hat mir sehr viel Geld und Ärger erspart! Dafür fahre ich gerne auch mal ein paar Minuten und überprüfe die Situation vor Ort.

Ich habe glücklicherweise keine Problemmieter in meinen Liegenschaften und – auch das sage ich deutlich – es gibt KEINE GARANTIE, dass es nicht auch bei mir passiert.

Aber über eine qualifizierte Neuvermietung senkt man das Risiko effizient.

Daher mein Rat: Geben Sie das nicht aus der Hand, kümmern Sie sich selber um die Neuvermietung.

Das Gesetz schützt Sie als Vermieter leider nur sehr bedingt, am Ende zahlt der Vermieter immer drauf.

Die besten Steuerungsmöglichkeiten sind VOR Mietvertragsunterzeichnung.

NACH Unterzeichnung sollte es möglichst harmonisch laufen, ohne sich auf Basis des Mietrechts auseinander setzen zu müssen.

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Von: Andreas Sell. Über den Autor

Andreas Sell ist heute als Investor, Geschäftsführer verschiedener Grundstücksgesellschaften, Beiratsmitglied einer Münchener Fondsgesellschaft und Autor tätig.